Halvor Egner Granerud wird von seinen Teamkollegen für den Tournee-Sieg gefeiert.
Halvor Egner Granerud wird von seinen Teamkollegen für den Tournee-Sieg gefeiert.
  • Halvor Egner Granerud wird von seinen Teamkollegen für den Tournee-Sieg gefeiert.
  • Foto: imago/GEPA pictures

Vierschanzentournee: Granerud triumphiert, deutsche Springer historisch schlecht

Als Halvor Egner Granerud mit einem Jubelschrei den Gold-Adler in den Nachthimmel reckte, war das historische deutsche Tournee-Debakel in Stein gemeißelt. Auch beim Finale sprang für die gebeutelten DSV-Adler nicht mehr als Rang zwölf durch Youngster Philipp Raimund heraus, es war der ernüchternde Schlusspunkt einer Horror-Woche. Erstmals seit 35 Jahren landete in Bischofshofen kein Deutscher in den Top Ten.

„Jetzt ist langsam der Ofen aus, es waren turbulente Tage mit vielen unschönen Sachen. Da muss ich jetzt erstmal Luft ranlassen“, sagt der als Hoffnungsträger gestartete Karl Geiger. Der Oberstdorfer, der beim Tournee-Finale der letzten drei Jahre immer auf dem Podest gestanden hatte, enttäuschte nach seiner Nullnummer in Innsbruck als 23. erneut.

Wellinger bei der Vierschanzentournee als Elfter der beste Deutsche

Bester Deutscher der Gesamtwertung war am Ende Andreas Wellinger (Ruhpolding) als Elfter – eine schlechtere Tournee war das DSV-Team zuletzt 1994/95 gesprungen, als Jens Weißflog als bester Deutscher nur Zwölfter geworden war. Wellinger kam am Freitag geschwächt von einem Magen-Darm-Infekt nicht über Rang 20 hinaus.

„Es war eine schwierige Tournee für alle Beteiligten. Unsere Spitzenspringer haben viel zu wenig Selbstvertrauen“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher im ZDF.

Granerud triumphiert auch in Bischofshofen

Zumindest Constantin Schmid (Oberaudorf) durfte zum Abschluss mit Rang 16 zufrieden sein. Der sechsmalige Weltmeister Markus Eisenbichler (Siegsdorf/31.) verpasste sogar im vierten Tournee-Springen zum dritten Mal den zweiten Durchgang. Auch Stephan Leyhe (Willingen) und Pius Paschke (Kiefersfelden) schieden vorzeitig aus.

Der Norweger Granerud ließ dagegen nichts mehr anbrennen, holte auf der Paul-Außerleitner-Schanze wie schon in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen den Tagessieg und durfte im Schein des Feuerwerks seinen ersten Tournee-Triumph genießen. Der Pole Dawid Kubacki, der wenige Stunden vor dem Wettkampf zum zweiten Mal Vater geworden war, verpasste als Dritter hinter Anze Lanisek (Slowenien) die ohnehin kaum noch mögliche Aufholjagd.


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Schon nach dem ersten Durchgang führte Granerud und sorgte für klare Verhältnisse, als erster Norweger seit Anders Jacobsen (2006/07) gewann er den Ritt über die vier Schanzen und machte sein Trauma des Winters 2020/21 vergessen. Damals führte er als klarer Favorit zur Halbzeit, ehe ihn ein völlig verpatzter erster Sprung in Innsbruck aus dem Rennen warf.

Für die DSV-Adler endete derweil eine Tournee zum Vergessen. Erstmals seit 2016/17 gab es keinen einzigen Podestplatz. „Das ist schon mit das Bitterste, was wir hier erleben, seitdem ich Trainer bin“, hatte Horngacher schon vor dem letzten Wettbewerb gesagt.

Kaum Zeit zum Nachdenken für die DSV-Adler

Ganz so blamabel wie in Innsbruck, als Geiger in der Qualifikation gescheitert war, wurde es diesmal immerhin nicht. Dennoch macht die Gegenwart eher wenig Mut, zumal bis zur WM in Planica (21. Februar bis 6. März) nur wenige Wochen bleiben. „Mannschaftlich waren wir selten so weit weg wie derzeit“, sagte auch Teammanager Horst Hüttel.

Zeit zum Luftholen bleibt aber kaum: Weiter geht es schon am 14./15. Januar in Zakopane. Gut möglich, dass der eine oder andere DSV-Starter in Polen eine Pause erhalten wird. „Mal schauen“, sagte Horngacher: „Wir lassen das jetzt erstmal sacken, und dann planen wir weiter.“ (sid)

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