Mario Vuskovic und Igor Matanovic
  • Eigentlich Freunde, heute Derby-Rivalen: HSV-Verteidiger Mario Vuskovic (l.) trifft auf dem Platz direkt auf St. Pauli-Stürmer Igor Matanovic.
  • Foto: WITTERS

paidMatanovic und Vuskovic im Derby-Interview: „HSV-Spieler können auch sympathisch sein“

Es hat Klick gemacht bei Mario Vuskovic. Mit St. Paulis Igor Matanovic, den der HSV-Innenverteidiger inzwischen seinen Freund nennt. Und schätzungsweise 100-mal bei dem Kugelschreiber, den der 21-Jährige beim Doppel-Interview der beiden kroatischen U21-Nationalspieler in einer Hotelsuite mit der MOPO in der Hand hält. Ob das ein Zeichen wachsender Derby-Nervosität ist, bleibt offen. Dafür erklärt Vuskovic, warum der HSV am Freitag nicht Favorit ist, was er an St. Pauli schätzt. Und Matanovic verrät, ob er jemals im Leben für den HSV spielen würde und wie er es als 19-Jähriger schafft, auch in der Krise die Ruhe zu bewahren.

MOPO: Wäre das am Freitag ein normales Zweitligaspiel, wäre der HSV klarer Favorit. Aber es ist das Derby. Gibt es da überhaupt Favoriten?

Vuskovic: Wenn man sich die letzten Spiele anguckt, würden viele Leute wohl sagen, dass wir der Favorit sind. Diese Rolle nehmen wir auch gerne an. Aber es ist ein großes Derby und ich glaube, da gibt es keinen klaren Favoriten. Diese Spiele sind nämlich immer sehr speziell.

Matanovic: Der HSV ist gerade gut drauf und uns fehlen momentan die Ergebnisse. Aber wir wissen auch alle, was das Derby für eine Bedeutung hat. Vor allem für mich, ich spiele schon seit elf Jahren bei St. Pauli, habe in der Jugend einige Derbys gespielt. Ich will das gewinnen, egal wie. Ob das dreckig ist, ob das verdient ist – ist mir alles egal. Auch den Spielern, die jetzt frisch zu uns gekommen sind, haben wir klargemacht, was das Spiel für eine Bedeutung hat. Die Rivalität gibt es schon seit … immer (lacht). Das ist kein normales Zweitligaspiel.

Matanovic: „Derby immer zum richtigen Zeitpunkt“

Eric Smith sagte nach dem Braunschweig-Spiel, das Derby komme zur richtigen Zeit. Stimmen Sie zu, Herr Matanovic?

Matanovic: Egal, wann das Derby kommt, es ist immer der richtige Zeitpunkt. Und gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt für uns, für einen Umschwung zu sorgen.

Herr Vuskovic, Sie verfolgen die Zweite Liga aufmerksam. Wie schätzen Sie St. Pauli ein?

Vuskovic: Ich habe mir einige Spiele angeguckt. Ich finde, sie haben eine gute Mannschaft, aber die Ergebnisse sind nicht auf ihrer Seite. Sie sind ein junges Team mit viel Potenzial. Vielleicht fehlt ihnen momentan ein bisschen das Spielglück, wie in Braunschweig, als sie das Tor in der letzten Sekunde kassieren.


MOPO

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Und was zeichnet den HSV aus, Herr Matanovic?

Matanovic: Die haben eine enorme Qualität, sehr gute Einzelspieler. In Spielen, wo sie nicht 100 Prozent gut gespielt haben, nutzen sie die wenigen Chancen, die sie haben. Deswegen stehen sie auch oben.

Könnten Sie sich nach elf Jahren bei St. Pauli eigentlich vorstellen, mal beim HSV zu spielen?

Matanovic: Keine Chance (lacht), überhaupt nicht.

Gab es in der Jugend mal Anfragen?

Matanovic: Es gab vor sieben, acht Jahren mal eine Anfrage. Das kam aber für mich nicht in Frage. Wie man sieht, war das bisher die richtige Entscheidung.

Vuskovic und Matanovic sprechen über ihre Freundschaft

Fabian Boll sagte unlängst, dass es zu seiner aktiven Zeit keinen Kontakt unter den HSV- und St. Pauli-Spielern gegeben habe. Heute ist das anders. Wie ist Ihr Verhältnis?

Matanovic: Bei uns hat das mit der U21-Nationalmannschaft von Kroatien angefangen. Ich habe Mario im Sommer kennengelernt und gecheckt, dass die HSV-Spieler auch sympathisch sein können (lacht). Zusammen haben wir die Qualifikation zur U21-Europameisterschaft geschafft, sowas schweißt natürlich zusammen, dabei entstehen Freundschaften, auch wenn er beim Rivalen spielt. Wenn am Freitag das Spiel losgeht, blende ich sowas aber aus.

Vuskovic: Wir haben eine gute Beziehung, sprechen mal auf deutsch und mal auf kroatisch. Wir haben neben dem Platz ein super Verhältnis, aber auf dem Platz muss die Freundschaft ruhen.

Was erwartet Sie denn auf eben diesem Platz mit Igor Matanovic für ein Gegenspieler?

Vuskovic: Im Training haben wir ein paar Mal gegeneinander gespielt. Er ist körperlich stark, es ist nicht einfach, gegen ihn zu verteidigen.

Beide bereits mit Derby-Erfahrung

Herr Matanovic, in zwei Profi-Jahren haben Sie erst drei Minuten Derbyerfahrung, wurden beim 1:0 im Frühjahr 2021 eingewechselt. Da herrscht Nachholbedarf, oder?

Matanovic: Für mich ist es immer schon ein großes Spiel. Jetzt im Millerntor-Stadion vor 30.000 Fans gegen den HSV zu spielen, da habe ich mich schon letzte Woche drauf gefreut. Das ist etwas sehr, sehr Großes und Besonderes. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich sowas erleben darf.

Läuft die Derbyvorbereitung anders ab als auf ein „normales“ Spiel?

Matanovic: Es wird dem ganzen Verein klargemacht, dass kaum etwas Wichtigeres gibt. Jeder, der diese Rivalität kennt, wird beim Schlafengehen nochmal darüber nachdenken und davon träumen, wie man gewinnt.

Herr Vuskovic, wie ist es um ihre Derby-Erfahrungen bestellt?

Vuskovic: Ich habe mit Hajduk Split oft gegen Dinamo Zagreb gespielt. Das ist das größte Spiel im kroatischen Fußball, die ganze Stadt steht hinter dir, die Atmosphäre ist großartig. Letztes Jahr zudem mit dem HSV zweimal gegen Werder Bremen. Jetzt wird es mein erstes Hamburger Derby vor vollem Haus, denn leider durften bei unserem Sieg letzte Saison nur 2000 Zuschauer kommen. Die Vorfreude ist natürlich riesig.

Vuskovic: Frühe Reife durch viele Spiele

Sie sind beide junge Spieler, wirken auf und neben dem Platz aber reifer. Ist das förderlich, weil es mehr Respekt der Mitspieler bringt – oder eher hinderlich, weil die Erwartungen deshalb steigen?

Matanovic: Ich spreche viel mit meinen Eltern, auch mit anderen Spielern. Die haben mich ein bisschen darauf vorbereiten können, was auf einen zukommt. Gerade läuft es bei uns nicht so gut. Das erlebe ich jetzt in jungen Jahren, aber wenn man mit vielen Leuten spricht, kann man sich mental darauf vorbereiten. Jackson Avevor zum Beispiel ist schon lange verletzt, aber immer für mich ansprechbar. Das zeigt, was für ein Mensch er ist. Ich weiß es total zu schätzen, dass ich so einen Mannschaftskollegen habe, der mir sagt: ‚Igor, mach dir keinen Kopf, du musst gar nichts. Deine guten Spiele werden kommen.‘ Das ist bei St. Pauli so besonders: Wir sind eine Familie, keine zusammengewürfelte Truppe. Vielleicht wirke ich deshalb ein bisschen erwachsener. Vielleicht liegt das aber auch an der kroatischen Mentalität (schmunzelt).

Vuskovic: Wir sind junge Spieler. Für mich gesprochen, kann ich sagen, dass es schon meine dritte Saison im Profifußball ist. Ich habe schon viele Spiele gespielt und habe als junger Spieler viele Erfahrungen in der Fußballwelt sammeln dürfen. Das ist für meine Entwicklung ein großes Plus.

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Abschließend: Wie viel Tickets mussten Sie besorgen?

Matanovic: Ich wurde schon sehr, sehr oft gefragt.

Vuskovic: Es gab für den HSV nicht viele Möglichkeiten, an Tickets zu kommen. Zwei waren drin, meine Freundin und ein Freund kommen.

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