• Ruud van Nistelrooy und Mladen Petric schießen den HSV 2010 zum Hinspiel-Sieg imEuropa-League-Viertelfinale gegen Lüttich.
  • Foto: WITTERS

Unglaublich, aber wahr!: HSV war vor zehn Jahren ein Top-Team in Europa

Die Zeiten ändern sich. Während der HSV aktuell als Zweitligist im Home Office arbeitet und die Corona-Krise aussitzt, kämpfte er auf den Tag genau vor zehn Jahren um den Einzug ins Europa-League-Halbfinale.

Das große Ziel war das Endspiel zu Hause im Volksparkstadion. Viel hing am Abschneiden im internationalen Geschäft, unter anderem der Job von Trainer Bruno Labbadia. Im Viertelfinal-Hinspiel empfing der HSV die Belgier von Standard Lüttich.

HSV: Europa-League-Viertelfinale 2010 gegen Standard Lüttich

Die Lage ist vor dem Anpfiff an jenem 1. April 2010 alles andere als gut. Der letzte HSV-Sieg ist inzwischen drei Wochen her. Nach dem Erfolg gegen den RSC Anderlecht ist es mit der guten Form vorbei. Niederlagen gegen Leverkusen, im Rückspiel gegen Anderlecht und gegen Gladbach, ein Unentschieden gegen Schalke.

Eine Woche vor der so wichtigen Begegnung ist man auch das erste Mal seit dem ersten Spieltag aus den Top fünf der Bundesliga gerutscht und wäre somit nicht für das internationale Geschäft qualifiziert.

HSV-Schock: Lüttich geht früh in Führung

Die Stimmung unter den 48.437 Zuschauern ist angespannt und wird nicht viel besser, als Dieudonne Mbokani Jerome Boateng bei einer Ecke entwischt und zur Führung der Belgier einnickt (30.). Eine Schockwelle geht durchs Stadion, als die in rot gekleideten Belgier zum Jubeln zur Eckfahne abdrehen.

Doch die HSV-Spieler zeigen sich nicht beeindruckt. Nur fünf Minuten nach dem Treffer bietet sich Stürmer-Star Ruud van Nistelrooy die Chance zum Ausgleich, doch aus 18 Metern klatscht der Ball an den Pfosten.

Das 1:1 besorgt wenig später Sturmkollege Mladen Petric. Nach einem Foul an Jonathan Pitroipa verwandelt er den fälligen Elfmeter souverän.

Während sich jetzt alles auf den Halbzeitpfiff einstellt, legt der HSV nach! In der 45. Minute flankt Dennis Aogo in den Strafraum, van Nistelrooy hält den Fuß hin und überwindet Sinan Bolat im Tor von Lüttich, der noch mit den Fingerspitzen an den Ball kommt.

HSV gewinnt das Hinspiel gegen Lüttich mit 2:1

In der zweiten Hälfte verpasst es der HSV in Form von van Nistelrooy, David Jarolim und Zé Roberto, ein drittes Tor nachzulegen. Das soll sich fast rächen. Nach Flanke des späteren Gladbachers Igor De Carmago verlängert Mbokia das Leder mit dem Kopf, doch der Ball springt vom Querbalken ab, auch der Nachschuss verpasst das Tor nur knapp (65.). Am Ende bekommt der HSV das 2:1 ins Ziel gerettet.

In der Liga folgt ein kleiner Dämpfer beim 0:0 gegen Hannover, im Rückspiel in Belgien ist der HSV dann aber wieder voll da. Bereits in der 20. Minute köpft Petric den HSV in Führung. Auch den zwischenzeitlichen Ausgleich von De Carmago (32.) kontert der Kroate gekonnt. Per Fallrückzieher macht er die Hoffnungen der Belgier zunichte.

Ruud van Nistelrooy

Ruud van Nistelrooy und seine HSV-Kollegen feiern den Einzug ins Halbfinale.

Foto:

WITTERS

HSV gewinnt das Rückspiel und steht im Europa-League-Habfinale

Lüttich bräuchte jetzt drei Tore, doch der HSV spielt abgezockt, lässt wenig zu und hat vorne Chancen auf das 3:1. Doch es dauert bis tief in die Nachspielzeit, bis dem HSV der Treffer gelingt. Der eingewechselte Paolo Guerrero setzt sich nach einem Konter gegen zwei Verteidiger durch und schiebt aus 15 Metern zum Endstand ein (90.+4).

Der HSV steht zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale. Im Vorjahr scheiterte der HSV im UEFA-Cup an Werder Bremen, in der neuen Europa League soll es jetzt klappen, der Ansporn ist groß. Schon nach dem Hinspiel gegen Lüttich sagt Joris Mathijsen: „Wir haben ein Ziel – das Finale in unserem Stadion!“ Dafür muss als nächstes der FC Fulham aus dem Weg geräumt werden.

Vor dem Halbfinal-Rückspiel fliegt HSV-Trainer Bruno Labbadia

Im Hinspiel ermauern sich die Engländer in Hamburg ein 0:0, ärgerlich für den Gastgeber, denn man ist das spielbestimmende Team. Vor dem Rückspiel verliert der HSV 1:5 in Hoffenheim, zu viel für die HSV-Bosse! Trainer Bruno Labbadia muss seine Sachen packen.

HSV-Trainer Bruno Labbadia

HSV-Trainer Bruno Labbadia wurde vor dem Rückspiel gegen Fulham

Foto:

WITTERS

Er wird von Ricardo Moniz ersetzt, der interimsweise bis zum Saisonende übernimmt. Das erste Spiel von Moniz ist das Rückspiel in der Europa League. Der Start ist vielversprechend. In der 22. Minute ist es mal wieder Goalgetter Mladen Petric, der die Hamburger in Front schießt. Wunderschön nach direktem Freistoß.

Der HSV scheitert am FC Fulham

Fulham erhöht im zweiten Durchgang den Druck, doch zunächst, ohne echte Gefahr auszustrahlen. In der 69. Minute passiert es dann aber doch. Simon Davis gleicht aus – die Gastgeber brauchen jetzt noch einen Treffer für das Finale, das Ziel des HSV gerät arg in Gefahr.

Keine zehn Minuten später landet ein Eckball vor den Füßen von Zoltan Gera, der aus fünf Metern mitten ins Herz der Hamburger trifft (76.). Es ist zwar noch Zeit, aber der HSV wird zu hektisch, der Traum ist geplatzt. Fulham steht im Finale in Hamburg, welches es gegen Atletico Madrid verlieren sollte. In der Liga schneidet der HSV enttäuschtend auf Platz sieben ab.

Bis heute, also 2020, hat der Verein nie wieder europäisch gespielt.

Aufstellung HSV am 1. Apirl 2010 gegen Lüttich: Frank Rost – Guy Demel, Jerome Boateng, Joris Mathijsen, Dennis Aogo – David Jarolim, Zé Roberto, Tunay Torun (72. Piotr Trochowski), Jonathan Pitroipa – Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric (72. Marcus Berg)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp