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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Armin Papperger, Vorsitzender des Vorstands der Rheinmetall AG
  • Hans-Joachim Watzke (l.) und der BVB haben mit Armin Papperger und Rheinmetall einen Deal geschlossen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Borussia Dortmund

„Ihr habt sie nicht mehr alle“: Massive Kritik an BVB-Deal mit Rüstungs-Konzern

Der Rüstungskonzern Rheinmetall wird neuer „Champion Partner“ von Borussia Dortmund. Das vorab bereits durchgesickerte Sponsoring des Düsseldorfer Unternehmens beim Champions-League-Finalisten bestätigten beide Seiten am Mittwoch. Rheinmetall wird demnach künftig „im sportlichen und gesellschaftlichen Umfeld des Bundesligisten auftauchen“, aber nicht auf dem Trikot. Dieser Deal stößt nun auf große Kritik.

Die auf drei Jahre angelegte Partnerschaft umfasst der Pressemitteilung zufolge „die Nutzung reichweitenstarker Werbeflächen, Vermarktungsrechte sowie Event- und Hospitality-Angebote im Stadion sowie auf dem Vereinsgelände“.

Erstmalig wird das Rheinmetall-Logo während der Vorbereitung des BVB auf das Endspiel gegen Real Madrid am Samstag (21 Uhr/ZDF und DAZN) in Wembley zu sehen sein. Es ist laut „Handelsblatt“ das erste Sponsoring eines Rüstungskonzerns in der Bundesliga und der Deal soll eine Million Euro pro Jahr umfassen.

Watzke über den Deal: „Verteidigung elementarer Eckpfeiler unserer Demokratie“

„Sicherheit und Verteidigung sind elementare Eckpfeiler unserer Demokratie. Deshalb halten wir es für die richtige Entscheidung, uns sehr intensiv damit zu beschäftigen, wie wir diese Eckpfeiler schützen“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Gerade heute, da wir jeden Tag erleben, wie Freiheit in Europa verteidigt werden muss. Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit Rheinmetall und öffnen uns als Borussia Dortmund ganz bewusst für einen Diskurs.“

Der von Watzke angesprochene Diskurs könnte von sportlichen Themen vor dem Champions-League-Finale am Samstag gegen Real Madrid ablenken. „Es gibt jetzt nur noch ein einziges Thema, und das ist dieses Finale“, hatte BVB-Sportdirekor Sebastian Kehl noch am Dienstag gesagt: „Ich würde mir wünschen, dass wir uns auf dieses Spiel konzentrieren.“

Der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger sprach von zwei Partnern, „die mit ihren Ambitionen, ihrer Haltung und ihrer Herkunft gut zueinander passen“. Der BVB sei „ein Verein aus dem Herzen von Nordrhein-Westfalen und steht wie kaum ein anderer für das Streben nach Spitzenleistung und internationalem Erfolg. Rheinmetall ist in der Metropolregion Rhein-Ruhr tief verwurzelt und möchte seine Marke als führendes Systemhaus der Verteidigungsindustrie und als Treiber industrieller Innovationen in zivilen Märkten auch international noch bekannter machen.“

Rheinmetall mit großen Gewinnen durch den Krieg

Rheinmetall ist ein DAX-Konzern mit weltweit mehr als 30.000 Mitarbeitern, der Jahresumsatz betrug zuletzt 7,2 Milliarden Euro. Sie profitieren von dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022. Der Aktienkurs von Deutschlands größter Waffenschmiede verfünffachte sich seither in etwa. Der Konzern erhält zudem zusätzliche Mittel von der Bundesregierung.

Aus einem 100 Milliarden Euro schweren Sondervermögen für die Bundeswehr bekommt Rheinmetall nach eigener Schätzung Schritt für Schritt etwa 30 Milliarden – dies verteilt auf einen Zeitraum von mehreren Jahren, was bei Rüstungsaufträgen üblich ist.

Das Unternehmen sponsert auch den Handball-Bundesligisten Bergischer HC und die Basketballerinnen der Capital Bascats Düsseldorf.

Auf den Deal des BVB folgte allerdings ein Shitstorm: Die „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ forderte am Mittwoch, den Deal zu kippen. „Ein Waffenhersteller als Sponsor passt nicht zu den Werten, die der BVB – und Fußball insgesamt – vertritt“, hieß es von den Pazifisten.

„Hey BVB, hat euch wer ins Hirn geschissen?“

Auch im Netz stößt dieser Deal auf große Empörung. Sogar Nicht-BVB-Fans meldeten sich zu Wort. „Red Bull ist der Teufel, aber Rheinmetall als Sponsor ist natürlich tragbar“, schrieb ein Nutzer. „Würde mir als BVB-Fan ziemlich verarscht vorkommen“, findet der Verfasser.

Ein Fan fragt sich bei X: „Hey BVB, hat euch wer ins Hirn geschissen?“, und fügte an: „Ihr habt sie doch nicht mehr alle …“. Das sind deutliche Wort gegen den eigenen Verein.

Es blieb jedoch nicht nur bei Empörung und Beleidigungen im Netz. Einige Fans veröffentlichen auch ihre Kündigungsmails der Mitgliedschaften beim BVB.

Fanrat hat kaum Handlungsspielraum

Von Seiten der BVB-Fans wird auch kritisiert, dass der Fanrat zwei Wochen vor Veröffentlichung des Deals darüber informiert wurde. Zwar können die Fanvertreter nicht über den Verein entscheiden, aber die Ansichten der Fans begründen und vertreten. Doch zwei Wochen vor Bekanntgabe des Deals sei wahrscheinlich schon alles in trockenen Tüchern, weshalb der Austausch nicht mehr wichtig sei.

Zudem dringe von solchen Gesprächen auch nichts an die Öffentlichkeit, was auch negativ angemerkt wird. Dadurch erhalte man den Eindruck, dass alles im Einvernehmen entschieden wurde.

Vereinzelt gab es aber auch Zustimmung: „Ich finde das Rheinmetall-Sponsoring gut. Vor allem, weil’s die Richtigen triggert“, schrieb ein Nutzer bei X.  

BVB-Deal auch in der Politik ein Thema

Doch die Äußerungen kamen nicht nur von den Fans. Auch Menschen aus der Politik meldeten sich zu Wort. „Strack-Zimmermann bald im BVB-Trikot?“, schrieb BSW-Politiker Fabio De Masi bei X und spielte damit auf die konstanten Forderungen nach mehr Waffenlieferungen für die Ukraine der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann an.

Ihre Reaktion darauf: „Das erste Mal, dass Sie sich mit einem erstklassigen Thema beschäftigten. Chapeau“, antwortete Strack-Zimmermann. „Bei Ihnen weiß man ja, dass sie bei ZSKA Moskau unter Vertrag stehen“, kommentierte derweil Sportjournalist Günter Klein. 

Die Linken-Politikerin Özlem Alev Demirel findet, dass Rheinmetall gerade auf Sportplätzen kein Thema sein sollte und ist komplett gegen den Deal. Damit teilt sie die Kritik der meisten Fans.

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Abgesehen von der überwiegend großen Empörung gab es in den sozialen Netzwerken auch einige, die sich ein paar Späße erlauben. So könnten Panzer in Zukunft ja den Spielball präsentieren, schlug einer bei X vor. „Ich hab da schon mal bombiges neues Spielermaterial für den BVB gescoutet“, schrieb derweil ein anderer Nutzer – und hängte einen Screenshot einer Liste von Fußballspielern an. Die Gemeinsamkeit der Kicker? Sie heißen alle Panzer, Panzeri oder Panzera mit Nachnamen. (dpa/fs)

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