Ein Dynamo-Fan springt einem St. Pauli-Ordner in Kung-Fu-Manier in den Rücken.
  • Ein Dynamo-Fan springt einem St. Pauli-Ordner in Kung-Fu-Manier in den Rücken.
  • Foto: imago images/Eibner

Krawalle am Millerntor: DFB muss Gewalt und Rassismus viel schärfer sanktionieren

1.445.950 Euro. Das ist die dokumentierte Summe, die Dynamo Dresden in den vergangenen zehn Jahren wegen Fehlverhalten seiner Fans an den DFB überweisen musste. Platz eins in Deutschland.

103 Vorfälle wurden geahndet, allein in diesem Jahr waren es vor den Ausschreitungen am Millerntor zehn. Im November zum Beispiel hatte ein Dynamo-Chaot einen Böller in Richtung des Torwarts von Wehen Wiesbaden geworfen. Die Strafe des DFB: lächerlich niedrig, ein winziger Bruchteil der 230.000 Euro, die der HSV und St. Pauli für das Abbrennen von Pyrotechnik beim letzten Derby zusammen zahlen mussten. Und genau hier liegt ein Problem.

Dynamo-Fans wüteten auch im Dezember 2018 am Millerntor

Wer sich anschaut, mit welchen Strafen der DFB jedes Pyro-Vergehen sanktioniert, darf nur mit dem Kopf schütteln, wenn er sie in Verbindung setzt zu ausgeübter Gewalt und Rassismus auf den Rängen. 40.500 Euro musste Dynamo vor gut einem Jahr zahlen, als ein wilder Mob am Millerntor wütete, sechs Polizisten verletzte, sanitäre Anlagen zerstörte, sexistische Spruchbänder entrollte und ein Fan den Hitlergruß zeigte. 40.500 Euro. Was für ein Hohn! Was für ein Signal!

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Ordner trugen Neonazi-Shirts beim Hinspiel in Dresden

Der nächste Vorfall vor einem halben Jahr, als Dynamo-Ordner in Neo-Nazi-Shirts auf der Tribüne standen und erneut ekelerregende Spruchbänder gezeigt wurden, wurde mit 45.000 Euro bestraft. Zu glauben, dass diese Sanktionierungen auch nur im Ansatz geeignet sind, ein wenig Klarheit in die viel zu oft glatzköpfigen Schädel der Dresdner Ultra-Gemeinde zu bringen, ist so naiv, dass es wehtut.

Video: Schon 2018/2019 kam es zu Krawallen beim Spiel zwischen St. Pauli und Dresden

Der DFB muss einen viel glaubwürdigeren Kampf gegen Schläger und Rassisten auf der Tribüne aufnehmen. Und Dynamo muss seine Bemühungen gegen rechtsextreme Fans, die bei diesem Verein leider noch immer eine Art Markenkern bilden, intensivieren. Schnell und deutlich.

Der DFB muss auch das rechte Auge aufmachen

Die durch Videos und Fotos dokumentierten Gewalttäter vom Millerntor müssen geächtet und mit bundesweiten Stadionverboten belegt werden. Geschieht dies nicht, würde das den Verdacht nähren, dass ein Verband, der beim Thema Pyro eine Null-Toleranz-Politik vorlebt, auf dem rechten Auge kurzsichtig ist.

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