Nikola Vasiljs im November bevorstehendes Länderspiel mit Bosnien-Herzegowina in Russland sorgt für Wirbel.
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paidTestkick sorgt für Wirbel: St. Pauli-Profi wird zum Spielball der Politik

Es hätte alles so schön sein können. Am Mittwoch kehrte St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj von der Länderspielreise mit Bosnien und Herzegowina nach Hamburg zurück; wenige Tage zuvor hatte sich das Land den Aufstieg in der Nations League gesichert. Die Freude über den Erfolg verdrängt allerdings der Gedanke an das nächste Länderspiel.

Nicht etwa, weil die Spieler wie Jackson Irvine und Australien zur WM nach Katar fliegen. Nein, das Spiel findet einen Tag vor Turnierbeginn statt, am 19. November. In Russland, gegen Russland. Das hatte der bosnische Verband kürzlich verkündet. Und damit für Widerstand bei Fans und in der Mannschaft gesorgt.

Dzeko und Co. wehren sich gegen Bosnien-Spiel in Russland

„Ich bin dagegen, dieses Spiel auszutragen“, sagte Ex-ManCity-Star und Kapitän Edin Dzeko. „Ich habe die klare Position, dass ich nicht spiele, während unschuldige Menschen leiden.“ Natürlich bezog sich Dzeko auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Deswegen ist Russland von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen – Freundschaftsspiele wie zuletzt gegen Kirgistan aber darf die Mannschaft bestreiten.

Beim Kiezklub stößt der Gedanke, dass ein St. Pauli-Profi während des Kriegs in Russland antritt, auf Widerstand. „Es ist bereits absehbar, dass die geplante Begegnung von Russland gegen Bosnien und Herzegowina von der Propaganda des Kremls benutzt wird, um die internationalen Sanktionen sowie Ausschlüsse wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine zu durchbrechen. Die Spieler werden dadurch instrumentalisiert“, teilt der Verein auf MOPO-Anfrage mit. Russland sei wegen seines Angriffskriegs „vollkommen zurecht von Sportveranstaltungen ausgeschlossen“, zudem rate das Auswärtige Amt wegen der Sicherheitslage von Reisen in das Land ab.

Für St. Paulis Keeper Nikola Vasilj wäre eine Russland-Reise besonders brisant

Vasilj selbst äußert sich zu der Situation nicht. Für ihn wäre eine Partie in Russland aber besonders schwer erträglich, spielte er doch bis zu seinem Wechsel zu St. Pauli für Zorya Luhansk – also in einer der sogenannten Volksrepubliken, die Russland nach Scheinreferenden annektieren will.

Nicht zuletzt nach Dzekos Worten ist es aber ein offenes Geheimnis, dass die Spieler nicht antreten wollen. In Bosnien und Herzegowina ist all das längst ein Politikum. Kürzlich bezog gar Milorad Dodik Stellung, bosnischer Serbenführer, einer von drei Präsidenten in dem Land, Kreml-Freund. Und obendrein Onkel des Präsidenten vom bosnischen Fußballverband, Vico Zeljković, der sich für die Austragung stark macht. „Es ist möglich, dass es einen Boykott von Spielern gibt“, sagte sein Onkel Dodik. Falls dem so sei, werde eine neue Mannschaft gebildet. Er befand auch, Russland sei zu Unrecht aus allen Wettbewerben ausgeschlossen.

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Bei St. Pauli sieht man das anders, ist aber der Abstellpflicht für Nationalspieler ausgesetzt. Und betont trotzdem: „Der FC St. Pauli wird – sollte die Partie tatsächlich stattfinden – keinen Spieler dafür abstellen und appelliert an DFB und UEFA, sich gegen die Austragung einzusetzen.“ 

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