Sofia Bekatorou (l.) beim Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen
  • Sofia Bekatorou (l.) beim Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen
  • Foto: imago/Bluegreen Pictures

Sexueller Missbrauch: Griechischer Top-Star klagt an – Verband reagiert verstörend

Ein mutmaßlicher Missbrauchsfall im Spitzensport beschäftigt Griechenland. Im Mittelpunkt steht die landesweit beliebte Seglerin Sofia Bekatorou, vierfache Weltmeisterin, Olympionikin und zweifache Weltseglerin des Jahres.

Die 43 Jahre alte Sportlerin hatte vergangene Woche einem Funktionär des griechischen Segelverbands EIO sexuellen Missbrauch vorgeworfen, der 1998 stattgefunden haben soll. Bekatorou erfährt nun landesweit Unterstützung, auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis positionierte sich für sie. Am Montag ist Bekatorou zudem zum Gespräch bei Staatspräsidentin Ekaterini Sakellaropoulou geladen gewesen.

Bekatorou äußerte sich zum Vorwurf im Netz

Die Seglerin selbst betonte in einem Facebook-Post am Montag, es gehe bei weitem nicht nur um sie. „Meine persönliche Erfahrung ist kein individuelles Thema, das nur mich betrifft. Es ist Teil eines umfassenden und chronischen Problems in Bezug auf Machtmissbrauch im Allgemeinen, aber auch im Besonderen bei der derzeitigen Verbandsspitze des EIO.“

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Seit die Vorwürfe publik wurden, ist in Griechenland erstmals eine MeToo-Debatte entbrannt. Zunächst hatte die Reaktion des Verbands für Aufruhr gesorgt – es handele sich um einen „unschönen Vorfall“, hatte die Organisation kurz angebunden mitgeteilt, worauf sich in sozialen Medien ein Shitstorm entwickelte. Die Stiftung des gestorbenen Reeders Stavros Niarchos stoppte umgehend ihre finanzielle Unterstützung für den Verband, um „den Schock und die Unzufriedenheit über diese Reaktion auszudrücken“, wie es in einer Mitteilung hieß.

Täter soll ein ehemaliger EIO-Funktionär sein

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um EIO-Vizepräsident Aristidis Adamopoulos handeln. Er hat die Vorwürfe zurückgewiesen, ist aber am Samstag auf Drängen der EIO-Verbandsspitze als Vize-Chef zurückgetreten und lässt zudem sein Amt beim Griechischen Olympischen Komitee ruhen, „bis die Vorwürfe entkräftet sind“, wie es hieß.

Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft, obwohl er verjährt ist. Weitere Sportlerinnen und Sportler haben sich zu Wort gemeldet. Auch in anderen Sportarten wurden Missbrauchsvorwürfe erhoben. (mp/dpa)

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