• Große Freude an der Plough Lane: Der AFC Wimbledon hat den Drittliga-Klassenerhalt geschafft.
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Kleines Fußball-Wunder: Von Fans geführter Profi-Klub schafft den Klassenerhalt

Es gibt auch noch gute Nachrichten aus England: Der Drittligist AFC Wimbledon hat mit seinem Anti-Kommerz-Modell auch dieses Jahr den Klassenerhalt geschafft!

Das 1:3 gegen Portsmouth an der heimischen Plough Lane war am Ende egal. Weil die Konkurrenten aus Northampton und Rochdale beide ebenfalls verloren, bleibt der AFC Wimbledon in der League One, Englands dritthöchster Spielklasse. Zum fünften Mal bereits – und das mit einem Modell, das den Super-League-Ambitionen der englischen Spitzenvereine ins Gesicht lacht.

Fans statt Milliardäre: Wimbledon bleibt in der Dritten Liga

Der Verein gehört keinem Milliardär oder einem profitorientierten Konsortium, sondern den Fans. Im Verwaltungsorgan „The Dons Trust“ hat jedes Mitglied eine Stimme, höchstens 25 Prozent der Anteile dürfen außerhalb der Mitglieder vergeben werden.

Dementsprechend fließt zwar stetig Geld in den Verein und die Mannschaft, aber nur in kleiner Münze. Die Dritte LIga ist unter den turbokapitalistischen Bedingungen im englischen Fußball das höchste der Gefühle – und muss Jahr für Jahr schwer erkämpft werden.

Wimbledon Fans

Im Moment sind die Fans des AFC Wimbledon im Stadion leider noch aus Pappe.

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Nach 25 Spieltagen sah es diesmal böse aus für den AFC. Doch mit dem neuen Trainer Mark Robinson schaffte das Team eine imposante Aufholjagd: Sieben Siege, sieben Unentschieden und nur sechs Niederlagen führten ans rettende Ufer. 

Ausgleich für Wimbledon fällt in der Nachspielzeit

Unter der Woche hatten die „Dons“ mit einem dramatischen Heim-3:3 gegen Abstiegskonkurrent Rochdale fast schon alles klar gemacht. Wimbledon lag 0:2 und 2:3 hinten, doch Joe Pigott erzielte in der sechsten Minute der Nachspielzeit den erlösenden Ausgleich – eine Viertelstunde vorher hatte er noch einen Elfmeter verschossen. Warum einfach, wenn’s auch dramatisch geht?

Joe Pigott Jubel

Joe Pigott (l.) feiert sein Last-Minute-Tor zum wichtigen 3:3 gegen Rochdale.

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Ein Drama stand auch am Anfang der „Dons“: Als der alte FC Wimbledon 2002 beschloss, fortan nicht mehr in London zu spielen, sondern 97 Kilometer weiter nördlich in Milton Keynes, gründeten die empörten Anhänger den AFC und casteten Kicker, um in der Seagrave Haulage Premier Division ganz unten (9. Liga) neu anzufangen. 

Nach dem Umzug: AFC Wimbledon fing 2002 ganz unten an

In diesem Fall war aller Anfang leicht. Der AFC eilte von Sieg zu Sieg und kehrte 2011 mit dem Aufstieg in die League Two in den Profifußball zurück. 2016 gelang dann sogar der Aufstieg in die League One, wo übrigens auch das „alte“ Wimbledon spielt – unter dem neuen Namen Milton Keynes Dons. In den beiden „Derbys“ zog der AFC in dieser Saison mit 1:1 und 0:2 den Kürzeren. 

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Am Ende könnte der einzige englische Profiklub, der aus dem 21. Jahrhundert stammt, aber als Gewinner dastehen. Nach dem Eklat um die „European Super League“, an der sich gleich sechs englische Vereine beteiligen wollten, wird das fanbasierte Wimbledon-Modell (wie auch die deutsche 50+1-Regelung) in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert – als möglicher Ausweg aus einem System, das die Brücken zum einfachen Fußball und seinem Publikum schneller hinter sich abbrennt, als die Feuerwehr überhaupt gerufen werden kann.

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