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David Otto im Zweikampf mit dem Darmstädter Christoph Zimmermann
  • David Otto im Zweikampf mit dem Darmstädter Christoph Zimmermann
  • Foto: imago/Nordphoto

Einsatz, Wucht, Niveau – aber kein Sieg für St. Pauli gegen Darmstadt

Der FC St. Pauli bleibt am Millerntor ungeschlagen, der ganz große Wurf gelang gegen Spitzenreiter Darmstadt 98 allerdings nicht. Trotzdem waren die 93 Minuten beim 1:1 (0:0) erstklassige Zweitliga-Unterhaltung auf ganz hohem Niveau. „Ich glaube, alle Zuschauer, ob im Stadion oder am Fernseher, haben ein tolles Spiel gesehen von zwei offensiven Mannschaften mit ganz viel Wucht, ganz viel körperlichem Einsatz”, sagte Kiezklub-Coach Timo Schultz. „Mir hat es Spaß gemacht, zuzugucken. Ich hätte nur gern gewonnen.”

Was unterm Strich möglich gewesen wäre, doch der Reihe nach. Das erste Überraschungsmoment war auf Seiten der Gäste. Dass Ex-HSV-Innenverteidiger Patric Pfeiffer beim Darmstädter Anstoß ob seiner 1,96 Meter mit nach vorne rannte – okay. Aber der lange Schlaks machte danach keine Anstalten, den Rückwärtsgang einzulegen. „Da haben wir uns schon komisch angeguckt”, gab Kapitän Leart Paqarada zu. Pfeiffers Sturm-Intermezzo dauerte fünf Minuten und blieb ohne Effekt, kurz darauf aber brannte es erstmals lichterloh im Kiezklub-Strafraum. Betim Fazlijis Versuch, einen schnell ausgeführten Kempe-Freistoß per Kopf zu klären, landete via Bogenlampe am Querbalken (8.).

Zweite Liga: St. Pauli ringt Darmstadt am Millerntor ein 1:1 ab

Aber auch St. Pauli war drin in einem vom Anpfiff weg schwer intensiven Spiel, kombinierte sich häufig über die Außen nach vorne und hatte durch Lukas Daschner die Riesenchance zur Führung, der eine Hereingabe von Marcel Hartel freistehend aber nicht verwerten konnte (15.). Und auch das nächste dicke Ding gehörte den Hausherren: Afeez Aremus 20–MeterHammer konnte Keeper Schuhen nur mit Mühe parieren und nach vorne abklatschen, den Nachschuss versemmelte Hartel (21.).

Die Lilien wiederum, bereits mit acht Saisontreffern nach ruhenden Bällen, wurden ob ihrer physischen Überlegenheit vor allem bei Eckbällen immer wieder brandgefährlich, ohne allerdings zu Abschlüssen zu kommen. Insgesamt begegnete St. Pauli dem Tabellenführer auf Augenhöhe, blieb nicht frei von Fehlern, aber es fanden sich immer Kollegen, die zum Ausbügeln bereit waren.

Irvine, Paqarada, Amenyido – kurz vor der Pause hat St. Pauli drei gute Chancen

Und je näher es der Pause ging, desto zwingender wurden die Hausherren – aber es war das altbekannte Lied der ausbleibenden Belohnung: Jackson Irvine scheiterte nach klasse Pass von Etienne Amenyido freistehend an Schuhen (39.), der auch Leart Paqaradas Versuch aus spitzem Winkel parierte (42.). Und dann hatte Amenyido Pech, dass Pfeiffer seinen Abschluss nach tollem Solo noch am Pfosten vorbei ins Toraus grätschte (43.), um eine Minute später eine Maßflanke von Manolis Saliakas freistehend nicht versenken zu können. „Wir haben in der ersten Halbzeit viel liegen gelassen”, kritisierte Schultz.

Und so stellte sich bei Wiederbeginn die Frage: Rächt sich der Chancenwucher? Oder trägt der ganze Aufwand endlich mal Früchte? Es sah zunächst nach Ersterem aus. Darmstadt kam offensiv aus der Kabine, kam zu vielen Standards. Eine davon bugsierte Zimmermann per Kopf an Nikola Vasilj vorbei gen Tor, doch Paqarada klärte in höchster Not auf der Linie (50.). Kurz danach musste Vasilj gegen Manu klären (53.), aber dann hatte Amenyido die große Chance auf eine Antwort, die so wichtig gewesen wäre. Wieder flankte Saliakas maßgenau, Amenyido kam aus fünf Metern blank zum Kopfball – und schädelte Schuhen die Kugel genau in die Arme (58.). „Ich muss den besser setzen”, wusste Amenyido, „aber ich bin halt kein Kopfball-Monster”.

Ronstadt bringt Darmstadt in Führung – Daschner gleicht für St. Pauli aus

Und diesmal folgte die Strafe stante pede. Daschner verlor den Ball am gegnerischen Strafraum, Darmstadt schaltete blitzschnell um, plötzlich hatte Ronstadt auf links viel Platz, ließ noch Irvine und Saliakas aussteigen und zirkelte die Murmel sehenswert zum 0:1 ins lange Eck (60.).

Was nun, St. Pauli? Schultz reagierte mit einem Dreifach-Wechsel – und der machte sich sofort bezahlt: Der eben eingewechselte Johannes Eggestein brachte den Ball flach in die Mitte, wo der ebenfalls eingewechselte Connor Metcalfe klasse ablegte, Daschner vollendete wuchtig zum Ausgleich (69.).

Alles wieder auf Anfang. Aber mit dem einen Punkt gaben sich beide Teams nicht zufrieden, vor allem St. Pauli wollte – angetrieben von den frenetischen Fans – mehr. Und es gab sie noch, die große Chance auf den Dreier: Im Anschluss an einen Eckball flog der Ball in Richtung zweiter Pfosten, wo Daschner blitzblank stand, das Runde aber nicht ins, sondern ans Eckige köpfte (Pfosten, 85.).

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„Wir haben ein richtig gutes Spiel angeliefert gegen einen Gegner mit hoher Qualität”, analysierte Amenyido später. „Den über die meiste Spielzeit so zu dominieren, sich so viele Chancen herauszuspielen – da können wir schon stolz sein.” Einzig der Ertrag nervte mal wieder. „Wenn wir solche Spiele gewinnen wollen, dann reicht es nicht”, befand Schultz in Bezug auf die Chancenverwertung, wobei er seinen Jungs „überhaupt keinen Vorwurf” machen wollte: „Mich ärgert es einfach nur, dass wir uns dafür nicht belohnen.”

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