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Trainer Michael Lorkowski mit Stürmer Rüdiger Wenzel
  • Trainer Michael Lorkowski mit Stürmer Rüdiger Wenzel, der nach dem Aufstieg 1984 zum FC St. Pauli zurückkehrt.
  • Foto: WITTERS

Vor 40 Jahren: St. Pauli feiert den Aufstieg – und kaum jemand will dabei sein

Der FC St. Pauli steigt auf – vor fast leeren Rängen. Am 24. Juni 1984 feiert der Kiezklub nach fünf Jahren die ersehnte Rückkehr in die Zweite Liga, doch am Millerntor versammeln sich nur 3800 Zuschauer:innen. Heute unvorstellbar …

Ein Grund für den spärlichen Besuch: Wer damals zum FC St. Pauli hielt, war vielleicht noch müde vom Feiern. Denn den Aufstieg hatte die Elf von Trainer Michael Lorkowski bereits drei Tage früher klargemacht, durch ein hochdramatisches 3:3 beim Lokalrivalen SV Lurup. Vor immerhin 5700 Zuschauer:innen, die mehrheitlich zu den Braun-Weißen hielten. Die Zweitliga-Aufsteiger wurden damals in einer Aufstiegsrunde ermittelt, und zum Hinspiel gegen Lurup (3:1) war das Millerntor mit 9000 Schaulustigen vergleichsweise gut gefüllt.

1979 erhält der FC St. Pauli keine Lizenz mehr

Doch das vom HSV damals verwöhnte Hamburger Publikum musste sich erst daran gewöhnen, dass es auch jenseits des Volksparkstadions ansehnlichen Fußball geben könnte. St. Pauli hatte es versucht, doch die erste Bundesliga-Saison 1977/78 endete in einem Fiasko. 1979 wurde dem Klub auch die Lizenz für die Zweite Liga entzogen, mühsam bekam man eine Mannschaft für die Amateuroberliga Nord zusammen – durchaus vergleichbar mit der Situation nach dem Zweitliga-Abstieg 2003, auch wenn knapp zwei Jahrzehnte zuvor keine auf die Idee kam, Retter-T-Shirts zu verkaufen.

Präsident Kreikenbohm: „Es gab nichts mehr zu pfänden“

Um den Hemdenstoff zu besorgen, hätte 1979 auch das Geld gefehlt. Schon neue Trikots für die Spieler konnte sich St. Pauli damals nicht leisten. Eine Baufirma verlangte deshalb, dass ihr Werbelogo auf den alten, weiterbenutzten Trikots überklebt wurde, damit ihr Ruf nicht geschädigt werde. Auch um die Kabinenheizung wieder in Gang zu setzen, musste der FC erstmal Außenstände begleichen. Und für Spielankündigungsplakate konnte der Verein anfangs nicht einmal sein Wappen nutzen. Eine Druckerei rückte die Vorlage nicht heraus, weil es noch offene Rechnungen gab. „Wenn alle Gläubiger ihre Mahnverfahren durchgezogen hätten, wäre es aus gewesen“, erinnerte sich der damalige Präsident Wolfgang Kreikenbohm im Interview mit Vereinschronist René Martens: „Es gab ja nichts mehr zu pfänden.“

Golke trifft! St. Pauli macht schon in Lurup alles klar

Mit jungen lokalen Kickern, die beim Spitzenklub HSV keine Chance gehabt hätten, ging es langsam, aber sicher bergauf. Schon 1983 qualifizierte sich St. Pauli für die Aufstiegsrunde, scheiterte dort aber noch. Im Folgejahr präsentierte sich das Team deutlich stabiler und konnte schon in Lurup jubeln, obwohl der Ex-St. Paulianer Gerd Grau seinem alten Klub gleich drei Tore einschenkte. André Golke, Michael Dahms und Klaus-Dieter Schmidt trafen für St. Pauli zum noch benötigten Punkt. Das Abschlussspiel gegen Blau-Weiß 90 war sportlich unbedeutend, weil sich auch die Berliner vorzeitig den Aufstieg gesichert hatten. Ein Eigentor von Jens Beermann brachte die Gäste in Führung, doch Carsten Nemitz und der für ihn eingewechselte Thomas Oldenburg drehten das Spiel in einen 2:1-Sieg für die Kiezkicker.

In der Zweiten Liga setzte der Verein auf Halbprofitum mit einer Gehaltsobergrenze von 5000 D-Mark. Nicht genug, um den Abstieg zu vermeiden. Doch 1986 gelang erneut der Aufstieg, 1987 der Sprung in die Aufstiegsspiele zur Bundesliga und 1988 tatsächlich der Aufstieg ins Oberhaus. Inzwischen vor vollen Rängen am Millerntor, das damals rund 20.000 Zuschauer:innen fasste.

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In der Bundesliga lief für St. Pauli noch eine Handvoll Spieler auf, die den Aufstieg 1984 vor einer Minuskulisse feiern mussten: Torhüter Klaus Thomforde, Hansi Bargfrede, Jürgen Gronau, Michael Dahms und André Golke. Joachim Philipkowski (1. FC Nürnberg) und Stefan Studer (Frankfurt, Wattenscheid, Rostock) spielten für andere Vereine in der Bundesliga.

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