Alfons Hörmann
Alfons Hörmann
  • Die deutsche Olympia-Bilanz in Tokio fällt bescheiden aus. Doch Alfons Hörmann ist hochzufrieden mit den Botschaftern und Botschaften.
  • Foto: IMAGO / Political-Moments

DOSB mit ernüchternder Olympia-Bilanz: weniger Gold, mehr Ärger!

Weniger Gold, mehr Ärger – aber „ein wichtiges Signal an die Weltgemeinschaft“: Mit gemischten Gefühlen verlässt die deutsche Delegation am Montag die Olympiastadt Tokio. Während die Medaillenausbeute des Teams nach unten tendiert und die Fälle Patrick Moster und Kim Raisner für reichlich Negativ-Schlagzeilen sorgten, steht für Alfons Hörmann die weitgehend reibungslose Durchführung der Spiele in der Corona-Pandemie im Vordergrund.

Daher zieht der DOSB-Präsident „ein klar und deutlich positives Fazit“, wenn nichts mehr schiefgeht, werde die deutsche Rest-Mannschaft „gesund und munter“ in die Heimat reisen. Und das, betonte Hörmann im Gespräch mit dem SID, sei bei diesen „ganz besonderen Spielen unter einzigartigen Bedingungen“ doch das Wichtigste. Das Sportfest habe darüber hinaus gezeigt, „dass internationale Begegnungen möglich sind, wenn alle rücksichtsvoll und vorsichtig agieren.“ Und dazu haben auch die deutschen Sportlerinnen und Sportler beigetragen.

Dieses starke Zeichen an die pandemiegeplagte Welt ist Hörmann mehr wert als die Medaillenbilanz – und die fällt bescheidener aus als erhofft. Mit 10 Mal Gold, 11 Mal Silber und 16 Mal Bronze lag das Team am Ende auf dem neunten Platz des Medaillenspiegels. Deutschland anno 2021 ist nur noch „Best of the Rest“. China und die USA sind unerreichbar – auch zu Japan, Australien und Großbritannien klafft eine Lücke.

Bescheidene DOSB-Bilanz in Tokio

Insgesamt sprangen 37 Medaillen raus im Vergleich zu 42 vor fünf Jahren in Rio, wo das „Team D“ noch 17 Mal Gold bejubelt hatte und auf dem fünften Platz des olympischen Rankings gelandet war. In London hatte noch 44 Mal olympisches Edelmetall geglänzt – und damals gab es deutlich weniger Wettbewerbe. „Wenn wir am Ende knapp an der 40er-Marke kratzen, liegen wir etwa 10 Prozent unter Rio. Das ist okay“, sagte Hörmann.

Viel schwerer als fehlende Medaillen wiegen ohnehin die beiden beispiellosen Fehltritte auf der größten aller Sportbühnen, die rund um den Globus für Schlagzeilen sorgten. Als unwürdiger Tiefpunkt wird der Fall Patrick Moster im Gedächtnis bleiben. Einen Tag dauerte es, bis der DOSB den Sportdirektor der deutschen Radfahrer wegen dessen unsäglichem „Kameltreiber“-Ausspruch abzog.

Hörmann zeigt Reue im „Kameltreiber“-Skandal

Hörmann zeigte am Samstag erstmals öffentlich so etwas wie Reue für die viel zu späte Entscheidung. „Wir haben klare Kante gegen Rassismus gezeigt“, sagte er dem SID: „Die Frage ist, ob man die Entscheidung direkt am Wettkampftag fällt oder erst eine Nacht drüber schläft. Darüber kann man diskutieren.“

Auch im Fall von Raisner wartete der DOSB eine Nacht, bevor er die Trainerin, die nach einer heftig diskutierten und fragwürdigen Aufforderung an Sportlerin Annika Schleu („Hau mal richtig drauf, hau richtig drauf!“) im Springreiten des Modernen Fünfkampfs viel Kritik geerntet hatte, aus dem Verkehr zog. Der Vorfall werfe keinen Schatten auf die Spiele, so Hörmann, „aber auf den Modernen Fünfkampf“.

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Moster, Raisner und Tokio werden jedoch schnell der Vergangenheit angehören, die olympische Welt dreht sich rasant weiter, spätestens, wenn am Montag der Empfang der deutschen Sportler auf dem Frankfurter Römer über die Bühne gegangen sein wird, geht der Blick des DOSB nach vorne. Nach Peking. Zu den Winterspielen, die in sechs Monaten beginnen und ebenfalls von der Pandemie betroffen sein werden. Darüber hinaus gilt es Antworten auf die heiklen Fragen zur fragwürdigen Menschenrechtssituation in China zu finden.

Was zählen da schon Medaillen? Es braucht klare Botschaften! (sid/pia)

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