St. Paulis Spieler auf der Suche nach der richtigen Richtung
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Kritik: St. Paulis Sportchef Bornemann: „Das geht einfach nicht!“

Es ist noch zu früh, um von einer Krise zu sprechen, aber die Lage beim FC St. Pauli ist ernst. Die Kiezkicker schlagen viel zu wenig Kapital aus ihrem enormen Aufwand. Der Sturz in den Tabellenkeller ist die Folge. Mannschaft und Trainer suchen noch nach dem richtigen Rezept für den Erfolg.

Die nackten Zahlen sind absolut ernüchternd und der Blick auf die Tabelle macht es nur noch schlimmer. Nur ein Sieg aus sieben Spielen, fünf Partien ohne Dreier in Serie, 14 Gegentore, Platz 17.

Das Schlimmste: Resultate und Leistungen stehen in einem krassen Missverhältnis, das ein enormes Frustrationspotenzial birgt. 

FC St. Pauli: Keine Mannschaft macht aus so viel so wenig

„Es ist Wahnsinn, wie viel Aufwand wir betreiben“, sagt Trainer Timo Schultz. Wahnsinn vor allem, weil dabei nicht genügend Punkte herausspringen. Keine Mannschaft in der Liga macht aus so viel so wenig!

St. Pauli läuft nach Heidenheim die meisten Kilometer, schießt nach Fürth am häufigsten aufs Tor, hat die zweitmeisten Zweikämpfe gewonnen, die drittmeisten Tore erzielt und die viertmeisten Ballkontakte.  

FC St. Pauli: Die Moral ist stark, die Abwehr schwach

Das hat den Kiezkickern lediglich sieben Punkte in sieben Spielen eingebracht, was vor allem an der Abwehrschwäche liegt. Vier 2:2-Remis sprechen eine deutliche Sprache. In all diesen Spielen hat die Mannschaft einen Rückstand aufgeholt. Die Moral ist top. 

Lässt St. Pauli allerdings nach und agiert nicht am Anschlag, was Einsatz und Emotionalität angeht, dann kommt ein Spiel wie gegen Karlsruhe heraus – oder wie im Pokal in Elversberg. 

FC St. Pauli: vier Kilometer schwächer als im Derby

Es ist kein Zufall, dass die „Boys in Brown“ beim 0:3 gegen den solide spielenden KSC mit 112,5 Kilometern die schwächste Laufleistung der Saison ablieferten – vier Kilometer weniger als im Derby beim HSV (2:2), knapp fünf  weniger als der eigene Saisonschnitt.

„Uns hat die nötige Bereitschaft, Griffigkeit und auch Widerstandsfähigkeit gefehlt“, moniert Sportchef Andreas Bornemann im Gespräch mit der MOPO. „Die müssen wir immer an den Tag legen, sonst wird es schwer in dieser zweiten Liga, die eine Liga der Widerstände ist.“

Bornemann ist „weiter von der grundsätzlichen Ausrichtung“ überzeugt

Fakt ist aber auch: St. Pauli spielt einen durchaus aufregenden Fußball, aber (noch) keinen ökonomischen und effizienten.

Kann der aufwändige Spielstil auf Dauer Erfolg haben? „Ich bin weiter von unserer grundsätzlichen Ausrichtung und der Art und Weise, Fußball zu spielen, überzeugt“, sagt Bornemann. „Ich zweifle nicht und glaube an die Substanz der Mannschaft.“

FC St. Pauli: auf der Suche nach der richtigen Balance

In dieser Frage wird Bornemann grundsätzlich: „Ein reiner Ergebnisfußball mit Verhinderungstaktik, bei der die spielerische Qualität auf der Strecke bleibt, passt meiner Meinung nach nicht zu diesem Verein.“ Es gelte nun, „die richtige Balance aus beidem zu finden“.

Die sportliche Leitung ist davon überzeugt, dass der entscheidende Schritt die Stabilisierung der Defensive ist. Die zwölf erzielten Tore hätten deutlich mehr Punkte bringen müssen.

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„Es geht einfach nicht, dass wir im Schnitt zwei Gegentore pro Spiel kriegen, sonst wird es schwer, Spiele zu gewinnen“, sagt Bornemann und fordert: „Wir müssen unser eigenes Tor anders verteidigen, viel konsequenter. Das muss jeder verinnerlichen.“

Schnell. Die Aufgaben nach der Länderspielpause gegen Paderborn und Osnabrück werden nicht leichter. „Natürlich steigt durch die Tabellensituation der Ergebnisdruck“, weiß Bornemann. „Wir müssen die Situation annehmen, wie sie ist. Ich will sie nicht herunterspielen, aber auch nicht dramatisieren.“

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