Der 2007-Weltmeister Christian Schwarzer sieht sich nach Aussagen zum Einsatz von Schiedsrichterinnen bei der Handball-WM der Männer heftiger Kritik ausgesetzt.
Der 2007-Weltmeister Christian Schwarzer sieht sich nach Aussagen zum Einsatz von Schiedsrichterinnen bei der Handball-WM der Männer heftiger Kritik ausgesetzt.
  • Der 2007-Weltmeister Christian Schwarzer sieht sich nach Aussagen zum Einsatz von Schiedsrichterinnen bei der Handball-WM der Männer heftiger Kritik ausgesetzt.
  • Foto: imago/foto2press

Nach Aussagen über Schiedsrichterinnen: Heftige Kritik an Handball-Weltmeister

Eine deftige Abreibung vom deutschen Handball-Boss, ungläubiges Kopfschütteln in der Liga und großes Unverständnis im DHB-Team: Die Reaktionen auf die kruden Aussagen von 2007-Weltmeister Christian Schwarzer zum Einsatz von Schiedsrichterinnen im Männerbereich haben es in sich. „Blackys“ Blackout erhitzte am ersten WM-Wochenende die Gemüter. Das deutsche Schiri-Duo Maike Merz und Tanja Kuttler nahm das alles indes gelassen.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Das darf er natürlich auch tun. Ich glaube, mehr müssen wir dazu nicht sagen“, sagte Merz in einem ARD-Interview.

Schiedsrichterinnen Merz und Kuttner fühlen sich im Männer-Handball akzeptiert

Die beiden Schwestern sind seit vielen Jahren DHB-Eliteschiedsrichterinnen, pfeifen regelmäßig in der Männer-Bundesliga und sind nun erstmals auch bei einer Männer-WM dabei. „Das Schöne ist, dass wir sowohl in der Bundesliga als auch international auf der Platte überhaupt keine Unterschiede wahrnehmen. Wir fühlen uns voll akzeptiert. Wir haben immer das Gefühl, dass wir einen guten Draht zu den Spielern und Trainern haben und dass es tatsächlich keine Rolle spielt, wer da gerade pfeift“, meinte Kuttler.


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Das nehme sie im Liga-Alltag wahr, und so sei es auch bei ihrem ersten WM-Einsatz zwischen Kap Verde und Uruguay gewesen. „Der Handball zeigt, dass er im aktuellen Jahrhundert angekommen ist und gibt da allen die gleichen Chancen und Rechte. Das ist das, was wir empfinden“, ergänzte Kuttler.

Schwarzer kritisierte den Einsatz von Schiedsrichterinnen

Ex-Weltmeister Schwarzer hatte im Podcast „Erhellendes von Blacky Schwarzer“ gesagt: „Keine Ahnung, wie man da auf die Idee gekommen ist, Frauen bei den Männern pfeifen zu lassen.“ Er ergänzte: „Ich hätte es nicht gemacht, weil die können bei den Frauen pfeifen, und die Männer pfeifen bei den Männern.“

Beim Männer-Turnier in Polen und Schweden sind derzeit mehrere weibliche Schiedsrichter-Teams im Einsatz. Es sei immer „schwieriger für uns, wenn Frauen pfeifen“, meinte der Weltmeister von 2007 weiter. „Ich weiß es von vielen anderen, ob’s Trainerkollegen sind oder Spieler, die da auch nicht so ganz begeistert von sind“, behauptete der 53-Jährige zudem.

Verantwortliche beziehen nach Schwarzers Kritik Stellung

Die deutsche Torhüterlegende Andreas Thiel, der seit 2018 auch Vorsitzender der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) ist, kann die Aussagen Schwarzers nicht nachvollziehen. „Ich kann das nicht bestätigen, was ‚Blacky‘ da genau meint“, sagte Thiel. In Bezug auf das deutsche Gespann Maike Merz und Tanja Kuttler sagte Thiel: „Sie können pfeifen und haben das Handballspiel verstanden. Darauf kommt es an.“ Die beiden hätten das „nötige Fingerspitzengefühl“ und „es verdient, bei einer Männer-WM zu pfeifen“. Deutschlands Kapitän Johannes Golla stellte klar: „Es macht für mich überhaupt keinen Unterschied, wer die Spiele leitet.“

Auch Jennifer Kettemann, Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen und Mitglied im HBL-Präsidium, reagierte irritiert: „In unserer aufgeklärten Welt sollten Faktoren wie Geschlecht oder Herkunft nicht mehr relevant sein“, sagte sie dem Mannheimer Morgen: „Schade, dass wir heute immer noch darüber sprechen müssen.“

Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), ist der gleichen Meinung. Er kritisierte den Ex-Weltmeister für dessen Worte. „Es ist schade, dass sich so ein großer Nationalspieler derart ins Abseits manövriert“, sagte Michelmann: „Ich finde diese Aussagen absolut aus der Zeit gefallen und komplett deplatziert.“ Es sei „absolut selbstverständlich, dass Männer und Frauen regelmäßig in erster und zweiter Liga pfeifen“ und „das Normalste der Welt“. (dpa/sid/nswz)

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