Johannes Bitter bei der Vorstellung seiner Rückkehr zum HSV Handball
  • Johannes Bitter bei der Vorstellung seiner Rückkehr zum HSV Handball
  • Foto: WITTERS

Star-Torwart zurück beim HSV Hamburg: Jogi Bitter: „Mein Herz hat entschieden“

Es ist wahrlich ein Riesen-Coup. Nationaltorhüter Johannes Bitter (38) wechselt in die Zweite Liga zum Handball Sport Verein Hamburg. Der 2,05-Meter-Hüne unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag und soll dem Klub mit seiner Strahlkraft auch abseits des Spielfelds helfen. Für seine ersehnte Rückkehr nach Hamburg ließ er sogar den großen FC Barcelona abblitzen. 

Als sich Johannes Bitter am letzten Januarwochenende, wenige Tage nach der Rückkehr von der Handball-WM,  mit seinen drei Söhnen Jonathan (12), Matteo (10) und Fredrik (7) in den Volkspark zum Rodeln aufmachte und die Barclaycard Arena passierte, schaute der Älteste sehnsüchtig zur großen Halle und sagte: „Ach Papa, das war so schön, als wir immer bei deinen Spielen waren.“ 

Bitter musste sich auf die Zunge beißen und blinzelte eine Träne weg. Es war noch zu früh, nicht spruchreif, noch nicht sicher genug, um den Menschen, die er am meisten liebt, Hoffnungen zu machen. Aber er wusste in diesem Moment endgültig, dass er auf dem Weg war, das Richtige zu tun.

Bitter-Rückkehr zum HSV Handball: keine Überraschung – eine Sensation

Drei Wochen später ist aus einem Traum Realität geworden und aus dem heißesten Gerücht im deutschen Handball zwar keine Überraschung, aber doch eine Sensation. Auch für seine Jungs, denen er die frohe Kunde am Montagmorgen überbrachte, persönlich.

Bitter wechselt im Sommer von Bundesligist TVB Stuttgart in die Zweite Liga zum derzeitigen Tabellenführer. Sein bis 2026 laufender Kontrakt gilt auch für Liga zwei, sollte der HSVH den Aufstieg noch nicht packen. Gemeinsames Ziel: Das Oberhaus, wo Hamburg wieder als Größe etabliert werden soll.

Bitter beim HSV Handball: „Woanders hätte ich mehr verdienen können“

„Mein Herz hat entschieden“, sagt Bitter im Gespräch mit der MOPO. Er schluckt, blinzelt. Es  ist eine emotionale Sache, weit mehr als ein Vereinswechsel. „Es fühlt sich total richtig an. Ich komme nach Hause. Das macht mich glücklich. Ich habe einige Tränen verdrückt in den letzten Tagen.“

Für den Wechsel in die Wahl-Heimat macht Bitter Abstriche beim Gehalt, was auch über die lange Laufzeit kompensiert wird. „Woanders hätte ich mehr verdienen können, aber das war nicht meine Priorität. In Hamburg passen Gesamtpaket, private Situation und Perspektive. Es entsteht hier wieder etwas Großes – und ich möchte Teil davon sein.“

Für den HSV Handball sagte Star-Torwart Bitter sogar Barcelona ab

Bitter hatte nicht nur ein Angebot aus Barcelona, sondern  auch eine Offerte von Bundesligist Göppingen und weitere Anfragen aus Liga eins. Noch-Arbeitgeber Stuttgart bot einen neuen Ein-Jahres-Vertrag. „Wenn Barcelona dich haben will, dann kommst du ins Grübeln“, bekennt Bitter gegenüber der MOPO. Der spanische Topklub hatte in der Vergangenheit mehrmals an Bitter gebaggert. „Nochmal werden sie wohl nicht anklopfen“, sagt er lachend. 

Bitter wurde mit dem HSV Meister und gewann die Champions League

„Es macht uns stolz, dass Jogi sich für uns entschieden hat“, betont HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke. Er kennt Bitter noch aus den Zeiten des früheren HSV Handball, der im Januar 2016 hatte Insolvenz anmelden müssen. Achteinhalb Jahre hatte Bitter für den Topklub gespielt, DHB-Pokal (2010), Meisterschaft (2011) und Champions League (2013) gewonnen.

Bitter CL-Sieg

2013 stemmt Bitter als Hamburger Torwart den Champions-League-Pokal in die Höhe

Foto:

imago images / Mika Volkmann

Mit Bitter hat der neue HSV viel mehr als nur einen Top-Keeper verpflichtet. „Das Gesamt-Paket ist eine Sensation“, sagt Präsident Marc Evermann zur MOPO. Bitter werde als einer der bekanntesten und populärsten deutschen Handballer auch „Aufgaben bei der strategischen Ausrichtung des Vereins übernehmen“.

Bitter (38) will noch fünf Jahre beim HSV Handball spielen

Die fünf Jahre seines Vertrags wolle er als Spieler erfüllen, betont Bitter. „Ich fühle mich topfit, bin hochmotiviert“, sagt der Unternehmer („drinkbetter“). „Ich werde der Mannschaft am meisten helfen, wenn ich viele, viele Bälle halte.“

Trainer Torsten Jansen, der mit Bitter jahrelang beim HSV und im Nationalteam zusammengespielt hat, freut sich. „Jogi ist eine tolle Verstärkung für uns – nicht nur als Spieler, sondern auch als Persönlichkeit“, so Jansen zur MOPO. „Er kann unseren jungen Kerlen und auch den nicht mehr ganz so jungen Spielern einiges mitgeben. Wir kennen uns eine halbe Ewigkeit, und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm.“

Igor Vori Scholz Bitter

Zur Feier des Champions-League-Sieges lädt der damalige Erste Bürgermeister Olaf Scholz (M.) auf den Rathausbalkon

Foto:

Imago / Chromorange

Für Bitter enden im Sommer herausfordernde fünfeinhalb Jahre Pendelei  zwischen seinem Haupt-Wohnsitz Hamburg und Stuttgart. Dann hat er wieder mehr Zeit mit seinen Söhnen, die bei ihrer Mutter wohnen, von der er getrennt lebt. Bitter ist mit Ex-Nationalspielerin Anna Loerper liiert, die nach Hamburg ziehen wird.

Das könnte Sie auch interessieren: Trotz müder Beine: Darum gewannen die Hamburg Towers in Gießen

In nicht allzu ferner Zukunft, hofft Bitter, wird er häufiger mit seinen Söhnen im Volkspark sein. Nicht zum Rodeln. Zum Handball. Seine Jungs auf der Tribüne einer vollen Arena, er selbst dann im Tor des Bundesligisten HSV Hamburg. Noch ist das alles eine schöne Vorstellung, ein Plan, eine Art Versprechen. Er will es halten. Das ist sein Job.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp