• Live im TV: Jogi Löw spricht über seine Entscheidung.
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Abschieds-Pressekonferenz: Bierhoff spricht von „Marcus Löw“! Hinweis auf Nachfolger?

Jogi Löw macht im Sommer nach über 15 Jahren Schluss als Coach der deutschen Nationalelf. Auf einer Pressekonferenz, die digital stattfand und im TV live übertragen wurde, äußerte sich der Noch-Bundestrainer am Donnerstag zu seiner Entscheidung und zu seiner verbleibenden Zeit bis zur EM. DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff sprach unterdessen über seine Nachfolge – mit einem Versprecher.

„Marcus Löw hat noch einen Vertrag bis 2024. So oder so ist das eine hohe Kompetenz und Stärke“, sagte Bierhoff. Gemeint war aber von Bierhoff nicht der ewige Jogi, sondern dessen Assistent Marcus Sorg!

Bierhoff spricht von „Marcus Löw“ – Hinweis auf Nachfolger Sorg?

Das Arbeitsverhältnis des Co-Trainers, das machte Bierhoff deutlich, endet demnach momentan nicht wie das von Chefcoach Löw nach der EM im Sommer.

„Ich habe so viel Löw die letzten Tage gehört“, sagte Bierhoff, als er auf seinen Versprecher hingewiesen wurde. Sorg gilt als ein möglicher Kandidat auf den Cheftrainer-Job.

Löw Sorg Bierhoff

Wird Marcus Sorg (M.) unter Oliver Bierhoff (r.) Nachfolger von Jogi Löw?

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WITTERS

„Der freut sich jetzt, dass er auf dem Karussell mitfährt“, sagte DFB-Pressesprecher Jens Grittner, der die Situation dann auflöste. 

Jogi Löw erklärt seinen Abschied als Bundestrainer

Nach einigen Worten des Dankes an und des Lobes für Löw durch DFB-Präsident Fritz Keller sprach der Bundestrainer selbst über die Beweggründe seiner Entscheidung.

Kernaussage: Löw will mit seinem Rücktritt in diesem Sommer rechtzeitig den Weg frei machen für einen neuen Bundestrainer beim EM-Heimturnier 2024.

Das 0:6-Debakel gegen Spanien im November sei hingegen kein Grund für seine Abschiedsankündigung gewesen. Den Entschluss, im Februar und März über seine Zukunft nachzudenken, habe er schon im vergangenen Jahr gefasst, sagte Löw: „Im letzten Jahr – schon unabhängig von dem Spanien-Spiel – in der Zeit der Pandemie, hatte man Zeit zum Nachdenken.“ 

Er habe sich konkrete Gedanken gemacht, „wo wir stehen, wo stehe ich, was möchte ich und was habe ich für ein Gefühl für die Zukunft“. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass „für mich persönlich, jetzt nach dem Sommer und der EM der richtige Zeitpunkt ist, den Stab weiterzugeben“, sagte der 61-Jährige.

Löw ist überzeugt von seinem Umbruch – und denkt an die Heim-EM 2024

Den von ihm eingeleiteten Personalumbruch in der Nationalmannschaft verteidigte Löw, unabhängig von seiner Person: „Ich habe immer gesagt, die Mannschaft braucht Zeit und Raum. Das soll nicht daran scheitern, dass der Trainer auf seinem Stuhl klebt.“

„Es ist eine Zeit der Erneuerung und der Veränderung und der Bewegung“, sagte der Weltmeister-Coach und richtete seine Worte vor allem auf die EM 2024 im eigenen Land. Ein Heimturnier könne wie bei der WM 2006 im ganzen Land viel „erzeugen und bewegen.“

Er sei „zutiefst“ davon überzeugt, dass die jungen Nationalspieler dann ihr Leistungszenit erreichen. Er selbst sehe sich 2024 allerdings nicht mehr in der Position. Bei der anstehenden EM in diesem Sommer wolle er aber „noch einmal das Maximale erreichen“. Löw versprach, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren.

Wer wird neuer Bundestrainer? Oliver Bierhoff: „Haben keine Zeitnot“

Über die Ära nach ihm sagte Löw, dass sein Nachfolger die notwendige Zeit bekommen müsse, das Team auf das Turnier 2024 vorzubereiten.

Wer das wird, ist aber noch unklar. Der DFB will sich bei der Suche nach einem Nachfolger für Bundestrainer Löw selbst keinen Druck machen. „Wir haben absolut keine Zeitnot. Es ist eine wichtige Entscheidung. Wir werden uns die Zeit nehmen, die notwendig ist. Wir werden uns diese Entscheidungen gut durchdacht überlegen“, sagte Bierhoff am Donnerstag.

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Ein „konkretes Datum“ werde er nicht nennen, betonte der 52-Jährige. Sicherlich werde man aber nicht erst zwei Tage vor der Fortsetzung in der WM-Qualifikation im September den Löw-Nachfolger präsentieren.

Ausgeschlossen wurde von Bierhoff, dass man erstmals in der DFB-Geschichte einen ausländischen Trainer engagieren werde. „Ich sehe die Chancen als gering, was ich auf dem Markt sehe“, sagte Bierhoff. Man sollte unter diesen Umständen „einen deutschen Trainer haben“. Es gebe in In- und Ausland sehr gute Kandidaten.

Sportdirektor Bierhoff will keine Nachfolger-Kandidaten kommentieren

Bierhoff versicherte zudem, dass man Trainer mit einem bestehenden Vertragsverhältnis bei Vereinen nicht ohne Absprache mit den aktuellen Arbeitgebern kontaktieren werde. Unvorbereitet treffe den DFB die Löw-Entscheidung nicht. „Man hatte einen solchen Fall immer im Hinterkopf. Man war in den letzten Monaten nicht immer tatenlos. Jetzt geht es ans Eingemachte“, sagte er.

In Bezug auf die konkrete Löw-Nachfolge kündigte Bierhoff an, in nächster Zeit keine Kandidaten zu kommentieren oder Zwischenstandsmeldungen zu geben. „Wir werden unsere Entscheidung nicht nach Umfragewerten treffen“, sagte der frühere Nationalspieler.

Löw selber wollte sich nicht in die Entscheidungsfindung einmischen: „Ich glaube, dass die Entscheidung beim DFB und bei Oliver Bierhoff in guten Händen liegt.“ Zuletzt seien gute Entscheidungen getroffen worden, „und ich glaube, in diesem Fall wird es wahrscheinlich auch so sein“, sagte Löw.

Fokus auf die EM dieses Jahr: Müller und Hummels dabei?

Der Tenor der Protagonisten für dieses Jahr ist klar: Voller Fokus auf die EM. Werden Thomas Müller und Mats Hummels beim Turnier dabei sein? Auch dazu äußerte sich Löw: „Ich habe die Tür weder geöffnet noch geschlossen. Man muss sich überlegen, ob man in der Pandemie den Umbruch unterbrechen muss.“ Vor einem Turnier hinterfrage er „immer alles noch mal“: „Das machen wir jetzt auch – im Mai.“

Generell denke er nicht daran, „was Entscheidungen für eine öffentliche Wirkung haben. Das habe ich nie gemacht“, betonte der Bundestrainer. Für ihn sei es immer nur darum gegangen, den größtmöglichen Erfolg für die Nationalelf zu ermöglichen. Das will Jogi Löw auch in diesem Sommer wieder tun und seine Ära mit einer erfolgreichen EM zu einem guten Abschluss führen. (dpa/sid/tm)

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