Jan-Philipp Kalla nach seinem letzten Heimspiel am Millerntor
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„Ich sehe das als Luxus an“: „Fußballgott“ Kalla über das Leben nach der Profi-Karriere

St. Paulis „Fußballgott” ist seit dem 1. Juli arbeitslos. Aber nicht mehr lange. Nach 17 Jahren als Spieler wird Jan-Philipp Kalla vom Kiezklub auf der Geschäftsstelle weiter beschäftigt. Was er genau machen soll, wird in dieser Woche verkündet.

Am Sonntag gab es zum ersten Mal seit 13 Jahren einen Trainingsstart ohne „Schnecke“. Für den 33-Jährigen natürlich ein komisches Gefühl. „Ich war auf dem Kindergeburtstag meines Sohnes“, sagt Kalla. Sein Leo wurde elf Jahre alt – und der Ex-Profi war dabei: „Ich habe noch nie soviel Zeit mit Familie und Freunden verbracht wie in den vergangenen Wochen. Deshalb geht es mir gut. Ich sehe das als Luxus an.“

Kalla schwärmt von St. Paulis Marvin Knoll

Weil ihm Sportchef Andreas Bornemann schon vor zwei Monaten mitteilte, dass der Verein ohne ihn plant, habe er sich mit dem Abschied reichlich auseinandersetzen können. Ein beklemmendes Gefühl sei es allerdings gewesen, als er vor zwei Wochen seinen Spind an der Kollaustraße geräumt habe: „Da habe ich zufällig Marvin Knoll, Svend Brodersen und Christopher Avevor getroffen. Auf meinem Platz habe ich so viele Jahre gesessen. Ich saß neben Knolli. Das ist nicht nur sportlich ein feiner Typ. Der hat das Herz am rechten Fleck und passt super zu St. Pauli.“

Auf eine Hitliste geschätzter Wegbegleiter wolle er sich aber nicht einlassen: „Ich habe in meinen 13 Jahren als Profi so viele Spieler, Trainer, und Physiotherapeuten kommen und gehen sehen. Alle werden ein Teil meines Herzens oder in meinem Gedächtnis bleiben.“

So geht Kalla mit dem Karriereende um

Er spricht von einer im Prinzip großartigen, „aber auch sehr anstrengenden und nicht immer erfolgreichen Zeit“. Er meint damit den zu häufigen Überlebenskampf: „Bis auf das eine Jahr Bundesliga haben wir ja irgendwie immer noch die Kurve gekriegt.“

Kalla ist nach wie vor in einem körperlichen Topzustand. Das liegt auch an den Laufplänen, die er wie seine verbliebenen Mannschaftskollegen für den Urlaub von St. Paulis Athletiktrainern erhalten hat: „Es ist ja wichtig, abzutrainieren.“

Kalla als Trainer der dritten Frauen bei St. Pauli

Kalla gibt zu, dass ihm der Alltag mit fast täglichem Fußball fehlt. Gern hätte er weitergespielt, am liebsten noch ein Jahr bei den Profis, oder auch bei der U23. Aber St. Pauli habe das nicht gewollt. Das akzeptiert er. Außerdem freut sich der gelernte Kaufmann für Spedition und Logistik auf das, was kommt. Er verrät: „Der Verein wird mir eine Alternative bieten, die mir auch sehr viel Spaß machen wird.“ 

Als Spieler wird es ihn bei den Braun-Weißen nicht mehr geben, wohl aber als Trainer. Kalla coacht zusammen mit seiner Lebensgefährtin Kim Koschmieder überaus erfolgreich die 3. Frauen: „Wir sind zweimal hintereinander aufgestiegen. Weil wir jetzt in der Landesliga gelandet sind, ist meine Truppe sogar zu St. Paulis zweiten Frauen geworden.“

Wann gibt es das Abschiedsspiel für Kalla?

Der Job bei den Ladys zwischen 16 und 46 Jahren macht ihm jede Menge Freude: „Die Frauen sind wissbegierig, denen kann man was vermitteln.“ Seine Trainerkarriere will er deshalb vorantreiben. Im September macht er mit seiner Kim die DFB-Elite-Jugend-Lizenz im Malente.

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Nach wie vor ist ein Abschiedsspiel geplant. Das möchte der Hamburger Jung’ natürlich in der Nach-Corona-Zeit vor Publikum machen. Denn nur dann würde das passieren, was ihm jahrelang eine wohlige Gänsehaut verursachte – dass er von den Fans als „Fußballgott“ gefeiert wird. Kalla: „Das würde ich gern noch einmal so hören. Das war immer ein schönes Gefühl, schließlich wird das ja beim FC St. Pauli nicht jedem nachgerufen.“

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