• SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach
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Nach Corona-Flug von Thomas Müller: Lauterbach und Bayern-Trainer Flick zoffen sich

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich zur viel kritisierten Reise des FC Bayern zur Klub-Weltmeisterschaft nach Katar geäußert. Er sieht die augenscheinliche Sonderrolle des Fußballs in Zeiten von Pandemie, Lockdown und Einreisebeschränkungen höchst kritisch. Bayern-Coach Hansi Flick fand das gar nicht lustig.

Bezüglich der Flugreise des mit dem Coronavirus infizierten Bayern-Stars Thomas Müller von der Klub-WM in Katar nach München sagte Lauterbach bei Sport1: „Normalerweise wäre eine Reise mit bekannter Infektion natürlich undenkbar.“

Karl Lauterbach kritisiert Bayern-Reise zur Klub-WM

Müller war am Freitagabend und damit nur einen Tag nach seinem positiven Coronatest mit einer Ambulanz-Maschine von Doha nach Deutschland gebracht worden. Der Weltmeister von 2014 darf damit den Großteil seiner Quarantäne in seinem Zuhause absolvieren.

Dass Müllers Mitspieler am Donnerstagabend das Endspiel gegen UANL Tigres (1:0) bestritten, ist für Lauterbach als „Signal verheerend“. Gleichwohl räumte der Mediziner ein: „Wenn PCR-Tests kurz vor dem Spiel gemacht wurden, ist das Risiko gering.“

Flick reagiert gereizt auf die Lauterbach-Kritik

Hansi Flick platzte angesichts der Kritik am Katar-Trip von Bayern München der Kragen. Der Trainer attackierte vor dem Heimspiel gegen Bielefeld die Politik und „sogenannte Experten“. Statt ewig Kritik an der Sonderrolle des Fußballs zu üben, sollten sich die Politik und „sogenannte Experten“ wie der SPD-Mann jetzt doch bitte endlich mal „zusammensetzen und eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann Licht am Ende des Tunnels sieht“, schimpfte Flick: „Das ist aktuell zu wenig.“

Der Münchner Erfolgscoach redete sich vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld am Montag (20.30 Uhr/DAZN) regelrecht in Rage. Er habe das Gefühl, „dass jeder aus der Situation seinen Profit schlagen will und darauf schaut: Wie kann er bei der nächsten Wahl ein paar Prozentpunkte mehr machen“, führte Flick sichtlich aufgebracht aus: „Das ist weit an dem vorbei, was sie als Aufgabe haben: Gemeinsam zu arbeiten, dass es irgendwann zu einer Normalität kommt.“

Das wiederrum rief Lauterbach auf den Plan, der auf Twitter Flicks Aussagen konterte. „Sogenannte Experten äußern sich, weil Journalisten sie um Einschätzung bitten“, schrieb er. Sollte Flick anderer Meinung sein, dürfe er diese gerne kundtun. „Aber als Amateur-Sportler sage ich: nicht unfair sein!“, so Lauterbach.

RB-Leipzig-Spiel in Ungarn: „Zweierlei Maß“

Wenig Verständnis hat der Politiker auch für die Verlegung zahlreicher anstehender Europacupspiele in Drittländer, um Einreisebeschränkungen zu umgehen. „Den Bürgern raten wir zu Recht von jeder unnötigen Reise ins Ausland ab, und der internationale Fußball setzt sich über diese Regeln einfach hinweg. Die Bürger wollen nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, nur weil es um Millioneneinnahmen durch Fernsehübertragungen geht“, betonte Lauterbach.

RB Leipzig etwa empfängt am Dienstag den FC Liverpool in Budapest, eine Woche später tragen in Ungarns Hauptstadt auch Borussia Mönchengladbach und Manchester City ihr Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League aus.

SPD-Politiker Lauterbach kritisiert Rummenigge-Aussagen zum Impfungen

„Niemand weiß genau, wie die Infektionslage in Ungarn wirklich ist“, merkte Lauterbach an, „und dass Spieler aus Großbritannien ausreisen dürfen für ein solches Spiel, ist auch falsch. Es ist ein verzerrter Wettbewerb, der zur Pandemie-Müdigkeit beiträgt, weil er die Glaubwürdigkeit unserer Regeln infrage stellt.“

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Den Vorstoß von Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, wonach geimpfte Fußballstars „als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten“ könnten, bewertet Lauterbach als „Vorwand“, um „die Privilegierung der Spieler zu rechtfertigen“. Rummenigges Worte seien „höhnisch, jeder weiß doch, dass die Impfbereitschaft hoch ist und der Impfstoff fehlt“.

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