HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (l.) und Karlsruhes Oliver Kreuzer
  • Karlsruhes Sportvorstand Oliver Kreuzer (r.) war auch mal beim HSV, wo nun Jonas Boldt das Sagen hat.
  • Foto: WITTERS

„Eigentlich ein Wahnsinn“: Wie Ex-Sportchef Kreuzer heute den HSV sieht

Er war nur ein Jahr lang da, doch die Bindung ist geblieben. „Ich bin noch immer HSV-Sympathisant“, sagt Karlsruhes Sportvorstand Oliver Kreuzer vor dem Wiedersehen mit seinem früheren Verein (Samstag, 20.30 Uhr, live bei Sky und Sport1). 15 Monate lang war der 55-Jährige beim HSV im Amt, ehe er im Oktober 2014 entlassen wurde. Das Ziel: Alles sollte besser werden. Kreuzers rückblickendes Fazit: „Als ich ging, war der HSV noch ein fester Bestandteil der Bundesliga.“

Natürlich ist längst Gras über das alles gewachsen. Kreuzer ist niemandem mehr böse, das wird schnell deutlich, als die  MOPO ihn telefonisch erreicht. Aber so viel sei dann doch klar: „Selbstverständlich hätte ich mir nach dem Klassenerhalt damals gewünscht, zusammen mit Mirko Slomka beim HSV weiterzumachen.“ Die Bosse aber hatten andere Pläne.


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Der Blick sollte wieder Richtung Europa gehen. Ohne Kreuzer, der den Umwälzungen nach der Ausgliederung der Profi-Abteilung zum Opfer fiel und alsbald durch Peter Knäbel ersetzt wurde. Sieben Jahre später duellieren sich Kreuzers KSC und der HSV in Liga zwei. Immer noch.

KSC-Vorstand Kreuzer verfolgt den Weg des HSV genau

Dass das weiterhin so ist, überrascht auch Kreuzer. Dreimal in Folge verpassten die Hamburger den Aufstieg knapp, jedes Mal auf dramatische Weise. „Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, ist es eigentlich ein Wahnsinn, dass der HSV immer noch in der Zweiten Liga spielt“, sagt er. „Natürlich gehören sie auch dieses Jahr wieder zu den großen Favoriten, das wird naturgemäß auch immer so bleiben, solange sie Zweitligist sind. Ob die Mannschaft am Ende die Qualität hat, wird sich zeigen.“

Zum Kreis der Aufstiegsanwärter wurde zum Saisonstart auch der KSC gezählt. Nach dem knapp bewerkstelligten Klassenerhalt in der Serie 2019/20 und Rang sechs in der Vorsaison trauten viele Experten dem Verein in dieser Saison einen weiteren Schritt nach vorn zu. Doch die Badener zählen zu den Wundertüten der Liga. Erst in der Vorwoche bekamen sie die ganze Bandbreite ihrer Möglichkeiten zu spüren. Zunächst der tolle Pokalerfolg in Leverkusen (2:1), dann die Heimpleite gegen Paderborn (2:4).

Kreuzer sieht den KSC nicht mit dem HSV auf Augenhöhe

Auf Augenhöhe mit dem HSV sieht Kreuzer seinen Verein nicht. „Dass uns viele Experten als Geheimtipp für den Aufstieg sehen, ehrt uns zwar, entspricht aber nicht der Realität“, sagt er und verweist auf die größeren finanziellen Möglichkeiten zahlreicher Konkurrenten. Sogar die Aufsteiger Ingolstadt und Dresden haben einen höheren Etat als der KSC (knapp 9,5 Millionen Euro). Zum Vergleich: Der des HSV liegt bei rund 20 Millionen Euro. Für Kreuzer ist klar: „Für uns geht es auch diesmal nur darum, die Liga zu halten. Hierfür sind wir auf einem guten Weg.“ Und weiter: „Wir sind in der Lage, jeden in der Liga zu schlagen, aber für den Aufstieg brauchst du Konstanz, hierfür sind wir noch zu anfällig.“ 

Badisches Understatement oder eine realistische Einschätzung der Lage? Darauf wird es am Samstag zumindest eine kleine Antwort geben. In Karlsruhe wartet auf den HSV wie gewohnt ein heißes Pflaster, wie immer seit dem Relegations-Drama von 2015, als sich Hamburg in letzter Minute rettete. Es war die Saison, in deren Verlauf Kreuzer gehen musste.

Das verbindet KSC-Sportvorstand Kreuzer noch mit Hamburg

Klar, dass die Gedanken an früher nun auch bei ihm wieder aufflackern. Nicht nur weil sein Sohn Tim noch immer in Hamburg wohnt. „Wenn ich zurückdenke, was wir damals für eine Mannschaft hatten“, stellt der KSC-Boss fest und gerät fast ins Schwärmen. „Westermann, Jansen in der Abwehr, Milan Badelj und Rafael van der Vaart im Mittelfeld, dazu mit Hakan Calhanoglu und Jonathan Tah richtige Top-Talente. Im Tor René Adler, vorn einen Pierre-Michel Lasogga in damals absoluter Topform. Es ist mir bis heute schleierhaft, warum wir in diese Schwierigkeiten gekommen sind.“

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Nun will der HSV zurück in die Bundesliga. Wieder mal. Kreuzers Karlsruher wollen diesen Weg am Samstag ein gutes Stück steiniger werden lassen.

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