Als U21-Torwarttrainer des DFB hat Klaus Thomforde seit Jahren viel mit St. Paulis neuer Nummer eins Svend Brodersen zu tun.
  • Als U21-Torwarttrainer des DFB hat Klaus Thomforde seit Jahren viel mit St. Paulis neuer Nummer eins Svend Brodersen zu tun.
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St. Pauli-Legende : Thomforde zeigt sich als Fan von Olympia-Kandidat Brodersen

Es ist fast genau sechs Jahre her. Vor dem Spiel in Bochum am 5. Dezember 2014 (3:3) hatte sich der damalige Trainer Thomas Meggle für einen Torwart-Wechsel entschieden, stellte Robin Himmelmann statt Philipp Tschauner zwischen die Pfosten. Jetzt die erneute Wachablösung am Millerntor. Diesmal hat es Himmelmann (31) selbst erwischt – er musste Svend Brodersen (23) weichen.

Coach Timo Schultz weiß, wie hart das für Himmelmann ist. Er hat ihm die Entscheidung in einem Sechs-Augen-Gespräch mit Torwarttrainer Mathias Hain mitgeteilt. „Es war für mich keine einfache Situation.“ Denn er sei schon als Meggles Assistent beim Wechsel damals von Tschauner zu Himmelmann dabei gewesen. „Das ist bitter für Robin. Es gibt schöne Entscheidungen, die man als Trainer treffen kann.“

Neue Nummer eins: Darum vertraut St. Pauli-Trainer Schultz nun Brodersen

Warum er nun Brodersen vertraut, erklärt er so: „Man registriert dann schon auf ein halbes Jahr gesehen, wie stark Svend ist. Wie der da durch das Gehäuse, durch den Käfig fliegt, das ist der Wahnsinn!“ Die „Hibbeligkeit“ durch Übermotivation habe er abgelegt.

Klaus Thomforde hat die Ablösung aus zweiter Reihe mitverfolgt. St. Paulis früheres „Tier im Tor“ hat als U21-Torwarttrainer des DFB ohnehin ein großes Interesse an der Entwicklung von Brodersen, der im kommenden Jahr theoretisch bei den Olympischen Spielen in Tokio starten könnte.

Thomforde zeigt aber auch Verständnis für die Situation von Himmelmann.  „Gerade als älterer Stammkeeper hast du den Anspruch, ein Führungsspieler zu sein. Wenn es dann aber in der Mannschaft nicht läuft, dann weißt du, dass es auch dich irgendwann treffen kann. “

Thomforde über Auftritt von Brodersen: „Svend war fehlerfrei“

Über Himmelmann möchte Thomforde nicht urteilen. Doch der 58-Jährige ist ein Fürsprecher von Brodersen. Zu dessen Auftritt gegen Aue sagt er: „Svend hat es ordentlich gemacht, war fehlerfrei. Bei beiden Gegentoren war er machtlos, bei zwei Schüssen war er souverän.“

Im Aufbauspiel habe es der 23-jährige Ur-St. Paulianer prima gemacht. „Er hat beim Vorwärtsspiel eine gute Variabilität mit kürzeren Pässen ins Mittelfeld, vor allem zu Rico Benatelli, und mit längeren Bällen, von denen nur einer nicht ankam.“

Brodersen für Thomforde „ein Mentalitätsmonster“

Was für Thomforde auch sehr wichtig ist: „Svend ist ein Mentalitätsmonster. Diese Eigenschaften gibt es unter Torhütern nicht mehr allzu oft, das muss man fördern. Ich habe ihn deshalb in unserer Gruppe beim DFB immer gern dabei gehabt, weil er in dieser Angelegenheit ein Vorbild-Profi ist.“

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Strafraumbeherrschung konnte Brodersen gegen Aue noch nicht unter Beweis stellen. Aber Thomforde glaubt, dass er die besten Voraussetzungen dafür hat: „Svend hat ein gutes Timing, eine sensationelle Sprungkraft und den Mut auch rauszugehen, wenn vor ihm vier, fünf Leute stehen.“

Übrigens: Himmelmanns Berater Jörg Neblung wollte sich zu der Degradierung seines Schützlings nicht äußern.

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