Hansi Flick beim deutschen Länderspiel in Polen
  • Die Probleme von Hansi Flick sind auch nach den 90 Minuten von Warschau nicht kleiner geworden.
  • Foto: dpa

„Absolut enttäuschend“: Druck auf Flick nimmt nach Pleite in Polen zu

Die deutsche Nationalmannschaft verliert 0:1 in Polen. Ein Jahr vor der Heim-EM sucht das Flick-Team seine Form.

Hansi Flick reichte Fernando Santos die Hand und umarmte seinen Kollegen, dann schlich er mit gesenktem Haupt in die Kabine. EM-Alarm statt Aufbruchstimmung, das unglückliche 0:1 (0:1) in Polen war auch für den Bundestrainer ein weiterer Schock. Allen Treueschwüren zum Trotz steht Flick immer stärker unter Druck, die Zweifel wachsen. 

Flick nach 0:1 gegen Polen: „Überzeugung ist nicht da“

„Wir brauchen Ergebnisse. Die Überzeugung ist einfach noch nicht da, das müssen wir hinkommen“, sagte Flick in der ARD: „Wir sind in einer Phase, die nicht ganz so einfach ist. Aber wir werden da rauskommen“, versprach der Bundestrainer, gab aber zu, dass das Ergebnis „absolut enttäuschend“ sei.

Die runderneuerte DFB-Auswahl spielte dominant, aber mit zu wenig Tempo. Das Glück im Abschluss fehlte auch nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit. Flick bleibt nach seiner vierten Niederlage nur noch das Duell mit Kolumbien am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) in Gelsenkirchen, um vor der Pause bis September etwas Ruhe und EM-Hoffnung zu erzeugen.

Gosens: „Man muss sich endlich mal belohnen“

„Ich habe gehofft, dass wir endlich mal ein Erfolgserlebnis feiern, in Aufbruchstimmung kommen, das Land hinter uns kriegen“, sagte der eingewechselte Champions-League-Finalist Robin Gosens, „wir wissen alle, dass das nur über Resultate, über Siege geht. Wir haben eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt, aber man muss sich auch endlich mal belohnen.“

Jakub Kiwior (31.) schenkte Polen den erst zweiten Sieg über Deutschland im 22. Duell. Top-Stürmer Lewandowski wurde zur Pause ausgewechselt, seine Kollegen verteidigten den Vorsprung mit viel Leidenschaft und Geschick.

Flick bringt neun Neue nach der Enttäuschung gegen die Ukraine

Flick baute seine Elf beim Abschiedsspiel für den früheren Dortmunder Jakub Blaszczykowski fast komplett um. Nur Kapitän Joshua Kimmich und Abwehrchef Antonio Rüdiger blieben nach dem enttäuschenden 3:3 gegen die Ukraine in der Startformation. An der Dreierkette hielt der Bundestrainer fest, aus der Doppelspitze wurde Alleinunterhalter Kai Havertz, der sich redlich mühte.

Flick, der in seinem 23. Länderspiel die 20. (!) Abwehrformation brachte, verteidigte seinen System-Test vor dem Anpfiff in der ARD abermals. „Wir brauchen nicht über Dreier-, Vierer- oder Fünferkette diskutieren“, sagte er, es gehe vielmehr „darum, die Basics auf den Platz zu bringen.“ Also Konzentration und Zweikampfhärte. Doch auch hier haperte es trotz des durchaus vorhandenen Willens erneut.

Jakub Blaszczykowski wird von beiden Teams verabschiedet

Helfen sollte ausgerechnet ein Debütant in tragender Rolle: der 21-jährige Malick Thiaw. „Er ist sehr abgeklärt für sein Alter, spielt mit sehr viel Selbstbewusstsein“, lobte der Bundestrainer den Profi der AC Mailand. Der gab den Zentrumsspieler in der Dreierreihe und bekam es meist mit Lewandowski zu tun. Zunächst aber stoppte er den durchgebrochenen „Kuba“ Blaszczykowski (13.).

Kurz darauf wurde der 37-Jährige wie angekündigt ausgewechselt – getreu seiner Rückennummer in der 16. Minute. Beide Teams bildeten ein Spalier für ihn, die Kapitänsbinde überreichte er unter großem Applaus der 57.098 Zuschauer im Nationalstadion an Lewandowski. Flick nutzte die Gelegenheit, um seinem Sechser-Duo Kimmich und Emre Can Anweisungen zu geben.

Unter Flick bleibt Wirtz eine große Enttäuschung

Doch den polnischen Defensivblock zu durchbrechen, war trotz der Zauberfüße Jamal Musiala, Florian Wirtz und Havertz in der Offensive schwierig. Havertz ließ das Zentrum immer wieder verwaisen, Musiala war agil, aber wenig durchschlagskräftig, Wirtz eine einzige Enttäuschung.

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Thilo Kehrer gab den ersten Torschuss ab (23.), der zweite von Havertz war gefährlicher (29.). Dann schlugen die Polen bei einer Ecke zu, Kiwior traf per Kopf, Kehrer kam zu spät. Immer wieder brannte es bei Standards im deutschen Sechzehner lichterloh.

Gosens und Kimmich mit guten Chancen nach der Pause

Nach der Pause kam Champions-League-Finalist Robin Gosens ins Spiel und führte sich gleich mit einer guten Chance ein, Sekunden später schlenzte Kimmich den Ball an die Latte (beide 48.). Einen zunächst gepfiffenen Handelfmeter nahm Schiedsrichter Orel Grinfeeld nach Videostudium zurück (58.).

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Für die Schlussphase brachte Flick mit Niclas Füllkrug und Leroy Sane (je 68.) weitere Offensivkräfte. Doch deutsche Chancen wie jene von Thiaw (78.) blieben selten. (sid/mp)

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