Der HSV-Wahnsinn gegen Juventus Turin. Sergej Barbarez und Nico Hoogma feiern Torschütze Niko Kovac.  
  • Der HSV-Wahnsinn gegen Juventus Turin. Sergej Barbarez und Nico Hoogma feiern Torschütze Niko Kovac.  
  • Foto: WITTERS

Ex-HSV-Kapitän Hoogma: „Ich wusste: So eine schöne Zeit kommt nicht wieder“

Von 1998 bis 2004 machte Nico-Jan Hoogma 207 Spiele (17 Tore) für den HSV. Er war Kapitän der Hamburger, erlebte als Spieler den Neubau des Volksparkstadions mit und damit gleichzeitig auch den Aufbruch in eine neue Ära.

Hoogma spielte mit dem HSV in der Champions League, er hatte zudem ein sehr spezielles Verhältnis zu Kult-Masseur Hermann Rieger (2014). Bei der Frage nach dem HSV-Spiel seines Lebens hat sich Hoogma, der seit Februar 2018 als Sportdirektor für die niederländische Nationalmannschaft arbeitet, gleich für zwei Spiele entschieden – ein sportliches und ein emotionales Highlight.

Hoogma: „An diesem Tag kam alles zusammen“

„Wenn man in Hamburg nachfragt, was in den letzten 25 Jahren die Top-3-Spiele waren, dann ist bestimmt HSV gegen Juve im Jahr 2000 dabei“, sagt Hoogma, der damals beim legendären 4:4 gegen die Star-Auswahl aus Turin auf dem Platz stand. An das Spiel erinnert er sich auch heute noch gerne. „Der HSV hatte nach langer Zeit mal wieder in der Champions League gespielt. Dann auch noch gegen Juventus – also gegen den Gegner, gegen den der HSV 1983 die Champions League gewonnen hatte. Die Spieler von damals waren für das Spiel gegen Juve eingeladen und im Stadion dabei. Der HSV war in der Entwicklung, das Stadion war gerade neu. Und dann gab es auch noch dieses Ergebnis. An diesem Tag kam einfach alles zusammen.“

Bei Juventus spielten Zidane, Davids, Del Piero und van der Sar

In das Spiel gegen Juventus ging der HSV damals eigentlich ohne große Erwartungen. Bei Juve spielten Superstars wie Zinedine Zidane, Alessandro Del Piero, Filippo Inzaghi, Edgar Davids oder Edwin van der Sar. „Keiner hatte von uns etwas erwartet. Bei Juve waren alle großen Namen dabei. Vielleicht hatten sie ein bisschen schon ihren Karriere-Höhepunkt vorher gehabt, aber es hat trotzdem keiner damit gerechnet, dass wir gegen sie etwas holen können. Genau das macht den Fußball so schön. Man kann vorher nicht sagen, wie das Spiel ausgehen wird“, erzählt Hoogma.

Hoogma schaut sich noch heute Videos von dem Spiel an

Der Spielverlauf ist den meisten HSV-Fans noch heute bekannt. Juve ging früh in Führung und lag zu Beginn der zweiten Halbzeit mit 3:1 vorn. Dann wurde es verrückt und legendär. Mehdi Mahdavikia, Hans-Jörg Butt (Elfmeter) und Niko Kovac drehten das Spiel und schossen den HSV mit 4:3 in Führung. Das Stadion flippte komplett aus. Hoogma: „Ich schaue mir auch heute noch manchmal auf Youtube ein Video von dem Spiel an. Da siehst du, was auf den Rängen im Stadion passiert. Wenn man auf dem Platz ist, bekommt man das gar nicht so richtig mit.“

Obwohl Inzaghi für Juventus in der 88. Minute noch per Elfmeter zum 4:4 ausglich, ist das Spiel für Hoogma das sportliche Highlight seiner HSV-Zeit.

Das könnte Sie auch interessieren: Demel über sein größtes HSV-Spiel: „Es war ein Traum, wir haben im Schnee getanzt“ v

Viele Emotionen beim letzten Hoogma-Spiel

Sehr speziell und auch sehr emotional wurde es knapp vier Jahre später, als Hoogma sein letztes Spiel für den HSV absolvierte. Es war am 22. Mai 2004, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Nicht nur für Hoogma war es damals das letzte Pflichtspiel im Dienst des HSV. Auch Hermann Rieger nahm Abschied. Die Nacht vor dem Spiel verbrachten Hoogma und Rieger gemeinsam. 

„Hermann war ein sehr feiner Mensch und ein super Kollege. Er war immer für uns da. Man konnte ihn immer anrufen, wenn man Probleme hatte“, erzählt Hoogma, der Rieger auch in jener Nacht vor dem Frankfurt-Spiel anrief. „Ich konnte nicht schlafen, weil ich mir zu viele Gedanken über alles gemacht hatte. Ich wusste, dass Hermann auch nicht schlafen konnte. Ich habe ihn dann angerufen und ihm gesagt: Hermann, ich möchte noch gerne bei dir vorbeikommen.“

Ein großes Bier und viele Erinnerungen

Damals wohnte der HSV vor den Heimspielen noch im Hotel Treudelberg im Norden Hamburgs. Hoogma hatte es nicht weit bis zu dem Zimmer von Rieger. Viel Schlaf bekam er in der Nacht dann allerdings auch nicht mehr. „Wir waren bei ihm auf dem Zimmer und haben beide ein großes Bier bestellt. Wir sind unsere komplette Zeit, die wir zusammen beim HSV waren, noch mal durchgegangen und haben über alles noch mal gesprochen. Wir haben viele schöne Zeiten miteinander erlebt.“

Nico Hoogma trägt nach seinem letzten HSV-Spiel Hermann Rieger auf den Schultern.

Nico Hoogma trägt nach seinem letzten HSV-Spiel Hermann Rieger auf den Schultern. 

Foto:

WITTERS

Der Kapitän verbringt die Nacht vor einem Heimspiel biertrinkend mit dem Physiotherapeuten auf dem Hotelzimmer. Heute unvorstellbar. Damals eher kein Problem. Am nächsten Tag waren beide fit. Beim Spiel gegen Frankfurt erlebte Hoogma einen HSV-Abschied wie man es sich eigentlich nur wünschen konnte. Viele Freunde aus den Niederlanden und die Familie saßen im Stadion auf der Tribüne. Hoogma stand beim HSV in der Startelf und führte die Mannschaft ein letztes Mal als Kapitän auf den Platz. Mit 2:1 besiegte man die Frankfurter. Rieger wurde von Hoogma bei der anschließenden Ehrenrunde auf den Schultern getragen.

Hoogma trägt den HSV für immer im Herzen

„Es war ein ganz besonderer Tag. Aber es war auch schwer“, sagt Hoogma. „Ich war damals fast 35 Jahre alt. Und ich wusste: So eine schöne Zeit kommt nicht wieder. Man muss Abschied nehmen von dem Geilsten, was es gibt.“

Dem HSV blieb Hoogma auch nach seinem Abschied weiter treu. Auch heute hält er immer noch Kontakt in den Volkspark. Er sagt: „Der HSV ist für mich ein Verein, den ich immer im Herzen haben werde.“ Und zwar mit sehr vielen schönen Erinnerungen.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp