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Alexander Malzev bei den BRICS-Spielen
  • Der russische Athlet Alexander Malzev siegte im Synchronschwimmen – ohne Konkurrenz.
  • Foto: IMAGO/SNA

Putins absurde Spiele: Gold für einzigen Starter – im Synchronschwimmen

Alexander Malzev blickte andächtig durch die Schwimmhalle in Kasan. Um den Hals trug der Synchronschwimmer eine Goldmedaille, stolz lauschte er auf dem Podium der Hymne der Russischen Föderation, das Publikum spendete zufrieden Applaus für den Sieg bei den BRICS-Spielen. 211,6542 Punkte erhielt Top-Favorit Malzev für seine Darbietung im Solo, das reichte zum ersten Platz, was letztlich nicht ganz überraschend kam: Malzev war der einzige Starter.

Die skurrile Anekdote ist nur eine von diversen Kuriositäten rund um das Multisport-Event, das seit dem 13. Juni an der Wolga stattfindet und noch bis kommenden Montag läuft. Erstmals wurden die BRICS-Spiele, benannt nach dem 2006 gegründeten Staatenbund um Brasilien, Russland, Indien und China, 2017 in Guangzhou ausgetragen, die Dimension eines Mini-Olympias sind erstmals in Russland erreicht.

BRICS-Spiele: Russland holt über 150 Goldmedaillen

In 27 Sportarten messen sich Athletinnen und Athleten aus 60 eingeladenen Nationen. Die Liste der Disziplinen reicht von olympischen Kernsportarten wie Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben hin zu Exoten wie Acrobatic Rock’n’Roll, Sambo und Kurash, einer meist in Zentralasien praktizierten Form des Ringens.

Auch die Gästeliste ist speziell. Abchasien ist dabei, auch Südossetien schickt genauso Athleten wie die Republika Srpska. Auch Afghanistan hat unter der Führung der Taliban 20 Athleten entsandt – Boxer, Tischtennisspieler oder einen Schwimmer. Frauen sind nicht dabei. Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ging keine Einladung ein.

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Sportlich ist das Event für Russland ein voller Erfolg. Malzev, der Synchronschwimmer ohne Gegner, holte eine von über 150 Goldmedaillen, die die Sportnation bis Donnerstagvormittag vorzuweisen hatte. Der enge politische Partner Belarus lag über 100 Gold in Rückstand und doch auf dem zweiten Platz des Medaillenspiegels. Deutschland wird auch ohne Teilnehmer auf einem hinteren Mittelfeldplatz im Ranking geführt.

Olympisches Komitee erlaubt keine russischen Athleten

Die russischen Seriensiege dürften ganz im Sinne Wladimir Putins sein. Russlands Staatschef wies die Regierung Ende Mai 2023, über ein Jahr also nach der Invasion in die Ukraine, an, Vorschläge für die Organisation und Durchführung der BRICS-Spiele in Russland einzureichen. Sie stünden, das betonte später Sportminister Oleg Matytsin, nicht in Konkurrenz mit anderen Wettbewerben und würden sich nicht in den internationalen Sportkalender einmischen.

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Bei den Olympischen Spielen in Paris, die einen Monat nach dem Ende der BRICS-Spiele starten, gelten andere Regeln. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat hier das Sagen, und es hat klare Grenzen gesetzt.
Lediglich 25 Athletinnen und Athleten haben bislang das Startrecht als „Neutrale“ für Paris erhalten, 14 aus Russland, 11 aus Belarus, das Kontingent kann noch steigen.

Wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine dürfen Teilnehmende aus beiden Ländern bei Olympia zudem nur unter komplettem Verzicht auf staatliche Symbole antreten. Auch während der Wettbewerbe wird unter anderem die russische Flagge, die Hymne und weitere staatliche Symbole verzichtet.

Szenen wie bei der Siegerehrung in der Schwimmhalle in Kasan sind aber nicht nur deshalb in Paris ausgeschlossen. (aw/sid)

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