Sandhausen jubelt, HSV-Profi Stephan Ambrosius ist konsterniert.
  • Sandhausen jubelt, HSV-Profi Stephan Ambrosius ist konsterniert.
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Kommentar von Axel Formeseyn: Sei endlich mutig und klapp das Visier hoch, HSV!

Der HSV hat 1:2 in Sandhausen verloren und droht mal wieder den Aufstieg zu verspielen. Der bekannte HSV-Anhänger und Ex-Aufsichtsrat des Vereins, Axel Formeseyn (49), schreibt sich in der MOPO den Frust von der Seele.

Mein Kumpel Martin und ich gucken seit Corona unentwegt jeden HSV-Kick am TV zusammen. Abstand bummelig fünfzig Kilometer, verbunden durch WhatsApp. Wir beide wissen: Normalerweise sollte das, was grad und einmal mehr passiert, keinen gestandenen HSVer ernsthaft belasten. Wir haben das weiße Licht längst gesehen, wir sind vom Schicksal hinlänglich windelweich geprügelt.

Axel Formeseyn: HSV-WhatsApp-Chat mit Kumpel Martin

Und doch: Es gibt kein Spiel, in dem wir nicht nach spätestens zwei Minuten mit den Nerven zu Fuß wären und wir uns nicht nach drei weiteren Zeigerumdrehungen in überdrehte GIF-, Emoji-, Sprach- oder Textnachrichten flüchteten und uns negativ über die üblichen HSV-Gruselthemen ausließen: Rückpässe auf unseren Keeper, das regelmäßige Versteckspiel unseres Kapitäns auf dem Platz, der Versuch unseres Behelmten, schnellstmöglich mit Gelb-Rot vom Platz zu gehen.

Axel Formeseyn Kommentar

Axel Formeseyn (49) schwört seinem HSV: Zusammen mit dir durch dick und dünn. Die Liebe bleibt bestehen!

Foto:

Florian Quandt

Und. Und. Und. Im schlimmsten Fall kommt die – aller technischen Klasse zum Trotz – unglaubliche und auf das gesamte Team ausstrahlende Lethargie und Tiefenentspanntheit unseres zentralen Mittelfelds, etwa ab Minute 7, dazu. Und hey, da ist die unnütze Einwechslung von Bobby Wood noch in weiter Ferne! Als HSV-Fan auf dem Sofa hat man richtig gut zu tun: Ein Roll-Eyes-Emoji immer dann, wenn der Sky-Kommentator bei der mittlerweile x-ten vergebenen Terodde-Chance feststellt: „Den macht er normalerweise.“

Klassischer HSV-Satz: „Den macht er normalerweise“

Normalerweise! Normalerweise müsste der HSV ja auch Bundesliga spielen. Normalerweise müsste aber ja auch Werder längst abgestiegen sein. Normalerweise hätte ein Bobby Wood diese Saison nicht eine Minute spielen dürfen. Normalerweise müssten neben Stephan Ambrosius und Joshua Vagnoman ja auch Amadou Onana, Bakery Jatta und Manuel Wintzheimer 34/90 auf dem Platz sein. Weil sie im Gegensatz zu vielen anderen, zum Teil talentierteren Spielern wenigstens Mentalität, Tempo und Mut mitbringen.

Frustrierte HSV-Profis in Sandhausen

Frustrierte HSV-Profis in Sandhausen

Foto:

imago images/Eibner

Mentalität, Tempo und Mut, die uns regelmäßig von Gegnern wie Aue, Würzburg, Pauli, Darmstadt und zuletzt Sandhausen vorgelebt wird. Ich meine: Aue, Würzburg, Pauli, Darmstadt und zuletzt Sandhausen! Allein schon! Und wir so auf dem Sofa am Durchdrehen und auf der Suche nach den passenden GIFs.

Das Hoffen, dass HSV-Trainer Daniel Thioune sich endlich zum Wechseln durchringen kann

Und der Kommentator so: „Normalerweise müsste der HSV mit seiner individuellen Klasse aufsteigen.“ Zack! Und schon geht dieses GIF auf die Reise, auf dem der kleine Junge sich mit dem Spielzeugbohrer gelangweilt in der Nase bohrt. Oder das, wo der Dude aus The Big Lebowski verdrossen auf dem Sofa liegt und mit dem Knie wackelt. Und während wir darauf warten, dass Trainer Daniel Thioune sich endlich zum Wechseln durchringen kann, so zwischen Minute 75 und 85, suche ich schon einmal nach bewegten Bildern von Professor Hastig aus der Sesamstraße. Rapüh. Rapüh. Gute Nacht auch! Und irgendein Wortspiel findet sich ja immer: „Warum Thioune wir uns das immer noch an?“ Na. Weil wir eben HSVer waren, sind und bleiben! Logo!

Daniel Thioune nach dem 1:2 beim SV Sandhausen.

Daniel Thioune war nach dem 1:2 beim SV Sandhausen bedient.

Foto:

WITTERS

Apropos bleiben. Wir haben beim HSV schon so oft gedacht, beim nächsten Trainer, Präsi, Zeug- oder Platzwart würde alles besser. Wie wäre es dagegen ausnahmsweise mal mit der verrückten Idee, dass eine HSV-Mannschaft auf und neben dem Platz zusammenbleiben und sich finden darf? Auch einem Nicht-Aufstieg und allen zu späten Wechseln, individuellen Fehlern usw. zum Trotz?!

Axel Formeseyn: Haltet die HSV-Mannschaft doch mal zusammen!

Bochum und Fürth (und viele andere Zweitligisten) beweisen uns mit ihren eingespielten Truppen doch in schmerzhafter Regelmäßigkeit und nicht erst seit dieser Saison, wie man’s macht, wie man Spiele am Ende noch umbiegt. Wir reden hier schließlich nicht von der Champions League. In der Zweiten Liga zählt das Team! Natürlich brauchen wir neue, hungrige, schnelle Spieler.

Vor allem aber brauchen wir endlich feste, lang und oft und (bitte auch endlich einmal) hart trainierte Automatismen und eine wirkliche Spielphilosophie, die auf Willen, Tempo und Mut basiert. Nicht auf Ballhin- und hergeschiebe. Nicht auf angeblicher technischer Überlegenheit und dem in Dauerschleife praktizierten (jetzt nochmal bitte das Professor Hastig-GIF!) Verwaltungsmodus.

Axel Formeseyn: Sei endlich mutig und klapp das Visier hoch, HSV!

Ich schwör, ich halte weitere Jahre Zweite Liga, weitere Derbyniederlagen und grölende Lokalrivalen-Präsis und Alm-Glocken auf der Tribüne aus. Sogar noch ein paar Monate TV-Fußball. Alles mittlerweile (fast) egal. Nur dieses ewige Seitwärts- Hintenrum- Abwarten- Gedödel meines HSV nicht! Also, bitte: Sei endlich mutig und klapp das Visier hoch, HSV! Spätestens ab der neuen Zweitliga-Saison. Gerne allerdings schon ab: SOFORT! 

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