Ex-HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld und Präsident Marcell Jansen.
  • Ex-HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld und Präsident Marcell Jansen
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paidDer große Knall beim HSV: Ex-Boss Wüstefeld redet, Jansen unter Druck

Um 18.30 Uhr tritt der HSV am Freitag zum Nord-Duell in Hannover an. Die aktuell beiden formstärksten Teams der Zweiten Liga treffen aufeinander. Eigentlich eine schöne Geschichte. Beim HSV geht diese aktuell jedoch fast unter. Der Sport steht nicht im Vordergrund. Der Rücktritt von Vorstand Thomas Wüstefeld und die damit verbundenen Fragen überschatten alles.

Zum Knall war es am späten Mittwochabend gekommen. Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung hatte der HSV bekannt gegeben, dass Wüstefeld von seinem Aufsichtsratsposten und damit auch von seinem Übergangsjob als Vorstand mit sofortiger Wirkung zurücktritt. Laut Wüstefeld hatte er diese Entscheidung bereits am vergangenen Wochenende getroffen und auch direkt dem Aufsichtsratsvorsitzenden Marcell Jansen mitgeteilt. Am Mittwoch folgte nur noch der Vollzug.


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Im Gespräch mit der MOPO erklärt Wüstefeld, dass vor allem der Aufsichtsrat verantwortlich für seinen Schritt gewesen sei. Er spricht von einer fehlenden Basis und fehlendem Vertrauen. „Ich habe seit Längerem aus dem Aufsichtsrat nicht mehr die notwendige Unterstützung gespürt. Aus meiner Sicht ist ein Teil des Rates eindeutig durch außenstehende und eigene Interessen gesteuert“, so Wü­stefeld, der diese Entwicklung auch mit Investor Klaus-Michael Kühne und dessen 120-Millionen-Euro-Angebot an den HSV verbindet. Persönlich macht er sich keine Vorwürfe. Vielmehr betont er, dass man für das abgeschlossene Geschäftsjahr ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren werde. Ein Finanzkonzept für die Stadion-Sanierung habe er in der Schublade liegen.

Jansen stellte sich lange hinter Wüstefeld

Viel hatte Wüstefeld in den vergangenen Monaten angekündigt, wenig am Ende umgesetzt, dafür für jede Menge Unruhe im Volkspark gesorgt. Die Strafanzeigen gegen ihn waren letztlich auch Gift für die Glaubwürdigkeit des HSV. Der Aufsichtsrat stellte sich dennoch lange mehrheitlich hinter Wüstefeld. Das galt insbesondere für Präsident Marcell Jansen.

Wüstefeld kam seinem HSV-Rauswurf zuvor

Der Vorsitzende des Kontrollgremiums erklärte am Donnerstag, dass Wüstefelds Rücktritt eine gute Entscheidung und auch das Beste für den HSV gewesen sei. Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass der Ex-Vorstand dem Aufsichtsrat mit seinem Schritt womöglich zuvorgekommen sei. So war die außerordentliche Sitzung am Mittwoch bereits vor Wüstefelds Entschluss vereinbart worden. Dabei sollte auch über die Vorwürfe gegen den 53-Jährigen gesprochen werden. Die Wüstefeld-Kritiker waren zuletzt im Aufsichtsrat in der Überzahl, weil dieser keine klaren Antworten liefern konnte. Ob es zum Beispiel wirklich ausreichend Beweise für seine Ehrentitel gibt, blieb auch nach Jansens kryptischen Ausführungen ein Rätsel.

Trotz Bruch beim HSV – Jansen will weitermachen

Ob er als Kontrollchef viel früher hätte eingreifen müssen, wurde Jansen gefragt. Dies verneinte der Ex-Profi, der auf wirtschaftliche Erfolge des Vorstands verwies und darauf, dass der Aufsichtsrat diesen einstimmig entsandt hatte. Die Differenzen innerhalb des Kontrollgremiums führte er auf den Bruch der beiden Gesellschafter Klaus-Michael Kühne und Wüstefeld zurück. Persönliche Konsequenzen will Jansen keine ziehen.  „Wir sind unserer Verantwortung nachgekommen. Als wir gemerkt haben, dass es ein anderes Level an Vorwürfen gibt, haben wir Impulse gegeben.“

Wüstefeld ist jetzt nur noch Gesellschafter und Fan

Ob das alles für mehr Ruhe reichen wird? Auch Wüstefeld wird es genau verfolgen. Für 15 Millionen Euro hatte er vor knapp einem Jahr Kühne 5,11 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG abgekauft. Als Gesellschafter bleibt er im Volkspark dabei. Auch zu den Spielen will er weiterhin gehen. „Es ist jetzt eine entscheidende Zeit für den HSV“, sagt er. Der Sport ist damit nicht gemeint.