Daniel Thioune ist ein Freund klarer Ansagen. Julian Pollersbeck bekam das bereits zu spüren.
  • Daniel Thioune ist ein Freund klarer Ansagen. Julian Pollersbeck bekam das bereits zu spüren.
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Kommentar: Für den HSV und St. Pauli gibt es keine Garantie, aber Hoffnung

76 Tage sind vergangen. 76 Tage, in denen die 1:5-Niederlage gegen Sandhausen, mit der der HSV die Chance auf die Rückkehr in der Bundesliga vergeigte, ebenso verblassen konnte wie das Missverständnis des FC St. Pauli mit Trainer Jos Luhukay. Der Blick zurück soll nicht mehr als eine Warnung sein. Dafür, dass es in dieser Saison bei beiden Hamburger Klubs besser läuft, gibt es keine Garantie, aber vielleicht kleine Hoffnungsschimmer.

Trotz aller Peinlichkeiten ist der HSV noch immer der Verein mit der größten Strahlkraft der 2. Bundesliga. Kein Konkurrent aus dem Unterhaus hätte es geschafft, die Hamburger auszustechen, als sie Simon Terodde und Toni Leistner verpflichten wollten. Die Ü30-Spieler, zu denen auch Klaus Gjasula und weiterhin Aaron Hunt zählen, sollen dafür sorgen, dass die jungen Mitspieler den nötigen Halt bekommen, um nicht ein drittes Mal in der Endphase einer Saison komplett auseinanderzubrechen. Dass sich Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel für diesen Weg entschieden haben, erscheint nachvollziehbar und sinnvoll. Dass Erfahrung aber auch kein Allheilmittel im Aufstiegskampf ist, hatte sich in der vergangenen Saison gezeigt, in der Martin Harnik (33) und Ewerton (31) eher Belastungen als Verstärkungen waren.

Daniel Thioune sendet ein klares Zeichen mit der Degradierung von Pollersbeck

Ob es diesmal besser läuft? Abhängen wird das natürlich ganz entscheidend von den Trainerkünsten des Daniel Thioune. Der 46-Jährige agiert von Anfang an selbstbewusst und scheut sich nicht, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Mit Julian Pollersbeck den Torhüter mit den besten Anlagen zur Nummer drei zu degradieren, ist mutig, aber auch ein klares Zeichen an alle Mitspieler: Wer nicht alles gibt für seinen Beruf, wer im Kopf nicht frei ist, der wird es schwer haben unter Thioune.

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Taktisch setzt der Trainer auf Variabilität. Er will den HSV unberechenbar machen. Gut, das war der Klub zwar irgendwie schon seit Jahren, aber meist ja doch eher ungewollt. Thioune verfolgt mit seiner Herangehensweise einen ähnlichen Ansatz wie sein Vorvorgänger Hannes Wolf. Der scheiterte – auch weil er die Mannschaft mit ständigen System- und Personalwechseln überforderte. Es wird sich daher zeigen, ob Thioune der im Vergleich bessere Erklärer ist. Dass er eine Mannschaft mit seiner empathischen Art mitzureißen vermag, hat er in Osnabrück zur Genüge unter Beweis gestellt.

Timo Schultz sorgt für einen Klimawandel bei St. Pauli

Insofern hat Thioune seinem St. Pauli-Pendant etwas voraus. Timo Schultz hat seine erste Bewährungschance bei den Profis. Wäre es allein seine Aufgabe, ein neues Klima innerhalb seines Herzensvereins zu schaffen, dürfte er schon jetzt einen Haken dahinter machen. Die Unterschiede zum harmoniezerstörungswütigen Luhukay könnten größer kaum sein. Schultz hat für jeden einen lockeren Spruch, ein Lächeln, Formen der Aufmunterung parat. Das allein ist aber nicht mehr als eine Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten. St. Pauli muss den Abgang vieler Leistungsträger verkraften und wird wohl bis zum 5. Oktober im Sturm noch nachjustieren müssen. Von den Spielern, die Schultz am Sonntag in Elversberg zur Verfügung stehen, hat in der vergangenen Zweitliga-Saison niemand ein Tor für St. Pauli geschossen. Es wird Zeit, dass sich was dreht.

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