• Da ahnte noch keiner was vom Wembley-Tor: DFB-Kapitän Uwe Seeler im WM-Finale 1966 bei der Seitenwahl mit Englands Bobby Moore – und dem Schiedsrichter-Gespann...
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Rekorde, legendäre Tore, Wembley: Uwe Seeler, der deutsche Fußball-Held

Uwe Seeler ist natürlich nicht nur ein HSV-Held, sondern wird von allen deutschen Fußball-Fans gefeiert und respektiert. Er nahm an vier Weltmeisterschaften (1958, 1962, 1966 und 1970) teil, erzielte in 72 Länderspielen 43 Tore. Nicht wenige davon waren legendär. 1970 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Los geht alles am 16. Oktober 1954 in Hannover. Bundestrainer Sepp Herberger nimmt sicht den 17-jährigen Uwe zur Seite, bevor er ihn einwechselt: „Junge, spiel einfach so wie beim HSV. Zeig den Zuschauern, warum ich dich geholt habe.“ Der aktuelle Weltmeister verliert zwar vor 86.000 Zuschauern mit 1:3, doch Seeler bekommt viele Komplimente und sagt: „Es ist gut für mich gelaufen.“

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Uwe Seeler bei seinem ersten Länderspiel 1954 in Hannover gegen Frankreich

Uwe Seeler (17) debütiert 1954 gegen Frankreich in der Nationalmannschaft

Den internationalen Durchbruch schafft „Uns Uwe“ bei der WM 1958 in Schweden. Bei der „Schlacht von Göteborg“ im Halbfinale gegen den Gastgeber (1:3) lässt Seeler die widrigen Begleitumstände nicht zählen, sagt Jahre später gewohnt nüchtern: „Gewinnen wollen. Verlieren können. Das ist Sport.“

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Uwe Seeler (l.) enttäuscht und abgekämpft nach der Schlacht von Göteborg bei der WM 1958.

Seine Rache sollte er auch so bekommen, obwohl es fast unmöglich war. 1965 zieht sich Seeler einen Achillessehnenriss zu, viele Ärzte prognostizierten das Karriereende. Doch Uwe ist nach nur sieben Monaten wieder auf dem Platz zurück und erzielt das 2:1-Siegtor gegen Schweden! Damit ist Deutschland für die WM 1966 qualifiziert.

HSV-Idol Uwe Seeler: Trauma und Traum gegen Schwede

Uwe erinnert sich: „Unser Bundestrainer Helmut Schön war so glücklich, dass er mir abends nach dem Spiel das Du angeboten hat, was damals nicht üblich war. Wir haben uns mit Schnaps richtig einen hinter die Binde gegossen.“

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Uwe Seeler schießt Deutschland mit diesem Tor gegen Schweden zur WM 1966.

Fast wäre der WM-Titel in England als nächstes zu feiern gewesen. Doch dann kam im Finale das Wembley-Tor. Seeler: „Weltmeister bin ich leider nie geworden, aber damit kann ich leben. Außerdem weiß ja mittlerweile jeder, dass das Wembley-Tor 1966 nicht drin war. Ich habe das sofort gesehen. Von uns hat die Entscheidung keiner verstanden – und das ist bis heute so. Wir haben uns relativ schnell beruhigt, obwohl auch der Treffer von Hurst zum 4:2 nicht legitim war, weil bereits englische Fans auf dem Rasen standen. Wir mussten uns doch benehmen – schließlich war ja die englische Königin im Stadion. Außerdem haben uns selbst die englischen Zuschauer gefeiert.“ Seeler wurde übrigens von allen Experten als bester Spieler des Turniers bezeichnet.

Uwe Seeler: „Jeder weiß, dass das Wembley-Tor nicht drin war“

1970 bei der WM in Mexiko geht es erneut gegen England. Diesmal im Viertelfinale. Uwe zaubert im Rückwärtslaufen per Hinterkopf einen von Karl-Heinz Schnellinger lang getretenen Ball zum 2:2 ins Netz. Keeper Peter Bonetti, der am kurzen Pfosten steht, hat keine Chance. Ein Sensationstor! Seeler hat dabei quasi die Naturgesetze ausgehebelt. „Das war doch die einzige Möglichkeit den Ball ins Tor zu kriegen“, sagt er Jahrzehnte danach. Die Partie endet 3:2 für Deutschland in der Verlängerung – durch Gerd Müller, mit dem er ein vor dem Turnier nicht für möglich gehaltenes Traumpaar bildet.

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Uwe Seelers legendäres Hinterkopf-Tor im WM-Viertelfinale 1970 gegen England.

Seelers vorletzter WM-Auftritt endete am 17. Juni 1970 mit einer sportlichen Tragödie. Im „Jahrhundertspiel“ gibt es im Glutofen des Aztekenstadions in Mexiko-City ein 3:4 nach Verlängerung im Halbfinale gegen Italien: „Da hätten wir in der regulären Spielzeit schon mehrere Elfmeter kriegen müssen.“ Im Spiel um Platz drei siegt Deutschland mit 1:0 gegen Uruguay. Es ist Seelers 21. Spiel bei einer WM – damaliger Rekord.

Uwe Seeler: Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft

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Uwe Seeler wird vor seinem letzten Länderspiel 1970 das Bundesverdienstkreuz verliehen – ihm kommen die Tränen.

Mit dem 3:1 am 9. September 1970 gegen Ungarn vor 70.000 Zuschauern im Nürnberger Frankenstadion beendet „Uns Uwe“ seine großartige DFB-Laufbahn. Es ist sein 72. und letztes Länderspiel.

Neben Uwe Seeler sind Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Philipp Lahm aktuell Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft.

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