André Trulsen, Mathias Hain und Markus Gellhaus (v.l.) wissen noch nicht, ob sie Jos Luhukay weiter assistieren.
  • André Trulsen, Mathias Hain und Markus Gellhaus (v.l.) wissen noch nicht, ob sie Jos Luhukay weiter assistieren.
  • Foto: WITTERS

Jobs in Gefahr!: Co-Trainer und Spieler des FC St. Pauli vor ungewisser Zukunft

Das erste Drittel des Monats Juni ist um. Im Fußball-Normalbetrieb hieße dies: Die Mannschaften erholen sich gerade sämtlich von den Folgen der Abschlussfahrten, hätten sich bis zum Vorbereitungsstart voneinander oder in Richtung eines neuen Klubs verabschiedet. In jedem Fall wüsste ein Jeder angesichts des in exakt drei Wochen endenden Vertragsjahres, ob es beim Verein weitergeht. Nun ist wegen Corona alles anders, beim FC St. Pauli ja laut eigenem Credo sowieso. Und so darben diverse Akteure des Kiezklubs in völliger Unwissenheit bezüglich ihrer Zukunft vor sich hin.

Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass sich viele Dinge ziehen in diesen Zeiten. Dass man Geduld aufbringen muss. Nicht nur in Hamburg. Aber während andernorts, von Aue über Darmstadt, Fürth, Heidenheim, Kiel und Stellingen bis nach Wiesbaden, im Paket oder wenigstens punktuell personelle Zeichen gesetzt werden, passiert bei St. Pauli – nichts.

Sowieso keine Neuverpflichtung, aber eben auch sonst nichts. Was im Zweifel vielleicht noch zu ertragen wäre, wenn man denn wenigstens mit den von auslaufenden Verträgen Betroffenen sprechen würde. Aber auch das geschieht nach MOPO-Informationen nicht.

Drei St. Pauli-Co-Trainer vor ungewisser Zukunft

St. Pauli im Funkloch. Dabei stehen doch einige wichtige, verdiente Menschen mit dem Telefon in der Hand da und warten auf einen Anruf von Sportchef Andreas Bornemann: Torwarttrainer Mathias Hain (47), seit 2008 am Millerntor. Co-Trainer und Klub-Legende André Trulsen (55) oder auch sein Amtskollege Markus Gellhaus (seit gestern 50) – und nicht zu vergessen die Spieler.

Auch St. Paulis Spieler hängen komplett in der Luft

Dimitrios Diamantakos hat schon die Flucht gen Hajduk Split ergriffen. Anders ist das bei Waldemar Sobota und Johannes Flum, die sehr gern bleiben wollen, aber in der Luft hängen: Ersten Vertragsgesprächen (Sobota) und Absichtserklärungen (Flum) vom Beginn des Jahres folgten bislang keine weiteren Dialoge. Auch die Leihspieler kleben zwischen Baum und Borke, es gibt null Signale. Nicht einmal negative, die zwar nicht schön, aber immerhin greifbar wären.

Wohnungen gekündigt, Kopf nicht frei

Zum Teil wurden wegen der komplett ungeklärten Lage von den Spielern bereits die Wohnungen gekündigt. Das alles ist natürlich auch Thema in der Kabine und wenig hilfreich im Vorfeld von wegweisenden Spielen wie jetzt gegen Aue. Mit dem Kopf werden die Betroffenen kaum zu hundert Prozent bei der Sache sein, wenn sie nicht wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Zudem werden intern Stimmen laut, dass dieser Umgang des Vereins mit den Menschen nicht nur aus sportlicher Warte fahrlässig, sondern auch wider den immer wieder gern zitierten Werten des FC St. Pauli sei.

St. Paulis Trainer Luhukay ist not amused

Auch Trainer Jos Luhukay ist angeblich irritiert bis unglücklich angesichts der prekären Situation. Dem Vernehmen nach würde er gern mit Hain, Trulsen und Gellhaus weiterarbeiten. Stand jetzt wäre er in der kommenden Saison alleine mit seinem Co und Gegner-Analyst Hans Schrijver, beide sind noch ein weiteres Jahr gebunden. Und wie Luhukays Mannschaft aussehen wird, ist 19 Tage vor Serienende nicht einmal erahnbar.

FC St. Pauli: Das sagte Sportchef Andreas Bornemann

Das kann sich laut Bornemann noch ziehen schlimmstenfalls. „Das Allerwichtigste für eine Planung ist die Planungsgrundlage“, sagte er der MOPO: „Durch die Auswirkungen der Corona-Krise gibt es noch einige offene Fragen, die zu klären sind – die wichtigste ist die sportliche Zukunft. Danach ergibt sich alles Weitere.“

Sollte St. Pauli also erst am letzten Spieltag in Wiesbaden den Klassenerhalt eintüten, begännen am 29. Juni die Gespräche – wenn es dann noch interessierte Gesprächspartner geben sollte.

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