Was passiert(e) mit Barca (gegen Bayern)? Das fragt sich nicht nur Arturo Vidal. 
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Katalanische Katastrophe: Die riesigen Probleme des FC Barcelona

Die Schmach von Lissabon hat deutliche Spuren hinterlassen beim FC Barcelona, seinen Fans, Spielern und Verantwortlichen. Wenig verwunderlich nach einem 2:8 im Viertelfinale der Champions League. Die Aufarbeitung hat begonnen – und das Spiel aufgezeigt, wie dramatisch es um die Katalanen wirklich bestellt ist.  

„Wir haben daran geglaubt, dass wir Bayern schlagen können”, berichtete Barcas junger Niederländer Frenkie de Jong nach dem niederschmetternden Ende seiner ersten Saison in Barcelona. Das Ende mit Schrecken, das Aus gegen die Bayern zeigte: Die Katalanen waren einem immensen Irrglauben aufgesessen. 

Barcelonas de Jong: „Haben eine Menge Probleme”

Das erkannte hinterher auch de Jong an. „Sie waren deutlich besser als wir”, gestand er. „Ich glaube, der heutige Tag hat gezeigt, dass wir im Team eine ganze Menge Probleme haben. Der heutige Abend hat das aufgezeigt und wir wissen, dass wir viele Veränderungen vornehmen müssen. Ich glaube, wir müssen vieles verändern”, analysierte der 23-Jährige, dessen Wechsel nach Barcelona vor der Saison mit der Hoffnung verbunden war, er könne so etwas wie der neue Xavi werden. 

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Bayern jubelt, Barca nicht: Frenkie de Jong (v.l.) schaut deprimiert drein, Robert Lewandowski, Thomas Müller und Leon Goretzka freuen sich. 

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Das ist weder vermessen noch ausgeschlossen. Nur unrealistisch bei der Art Fußball, die Barcelona in dieser Saison zuerst Ernesto Valverde und nach dessen Entlassung unter dem auf höchstem Niveau unerfahrenen Quique Setien spielte. Kein Tiki-Taka à la Pep Guardiola, für das Xavi oder eben de Jong prädestiniert waren oder sind, sondern solcher, der weniger auf Ballbesitz als viel mehr auf Tempogegenstöße ausgelegt ist. 

Ein Video zeigt den apathischen Messi in der Halbzeit 

Wie spanische Medien berichten, wird zur kommenden Saison wohl ein neuer Trainer auf der Bank der Katalanen sitzen. Mauricio Pochettino, zuletzt Coach der Tottenham Hotspurs, gilt als Favorit. Ob der Argentinier dann noch auf Lionel Messi setzen kann, ist offen. Der 33-Jährige gilt als unzufrieden, liebäugelt offenbar mit einem Wechsel zu Inter Mailand, das dank eines chinesischen Investoren zahlungskräftig ist. 

Nach dem Desaster gegen Bayern tauchte ein Video auf, das die Kabine der „Blaugrana” am Ende der Halbzeitpause zeigt. Marc-Andre ter Stegen lehnt mit frustriertem Blick am Türrahmen, Messi sitzt mit hängendem Kopf und apathischem Blick als einer der letzten Spieler auf einer Bank in der Umkleide, während sich die Kollegen beim Stand von 1:4 schon wieder auf den Weg zum Feld gemacht haben. Zur Erinnerung: Messi ist Barcas Kapitän. 

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Lionel Messi könnte gegen die Bayern sein letztes Spiel für Barcelona bestritten haben. 

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Sein langjähriger Weggefährte, Innenverteidiger Gerard Pique, bot als Konsequenz aus der Niederlage und der allgemeinen Situation um den Klub gar seinen Rücktritt an. „Dieser Klub braucht Veränderungen. Da spreche ich nicht nur vom Trainer und von Spielern, es muss sich auf allen Ebenen etwas tun. Ich wäre der Erste, der gehen würde, sollte es den Klub weiterbringen“, sagte er. 

So reagiert Barca-Trainer Setien auf Piques Kritik

Trainer Setien, von Pique ebenfalls in die Pflicht genommen, wich aus. Die Betrachtung eines Spielers, der sein ganzes Leben bei Barcelona verbracht habe, bedeute schon etwas. „Aber ich werde darauf nicht weiter eingehen”, sagte Setien nach dem Spiel. „Es ist jetzt noch zu früh, darüber nachzudenken, ob ich bleibe oder nicht.” Gleichwohl wisse er, dass es die Glaubwürdigkeit eines Trainers vermindere, „wenn so etwas wie das hier passiert”.

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 „Ich wäre der Erste, der gehen würde, sollte es den Klub weiterbringen“, sagte Gerard Pique (l.). 

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Josep Maria Bartomeu, Präsident des FC Barcelona, wollte sich zunächst einmal „bei allen Fans und Mitgliedern entschuldigen” und „Bayern, die ein großartiges Spiel gespielt haben, gratulieren”. Bartomeu, der immer wieder im Streit mit Spielern und Mannschaft liegt, weil er ihnen öffentlich Misserfolge anlastet und bei sich trotz kostspieliger Fehleinkäufe wie den Philippe Coutinhos keine Schuld sieht, teilte mit, es müssten jetzt Entscheidungen getroffen werden, von denen über einige bereits nachgedacht worden sei. Er werde aber nicht sagen, welche, weil manche bereits gefallen seien und andere noch nicht. 

Bartomeu angegriffen: Machtkämpfe bei Barcelona

Für Montag berief der Klubboss ein außerordentliches, wie es die „Marca” bezeichnet, Notfalltreffen ein. Der katalanische Radiosender „RAC1” spekuliert, dass es bei dem Treffen neben dem laut Medienberichten feststehenden Aus des Trainers auch um die Zukunft des Präsidenten und möglicherweise vorgezogene Neuwahlen um das Amt gehen könnte. 

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Bartomeu, seit 2014 Präsident, sieht sich indes harscher Kritik ausgesetzt. Sein Vorgänger Joan Laporta meldete sich auf Twitter zu Wort. Bartomeus Äußerungen nach dem Spiel seien einmal mehr ein Zeichen von „Feigheit und Unbeholfenheit”. „Seine Inkompetenz und die seiner Mitarbeiter disqualifizieren ihn davon, jegliche weitere Entscheidungen zu fällen, die Barcelonas Zukunft beeinflussen”, schrieb er. 

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Auch Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen, Barcas offizieller Spieler der Saison, erlebte einen schwarzen Abend. 

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Außerhalb des Platzes herrschen Machtkämpfe, auf demselben fehlt es an einer zum veralteten Kader passenden Spielidee oder eben an anderen, besseren, jüngeren Spielern – das Durchschnittsalter der Startelf Barcelonas betrug gegen die Bayern 29 Jahre und 329 Tage. Noch nie war eine Barca-Mannschaft beim Anpfiff eines Champions-League-Spiels älter. Gegen die spritzigen, giftigen und gierigen Münchner war das zu spüren, acht Gegentore sprechen eine an Deutlichkeit nicht zu überbietende Sprache. Catàstrofe ist das katalanische Wort für Katastrophe – und eine Umschreibung der Situation rund um den Klub nach der ersten titellosen Saison seit der Spielzeit 2007/2008. 

Xavi oder Pochettino: Wer bringt Barca zurück zum Erfolg?

„Ich glaube nicht, dass es um fehlendes Talent geht”, sagte Frenkie de Jong nach dem Debakel von Lissabon. „Ich glaube, es geht darum, Intensität und harte Arbeit zu investieren. Das müssen wir verändern.”

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Viertelfinal-Aus in Pokal und Champions League, der zweite Platz hinter Real Madrid in der Liga – vielleicht ist die Mannschaft satt, vielleicht fehlen hungrige und talentierte Spieler, um die herum eine neue Mannschaft geformt wird. Und vielleicht geschieht das ja sogar mit einem anderen, zum FC Barcelona passenden Trainer. Neben Mauricio Pochettino ist auch Klublegende Xavi im Gespräch. Die Fans würden sich über den mit 40 Jahren jungen Coach freuen. Als Zeichen des Aufbruchs. In eine Zukunft, so glorreich wie die Vergangenheit. 

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