St. Paulis Spieler jubeln vor der Fankurve

Der Jubel war – zurecht – groß bei St. Pauli nach dem Derbysieg. Foto: WITTERS

Kommentar: St. Pauli nahe am Optimum – so einen Derby-Sieg gab es noch nicht

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Das Gefühl eines Derby-Sieges ist kein neues mehr auf dem Kiez, den gemeinsamen Zweitliga-Jahren mit dem HSV sei Dank. Und doch war der 2:0-Erfolg am Freitagabend im Volkspark aus einer anderen Kategorie, aus dem nächsthöheren Regal.

Viele der Dinge, die in diesem Spiel zu sehen waren, hatten sich durch Eindrücke in der Vorbereitung angedeutet. Das ist bekanntermaßen in der Regel nur überschaubar viel wert, weil Pflichtspiele ein ganz anderer Schnack sind als Testbegegnungen, mögen sie auch noch so positiv gestaltet worden sein. St. Pauli aber hat es geschafft, alles in die Saison zu transportieren. Das war – so aberwitzig es klingen mag – bereits beim Zitter-Pokalsieg gegen Norderstedt erkennbar, wurde beim 3:3 gegen Borussia Dortmund aufs nächste Level gehoben und am Freitag zwischenzeitlich gekrönt.

St. Pauli war fußballerisch turmhoch überlegen

Braun-Weiß war, und das dürfte in all den 112 Duellen der beiden Hamburger Vereine erstmals überhaupt der Fall gewesen sein, fußballerisch turmhoch überlegen. Fußte das Gros der bisherigen Derby-Siege noch auf Kampf, Leidenschaft, Einsatz, also all den Basis-Tugenden, die auf St. Pauli unabdingbar sind, so kam diesmal für alle Welt ersichtlich die spielerische Komponente dazu. Es hat Spaß gemacht, den Schützlingen von Alexander Blessin beim Kicken zuzuschauen, weil Abläufe und Spielidee erkennbar sind, weil sich die Mannschaft als eine eben solche präsentiert.

Großartige Arbeit von Blessin und Bornemann

Und nein, dass dem so ist, ist mitnichten selbstverständlich. Wie schon gegen den BVB standen fünf Neuzugänge in der Startformation, ein sechster, erst am Vortag verpflichtet, wurde noch eingewechselt. Wenn man das nicht wüsste, es würde niemandem auffallen – vieles wirkt schon so eingespielt. Und es zeigt neben dem Fakt, dass es Blessin und seinem Trainerteam gelungen ist, die durch die vielen Abgänge durchaus gefährdete interne Hierarchie ad hoc wieder zu stabilisieren: Sportchef Andreas Bornemann hat in der aktuellen Transferphase vermutlich sein Meisterstück gemacht.

Funktionieren zusammen prächtig: St. Paulis Coach Alex Blessin (l.) und Sportchef Andreas Bornemann imago/Claus Bergmann
Alex Blessin und Andreas Bornemann vorm Derby beim HSV
Funktionieren zusammen prächtig: St. Paulis Coach Alex Blessin (l.) und Sportchef Andreas Bornemann

Zusammen mit der Scouting-Abteilung, vor der man ebenfalls nur den Hut ziehen kann, hat er es geschafft, mit einer Mischung aus (bisher) vergleichsweise Namenlosen, jungen Talenten sowie einem letztjährigen Dritt- und einem Zweitligaspieler den Kader nach den Vorlieben von Blessin zu verstärken und ganz nebenbei die im Vorjahr erkennbaren Defizite vergessen zu machen. Und das auf einem Markt, der inzwischen völlig durchdreht und Summen ausruft, dass einem schwindlig wird.

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Trotz aller angebrachten Lobeshymnen und eines Saisonstarts nahe dem Optimum gibt es grundsätzlich natürlich trotzdem keinen Grund zum Abheben. Mit vier Punkten hat noch niemand die Liga gehalten, Rückschläge werden kommen, möglicherweise schon im nächsten Heimspiel gegen den FC Augsburg. Trotzdem dürfen ganz St. Pauli und alle, die es mit dem Verein halten, für ein paar Tage mal bannig stolz sein. Denn der Abend des 29. August 2025 wird für immer ein besonderer bleiben in der Historie der Hamburger Derbys.

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