• Uli Borowka absolvierte insgesamt 388 Bundesligaspiele.
  • Foto: picture alliance/dpa

Nächster Rückzug: Klinsmann nicht mehr TV-Experte bei RTL

Berlin –

Dieses Protokoll sorgt nicht nur bei Hertha BSC für Wirbel: Die Abrechnung Jürgen Klinsmanns (55) mit seinem Ex-Verein ist in der fast 57-Jährigen Geschichte der Bundesliga wohl einmalig.

Der ehemalige Coach der Berliner attackiert den ganzen Verein: Manager Michael Preetz (52), die Spieler, die Ärzte, die Medienabteilung und zum Schluss auch noch die Bosse.

Jürgen Klinsmann kein TV-Experte mehr bei RTL

Zwei Tage nach seinem Rücktritt als Hertha-Trainer sägte ihn Investor Lars Windhorst auch noch als Mitglied im Aufsichtsrat ab.

Jetzt, zwei Tage nach der Veröffentlichung des brisanten Protokolls, ist Klinsi seinen nächsten Posten los. Allerdings auf eigenen Wunsch. Der 55-Jährige hat sein Engagement bei RTL als TV-Experte aus freien Stücken beendet. Das teilte der Kölner Sender am Freitag mit.

Uli Borowka über Jürgen Klinsmann: „Ein Arschloch und eine Ratte“

Ein Ex-Profi hat sich jetzt auf Facebook besonders deutlich zum brisanten Klinsmann-Thema zu Wort gemeldet. Uli Borowka (57) postete, was er vom ehemaligen Bayern-Coach hält.

Das ist an einer Stelle nicht wirklich jugendfrei. „Ich mochte ihn noch nie. Er war immer schon ein Arsch. Ich habe das Gefühl, jetzt ist er ein Arschloch und eine Ratte“, schreibt Borowka, der für Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen insgesamt 388 Spiele in der Bundesliga absolviert hat.

Borowka

Uli Borowka absolvierte insgesamt 388 Bundesligaspiele.

Foto:

picture alliance / dpa

Lothar Matthäus: „Man tritt nicht einfach nach“

Lothar Matthäus (58) gab zur Klinsi-Debatte auch noch seinen Kommentar ab, sagte bei Sky: „Jürgen war wichtig für die Bundesliga, aber so wie er jetzt reagiert hat, das geht nicht. Er ist wie er ist, zuerst kommt Jürgen, dann wieder Jürgen dann nochmal Jürgen und dann der Rest. Er sucht keine Schuld bei sich, sondern nur bei den anderen.“

Matthaeus_ueber_Klinsi

Lothar Matthäus kann die Klinsmann-Abrechnung nicht verstehen.

Foto:

picture alliance/dpa

Der Sky-Experte nennt Klinsmanns Verhalten „absolut unprofessionell. Man tritt nicht einfach nach. Was jetzt rauskommt, geht eigentlich gar nicht. Ich hatte bis jetzt eigentlich immer das Gefühl, wenn er was tut, dann auch so wie es besprochen wurde.“

Ralf Rangnick: Berater Marc Kosicke dementiert Aussagen von Jürgen Klinsmann

Klinsmann enthüllte in seinem Protokoll auch, dass er Ralf Rangnick (61) als Trainer zu Hertha BSC holen wollte. Dieser habe jedoch abgesagt, weil er nicht unter Manager Preetz arbeiten wolle.

Das stimmt aber wohl nicht – behauptet zumindest Rangnick-Berater Marc Kosicke (49) als Reaktion auf einen der brisanten Punkte in Klinsmanns Tagebuch.

Ralf Rangnick verwies auf Vertrag bei RB Leipzig

„Ja, Jürgen Klinsmann hat – und zwar, bevor er Trainer bei Hertha BSC wurde – bei Ralf Rangnick angerufen und angefragt, ob er sich vorstellen könne, Trainer bei Hertha zu werden“, sagte Kosicke der „Bild“.

Rangnick_Klinsmann

Jürgen Klinsmann (r.) wollte Ralf Rangnick zur Hertha holen.

Foto:

picture alliance / Tobias Hase/d

„Ralf Rangnick hat in diesem Gespräch dann auf seinen laufenden Vertrag bei RB Leipzig verwiesen und klargemacht, dass solche Überlegungen daher ausgeschlossen sind. In keiner Weise hat Ralf davon gesprochen, dass er ein Engagement ausschließt, weil Michael Preetz dort Geschäftsführer Sport ist und damit sein Vorgesetzter wäre“, erklärte Kosicke weiter.

Michael Preetz weist Vorwürfe zurück

Nachdem das erste Klinsmann-Beben (Facebook-Rücktritt) so langsam an Kraft verloren hatte, kam am Mittwoch mit der Abrechnung der nächste große Aufreger. In dem Dokument, das der „Sport Bild“ vorliegt, findet der Ex-Bundestrainer vernichtende Worte.

Die Reaktion der Hertha auf die Abrechnung folgte auf der Pressekonferenz am Mittwoch. Manager Preetz bezeichnet die Vorwürfe als „widerlichen und unverschämten Angriff“ und wies sie vehement zurück. Rechtliche Schritte behalte sich die Vereinsspitze vor. 

Klinsmann_Hertha_Regen

Jürgen Klinsmann hat sich und der Hertha mit dem Protokoll keinen Gefallen getan.

Foto:

picture alliance/dpa

Trainer Alexander Nouri (40) wusste unterdessen nichts von den Enthüllungen: „Ich habe davon nichts gewusst. Mein letzter Kontakt zu Jürgen Klinsmann war vor dem Köln-Spiel. Von den Vorkommnissen war ich genauso überrascht, wie alle anderen auch.“

Das Dokument traf die Hauptstadt bis ins Mark. Hier die Ereignisse noch einmal zusammengefasst: 

Klinsmann attackierte in dem ausführlichen Protokoll über die Zeit als Hertha-Trainer vor allem Manager Preetz.

Jürgen Klinsmann: Geschäftsleitung sollte ausgetauscht werden

„Sport Bild“ veröffentlichte am Mittwoch das Dokument. Das Management von Ex-Bundestrainer Klinsmann bestätigte die Echtheit, rätselt allerdings darüber, wie das Protokoll an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Der Fußballlehrer habe keine Absicht, eine Abrechnung mit Hertha zu betreiben. Eine weitere Stellungnahme gab es nicht.

„Die Geschäftsleitung muss sofort komplett ausgetauscht werden“, forderte Klinsmann, zudem habe es im Klub „jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen“, gegeben, kritisierte der Ex-Coach.

Jürgen Klinsmann: Lügenkultur zerstört Vertrauensverhältnis

Der von Preetz zusammengestellte Kader habe „zu viele ältere und satte Spieler, die keinerlei Power haben, um im Abstiegskampf zu bestehen.“ Zudem habe es eine Lügenkultur im Verein gegeben, die das Vertrauensverhältnis der Spieler mit Preetz zerstört habe.

Dabei griff Klinsmann auch einzelne Spieler direkt an. Über Ersatz-Torwart Thomas Kraft (31) schreibt er, dass er ständig krank oder verletzt ist und keine Mehrwert mehr erzeugen kann.

Neuzugang Dodi Lukebakio (22) wird als „Fehleinkauf von Preetz“ beschrieben. Allerdings attestiert ihm Klinsmann auch ein großes Talent. Außenspieler Matthew Leckie (29) sei ebenfalls stets verletzt und mittlerweile schon satt.

Hier lesen Sie mehr: Hertha BSC: Tesla nach Jürgen Klinsmanns Rücktritt als Sponsor abgesprungen

Klinsmann griff in einem Rundumschlag gegen den Verein auch andere Bereiche an. Die medizinische Abteilung sei „ohne jegliche Dynamik, zerstritten, inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen.“ Es gebe eine Medienabteilung, „die nur reagiert, keine Ideen hat und den Trainerstab niemals verteidigt. Es werden keine Lösungen gesucht, keine Innovationen.“

Jürgen Klinsmann schießt gegen Hertha BSC

Zudem warf Klinsmann den Hertha-Bossen vor, ihn bei der Unterzeichnung eines neuen Vertrages mit bereits ausgehandelten erweiterten Kompetenzen hingehalten zu haben.

Klinsmann hatte am 11. Februar nach 76 Tagen via Facebook überraschend seinen Rücktritt als Trainer verkündet. Seitdem trainiert sein Assistent Nouri den nach wie vor abstiegsbedrohten Hauptstadt-Klub. Am vergangenen Samstag hatte die „Alte Dame“ zu Hause 0:5 gegen den 1. FC Köln verloren.

Hertha BSC bezieht Stellung zu den Aussagen

Laut Sport Bild nahm Hertha BSC bereits vor der Pressekonferenz Stellung zu dem Tagebuch. Demnach würden „nahezu sämtliche Vorwürfe und Behauptungen nicht der Wahrheit entsprechen“. Der Verein werde sich nicht an einer öffentlichen Kontroverse beteiligen, zumal ihm auch im Interesse von Klinsmann daran gelegen sei, „diese Personalie zu einem würdigen Ende zu bringen.“ (dpa/tsc/sid/krä)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp