HSV BU Hamburg Stadion
  • Die Anzeigetafel im BU-Stadion an der Dieselstraße
  • Foto: IMAGO / Hanno Bode

Rassismus? Fußball-Derby in Hamburg eskaliert – Spielabbruch

Die Duelle zwischen den Hamburger Vereinen HSV Barmbek-Uhlenhorst (BU) und Victoria sind aus der Tradition heraus schon immer hitzig und verbissen geführt. Doch beim Duell der Zweitvertretungen in der Landesliga trat das sportliche Geschehen in den Hintergrund. Eine vermeintlich rassistische Entgleisung führte zum Spielabbruch.

Schon in der 21. Minute nahm die Partie im Stadion an der Dieselstraße Fahrt auf. Gästespieler Momodou Sanneh sah nach einem überharten Einsteigen die Rote Karte – fortan waren die Gemüter beider Seiten erhitzt. Als BU durch Moritz Scholz in Führung ging (38.), hätte es eines dieser tollen Flutlicht-Duelle werden können, die hart, aber weitestgehend fair bis zum Ende Spannung versprechen.

BU gegen Victoria Hamburg: Wortgefecht, Rudelbildung, Spielabbruch

Doch dann kam die 59. Minute. Nach einem klaren Foulspiel im 16er pfiff der junge Schiedsrichter Schams Golzari (Egenbüttel) Elfmeter. Für BU-Coach Michael Koss nicht genug, er forderte zudem eine Verwarnung – die Übeltäter Dennis Theißen auch zu Gelb-Rot bekam. Das Fordern fand Gäste-Verteidiger Lionel Lingani gar nicht in Ordnung. Es kam zu einem Wortduell der beiden aus der Entfernung.

Und nun trennen sich die Berichte über die Geschehnisse. Denn Lingani beschuldigte Koss, ihn aufgrund seiner Hautfarbe mit Affenlauten und -gesten rassistisch beleidigt zu haben. Es kam zu einer Rudelbildung vor der Bank. Da der Schiedsrichterassistent den Vorfall ebenso bewertete wie Lingani, gab es für BU-Coach Koss die Rote Karte. Als die Spieler nach mehreren Minuten zum Elfmeter Aufstellung nahmen, erklärte Vicky-Trainer Joshua Krause dem Schiedsrichter, dass sie nicht weiterspielen würden. Abbruch.

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Krause begründete seine Entscheidung damit, dass der Assistent an der Linie ihm bestätigt habe, dass er die Laute und Gesten mitbekommen hätte. Diese würden auch so im Spielbericht vermerkt sein. Deshalb habe er entschieden, „dass wir geschlossen vom Platz gehen, weil das meinen persönlichen Werten, aber auch mit denen auf der Welt nicht vereinbar ist und insbesondere auch den Grundsätzen des SC Victoria komplett widerspricht. Das war für mich kein Umstand, weiterzuspielen.“

SC Victoria veröffentlich Stellungnahme

Der SC Victoria gab zu den Vorfällen auch eine Stellungnahme heraus, in der es unter anderem heißt: „Wir haben eine Verantwortung unserem Spieler und Mitmenschen Lionel gegenüber und auch die gesellschaftliche Verantwortung, so etwas nicht klein zu reden oder versuchen zu verdrehen. Wir sind erschüttert über die Versuche seitens des BU2-Trainers, die Schuld auf unseren Spieler zu schieben und somit eine Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben und Lionel als denjenigen hinzustellen, der etwas falsch verstanden hat. Lionel ist sich auch einen Tag später sehr sicher, was er gesehen und gehört hat.“

Für Irritationen auf Seiten des SC Victoria sorgen vor allem die unterschiedlichen Darstellungen des Vorfalls von Koss. „Stutzig gemacht hat uns auch die in den Medien wiedergegebene Erklärung des gegnerischen Trainers, der gesagt haben will: „Huhu, dreh‘ dich um – hinter dir fällt gleich das 2:0. Verpass‘ das nicht“. Ein solch langer Satz ist nicht zu verwechseln mit den vorgeworfenen Affenlauten in Kombination mit den passenden Gesten. Zudem ist in der Zeit nach dem Spiel, in der wir lange mit dem Trainer von BU 2 im Kabinengang gesprochen haben, dieser Satz nie gefallen“, heißt es in der veröffentlichten Stellungnahme.

BU-Trainer spricht von Missverständnis

Die Version von BU ist eine andere, von der Art und Weise des Vorgehens der Gäste sei man überrascht. Zumal weder auf den Videoaufnahmen zum Spiel etwas zu hören oder zu sehen wäre – und auch andere Spieler und Funktionäre drumherum an der BU-Ersatzbank davon nichts mitbekommen hätten.


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Koss, der beim Barmbeker Klub neben der Trainertätigkeit bei der Reserve auch als Sportlicher Leiter für die Fußballabteilung fungiert, glaubt an ein Missverständnis, das er sich nur mit den hochkochenden Emotionen erklären kann. Er toleriere keinen Rassismus. „Mir sind Religion und Hautfarbe völlig egal. Das sieht man auch in unserem Kader, der mit Spielern aus allen Nationen bestückt ist“. So saß bei dem Vorfall auch der ebenfalls Schwarze Ersatztorhüter Samuel Agyekum in unmittelbarer Nähe hinter ihm.

Anstatt eines sportlichen Siegers muss nun das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes entscheiden.

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