Rassismus-Eklat bei Basketball-EM: Litauen-Fans mit Affenlauten gegen Dennis Schröder
Die deutschen Basketballer eilen bei der EM von Sieg zu Sieg und haben schon jetzt das Ticket für die Endrunde in Riga sicher. Das Team um Kapitän Dennis Schröder gewann ein rasantes Spiel gegen Mitfavorit Litauen klar mit 107:88 (55:47) und nimmt nach drei Erfolgen zum Start Kurs auf die angestrebte Medaille. Es herrschte allerdings keine ungetrübte Feierstimmung bei den Deutschen, was mit Vorkommnissen in der Halbzeitpause zu tun hatte.
Wie Schröder nach dem Spiel bei „Magenta Sport“ sagte, hätten litauische Fans in seine Richtung „leider Affengeräusche gemacht“. Das sei eine Sache, „die ich leider nicht akzeptieren kann“ und die „nicht auf diese Welt gehört. Das gehört einfach nicht zum Basketball.“ Er kenne ähnliche Vorfälle vom Fußball, wo Real Madrids Vinicius Junior bereits mehrfach rassistisch beleidigt wurde, sagte Schröder. „Aber ich krieg das zum ersten Mal heute bei den Litauern mit. Das ist traurig.“
„Die rassistischen Anfeindungen einiger litauischer Fans gegenüber unserem Kapitän Dennis Schröder sind für uns in keinster Weise akzeptabel“, sagte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, einer Verbandsmitteilung zufolge. „So etwas hat nirgendwo etwas zu suchen!“ Man stehe „voll hinter Dennis“ und werde „nachhaltig beim Veranstalter intervenieren, dass sowas sich nicht wiederholt“.
Mit weltmeisterlichem Basketball ins Achtelfinale
Zuvor zeigte das deutsche Team angeführt von Schröder (26 Punkte) und Franz Wagner (24) in Tampere streckenweise weltmeisterlichen Basketball und steht nun vorzeitig im Achtelfinale. Anders als bei den ersten Siegen gegen Montenegro (106:76) und Schweden (105:83) bekam das Team diesmal richtig Gegenwehr. Zum X-Faktor wurde Schröder-Kumpel Daniel Theis, der 23 Zähler beisteuerte, alle seine neun Würfe verwandelte und zudem stark verteidigte.
Der Gruppensieg in Finnland ist deshalb wichtig, um Topfavorit Serbien mit NBA-Star Nikola Jokic möglichst lange aus dem Weg zu gehen. Werden beide Teams Gruppensieger, ist ein Aufeinandertreffen erst bei einem möglichen Endspiel am 14. September in Riga möglich. Die von tausenden in grün gekleideten Fans angefeuerten Litauer stellten Deutschland bei dieser EM erstmals richtig auf die Probe. An der Seitenlinie stand in Vertretung des erkrankten Alex Mumbru erneut dessen Assistent Alan Ibrahimagic, der auch die ersten beiden Siege verantwortet hatte. „Es ist extrem wichtig, diese Gruppe als Sieger zu beenden. Das ist Anreiz genug“, hatte Ibrahamagic vorab gesagt. Gelingen gegen Großbritannien am Montag (15.30 Uhr/MagentaSport und RTL) und Finnland am Mittwoch (19.30 Uhr) zwei weitere Siege, ist Platz eins perfekt.
Deutschland wird erstmals auf die Probe gestellt
Anders als bei den bisherigen deutschen Spielen herrschte diesmal richtig Stimmung – auf den Rängen, aber auch auf dem Parkett. Litauens Fans begannen lautstark und euphorisch, doch ihre Profis gerieten schnell mit 2:10 in Rückstand. Schröder und Theis spielten immer wieder gemeinsam und sorgten früh für ein paar erste Höhepunkte.
Es entwickelte sich ein offenes Duell auf offensiv allerhöchstem Niveau. Deutschland um Wurfspezialist Andreas Obst traf Dreier um Dreier, gleichzeitig erlaubte sich der Weltmeister über 20 Minuten kaum Ballverluste. Nach einem fulminanten 21:3-Lauf war das Ibrahamagic-Team zwar früh auf Siegkurs – doch die Litauer kämpften sich zurück. Und waren zur Halbzeit bei einem Rückstand von acht Punkten in Reichweite.
Das Duell erinnert an das Aufeinandertreffen 2022
Phasenweise erinnerte das Duell an das EM-Aufeinandertreffen 2022 in Köln. Damals hatte sich Deutschland erst nach zwei Verlängerungen und jeder Menge Aufregung mit 109:107 durchgesetzt – und später die Bronzemedaille geholt. Obwohl beide Teams schon vor dem Duell für das Achtelfinale in Riga planen konnten, war die Intensität riesig. „Es geht um richtig was“, sagte Ex-Nationalspieler Per Günther bei MagentaSport.
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Auch nach dem Wechsel blieb die Partie attraktiv. „Wenn wir das Tempo hochhalten und schnell sind, dann sehen wir gut aus. Wir müssen einfach weitermachen“, kündigte Ibrahmagic an. Litauen startete stark ins dritte Viertel, doch Deutschland hielt mit viel Qualität dagegen. Erst warf Wagner einen Dreier über Litauens NBA-Hünen Jonas Valanciunas, dann legten Schröder und Theis nach. Am Ende wurde es auch im dritten Spiel sogar dreistellig, den 100. Punkt erzielte Theis per Freiwurf. (dpa/hen)
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