Rodrigo Zalazar (l.) und Daniel-Kofi Kyereh (r.) feiern mit Torschütze Guido Burgstaller dessen Treffer zur 1:0-Führung.
  • Rodrigo Zalazar (l.) und Daniel-Kofi Kyereh (r.) feiern mit Torschütze Guido Burgstaller dessen Treffer zur 1:0-Führung.
  • Foto: WITTERS

Wahnsinns-Ende gegen Darmstadt: St. Pauli schon heiß auf das Derby gegen den HSV

Spektakuläres Darmstadt-Drama mit dem besseren und glücklicheren Ende für den FC St. Pauli am Millerntor: Die Kiezkicker besiegten die Lilien nach einer völlig irren zweiten Hälfte mit 3:2 (1:0), feierten den vierten Sieg am Stück, den vierten hintereinander und eine gelungene Generalprobe fürs Derby. Der HSV kann kommen!

Es lief schon die fünfte Minute der Nachspielzeit, als es noch einmal Ecke für die Gäste gab. Keeper Schuhen war schon lange mit vorne, als der Ball vors St. Pauli-Gehäuse segelte und am Fünfmetereck Rapp fand. Der scheiterte am auf der Linie stehenden Sebastian Ohlsson, die Kugel flipperte zurück zu auf den Fuß von Höhn, Schuss, Unterkante Latte, nur weg mit dem Ding – und dann war es tatsächlich geschafft. „Die Szene ist symbolisch für den Unterschied zwischen jetzt und dem Dezember 2020“, sagte Coach Timo Schultz. „Damals wäre so ein Sieg nicht möglich gewesen. Wir haben uns das Glück erarbeitet.“

St. Pauli war Darmstadt in der ersten Halbzeit klar überlegen

Ein solcher Krimi hatte sich in der ersten Hälfte überhaupt nicht angedeutet. „In der ersten Halbzeit hatten wir eigentlich alles im Griff“, befand Schultz. Nicht einmal zwei Minuten waren rum, als Guido Burgstaller nach klasse Vorarbeit von Rodrigo Zalazar die erste Chance hatte, aber an Lilien-Keeper Schuhen scheiterte. In der Folge entwickelte sich – analog zur Partie in Nürnberg – eine Anfangsphase, in der die Claims abgesteckt wurden. Darmstadt war erwartungsgemäß physisch extrem präsent, St. Pauli hielt dagegen und gewann, je länger die Partie fortschritt, immer mehr Oberwasser.

Und die nächste Gelegenheit brachte prompt die Führung. Über Zalazar, Daniel-Kofi Kyereh und Finn Ole Becker kam die Kugel zu Sebastian Ohlsson, dessen abgefälschte Hereingabe Schuhen vor die Füße von Burgstaller abwehrte, der aus zwei Metern keine Mühe mehr hatte (26.). Das vermeintliche 2:0 durch einen Kopfball von Philipp Ziereis fand keine Anerkennung, weil zuvor Burgstaller und Kyereh Darmstadts Dursun gefoult hatten (39.).

Nach der Pause drängte Darmstadt auf den Ausgleich

Von den Gästen war offensiv lange nichts zu sehen, erst in der Nachspielzeit kam Mehlem zu einem ersten nennenswerten Abschluss. Offenbar ein Wachmacher für die Gäste, die druckvoll aus der Kabine kamen. Kempe nagelte einen 18-Meter-Freistoß an die Latte (47.), Dursun zwang Dejan Stojanovic zu einer Parade (51.). Die Führung wackelte bedenklich.

Omar Marmoush vergibt eine Großchance auf das 2:0

Das hätte Omar Marmoush stoppen können, nein müssen! Klasse Pass des überragenden Eric Smith in den freien Raum, Burgstaller legte den Ball an Schuhen vorbei in die Mitte, wo Marmoush nur noch abdrücken musste, aber so lange wartete, bis sein Abschluss geblockt wurde. Kyerehs Nachschuss ging vorbei (58.). Der Beginn einer unglaublichen Phase.

Wahnsinn am Millerntor: Drei Tore in vier Minuten

Im Gegenzug legte Ziereis für Honsak auf, der aus zwei Metern vorbeischoss. Dann traf Marmoush doch noch zum 2:0, in Szene gesetzt von Smith (62.). Aber statt Vorentscheidung hieß es nur vier Minuten später 2:2! Erst traf Skarke unhaltbar aus spitzem Winkel (64.) und legte dann für Dursun auf, der den Ausgleich markierte (66.). Stojanovic vereitelte im Eins-gegen-Eins gegen Honsak noch Schlimmeres (70.), zuvor wäre Marmoush fast die erneute Führung geglückt (68.).

Guido Burgstaller sorgt für den Siegtreffer für St. Pauli

Mit der Hereinnahme von Tore Reginiussen und Umstellung auf Dreierkette fand St. Pauli wieder zu Sicherheit und Stabilität, die Teams belauerten sich auf der Suche nach dem K.o.. Und den setzte – natürlich – Guido Burgstaller. Einen grandiosen langen Ball von James Lawrence saugte der Österreicher herunter und drosch das Runde humorlos ins Eckige (82.). Es war der Schlusspunkt, weil sich Fortuna in der eingangs beschriebenen letzten Aktion auf die braun-weiße Seite geschlagen hatte. „Glücklich, aber nicht unverdient“, befand Timo Schultz, „weil sich die Mannschaft richtig reingebrettert hat.“

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Und jetzt kommt der HSV. Ein Duell, in das St. Pauli dank nunmehr acht Punkten Polster auf den Relegationsplatz ohne jeden Druck gehen kann. „Im Derby gibt es keinen Favoriten“, sagte Schultz und freute sich: „Wir sind in einer guten Ausgangslage.“

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