„Merlin macht Spaß“: Trainer-Legende des HSV schwärmt von Polzin
Was für Merlin Polzin der 24. August 2025 war, war für Thomas Doll der 23. Oktober 2004. Am 9. Spieltag der Saison 2004/05 stand der Ex-HSV-Cheftrainer erstmals bei einem Bundesligaspiel an der Seitenlinie, Hamburg siegte mit 2:0 in Dortmund. Knapp 21 Jahre später feierte nun Polzin sein Debüt als Coach im Oberhaus – und das 0:0 in Gladbach hat auch Doll gefallen. Der 59-Jährige, der am Dienstagnachmittag in den „Walk of Fame“ am Volksparkstadion aufgenommen wurde, äußerte sich nach dem Event lobend über den Weg seines HSV.
Er habe nichts gegen die vermeintlich kleinen Profivereine dieses Landes. „Aber da waren Spiele in der 2. Liga dabei …“, erinnert sich Doll an die Vorsaison, in der der HSV noch nach Münster, Ulm oder Regensburg reisen musste. Nun heißen die ersten Reiseziele Mönchengladbach, München sowie Berlin – und Doll findet: „Der HSV gehört einfach in die Bundesliga. Das ist so ein großartiger Verein mit so einer Wucht. Vielleicht wurde jetzt ein bisschen mehr richtig gemacht als in den Jahren zuvor falsch.“ Der derzeit vereinslose Coach hat den Weg seines Ex-Klubs stets verfolgt.
Ex-HSV-Coach Doll: „Ich bin gespannt, wie es weitergeht“
Das Auftaktspiel nach sieben Jahren Bundesliga-Abstinenz hat Doll imponiert, wohlgemerkt „nach einer weniger guten Vorbereitung“, wie er weiß: „Noch milde ausgedrückt.“ Der gebürtige Malchiner, der den HSV von Oktober 2004 bis Februar 2007 in 111 Pflichtspielen betreut hatte, führt den Punktgewinn vom Sonntag auf das Wirken von Polzin, der den Start „gemeistert“ habe, zurück: „Er hat das richtig klasse gemacht, die Mannschaft top eingestellt. Ich bin wirklich gespannt, wie es weitergeht“, sagt Doll und lobt: „Merlin macht Spaß und passt hier richtig gut rein.“

Von April 2022 bis Juni 2024 hatte Doll den indonesischen Erstligisten Persija Jakarta trainiert, inzwischen lebt er mit seiner Familie wieder in Budapest, wo er von 2013 bis 2018 bei Ferencváros tätig war. Aus der Ferne nehme er Polzin „entspannt und fokussiert“ war: „Er weiß, was er macht, so kommt er rüber. Er stellt die Mannschaft gut ein“, findet Doll. „Ich denke, hat er einen sehr guten Draht zur Mannschaft. Es ist nicht einfach, weil der eine oder andere nicht spielt und dann meistens nicht so gut zu sprechen ist auf den Trainer. Merlin hat aber alle ins Boot bekommen.“
Thomas Doll erinnert die HSV-Profis an ihre Verantwortung
Der 1. Spieltag hat gezeigt, dass die Profis dem neuen taktischen Plan des 34-jährigen Bramfelders vertrauen. Doll empfiehlt allen Hamburgern aber, trotz des erfreulichen Auftaktspiels demütig zu bleiben. Keiner dürfe denken: „Ich spiele beim großen HSV und muss meine Ärmel jetzt nicht mehr so hochkrempeln.“ Denn Doll weiß: „Die großen Erfolge liegen lange zurück.“ In der Saison 2005/06 hatte Doll mit dem HSV den UI-Cup gewonnen, während seiner Amtszeit standen die Bundesliga-Endplatzierungen acht (2004/05), drei (2005/06) und sieben (2006/07) zu Buche.

In dieser Spielzeit geht es nur um eines, das weiß Doll: den Klassenerhalt. „Die Jungs, die jetzt da unten auf dem Platz stehen, haben eine große Verantwortung, den Verein in der Bundesliga zu halten – und dann über die Jahre hinweg zu stabilisieren“, sagt er und blickt vorsichtig voraus: „Ich wünsche mir nach diesem Aufstieg auch, dass wir irgendwann vielleicht auch mal wieder einen Zehn- oder 15-Millionen-Euro-Transfer tätigen können, um die Mannschaft noch stärker zu machen. Das würde ich mir wünschen, weil viele andere Klubs das machen können.“
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Zugleich weiß Doll, dass die Realität aktuell noch eine andere ist. Er rät dem HSV, einen Schritt vor dem nächsten zu machen. Der nächste lautet: Stadtderby am Freitagabend (20.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de). Was gegen den FC St. Pauli und für seinen Ex-Verein spreche? „Das Heimspiel, in diesem Kessel – du hast die Fans hinter dir“, erklärt Doll, zeigt auf das Volksparkstadion und führt aus: „Es ist ein Derby – wer da nicht brennt und das Beste abliefert, was er als Fußballer geben kann …“ Die Trainer-Legende tippt auf einen 2:1-Heimsieg: „Ich denke, der HSV wird am Ende drei Punkte holen, auch wenn es sehr schwer wird. Aber der Kessel wird brennen, hundertprozentig“, so Doll. „Das erste Bundesliga-Heimspiel nach sieben Jahren, und dann noch Derby – etwas Besseres gibt es doch nicht.“
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