Kyereh (l.), Irvine (m.) und BUrgstaller (r.) jubeln
Kyereh (l.), Irvine (m.) und BUrgstaller (r.) jubeln
  • Die Spieler des FC St. Pauli hatten zuletzt gut lachen.
  • Foto: imago/Nordphoto

„Spitzenmannschaft“ geht St. Pauli zu weit – aber wer ist besser?

Das Etikett des Jahresbesten werden sie so schnell nicht los, die Kiezkicker. Selbst schuld. Mit dem überzeugenden Sieg beim Karlsruher SC haben die seit Januar erfolgreichsten Punkte-Sammler der Liga die in dieser Langzeitwertung zweitplatzierten Badener auf sieben Punkte distanziert. Das Label „Spitzenmannschaft“ will man beim FC St. Pauli weiterhin nicht führen. Warum eigentlich?

Es spricht für den enormen Ehrgeiz von Trainer Timo Schultz und die totale Überzeugung, dass in seiner Mannschaft noch viel mehr steckt, dass er nach dem 3:1 im hitzig-heißen Wildpark nicht Loblieder sang, sondern sich mit klaren Worten den Defiziten und Verbesserungspotenziale widmete.

Eichner lobt St. Pauli – Bornemann hält sich zurück

Schon kurios, dass es der Trainer des Gegners war, der die Hymnen auf die Braun-Weißen sang. Längst nicht zum ersten Mal. „Fußballerische Reife, enorme Qualität und Raffinesse“, habe St. Pauli gezeigt, urteilte KSC-Coach Christian Eichner. Da sei „eine Mannschaft auf dem Platz, die alles hat, um bis zum Schluss ganz oben dabei zu sein“. Für ihn steht fest: St. Pauli ist ein „Hochkaräter“.

Ein Spitzenteam. So wird St. Pauli  von der Konkurrenz gesehen. Das Selbstbild ist nach wie vor ein anderes, zumindest nach außen. „Überzeugend und absolut verdient“ sei der Sieg gewesen, sagt St. Pauli-Sportchef Andreas Bornemann zur MOPO. Aber: „Es ginge mir zu weit, aus diesem Auftritt abzuleiten, dass wir eine Spitzenmannschaft sind, die bis zum Ende oben mitspielt.“ Es bringe nichts, sich selbst als Spitzenteam zu bezeichnen. „Dadurch bekommt man keine Punkte.“ Apropos.

Nach 16 Punkten aus acht Spielen mit 16:8 Toren steht der Kiezklub auf  Tabellenrang zwei, ein Spitzenplatz, den die „Boys in Brown“ verdient haben. Und überhaupt: Wer ist bislang besser als St. Pauli? 

Jahn Regensburg ganz oben – FC St. Pauli lauert

Regensburg? Tabellenführer mit 17 Punkten. Allerdings haben die Kiezkicker den Jahn erst kürzlich überzeugend mit 2:0 besiegt. Bei der 1:3-Niederlage in Paderborn wiederum spielten die Hamburger 80 Minuten in Unterzahl und waren dennoch auf Augenhöhe.

„Man kann aus einzelnen Spielen kaum generelle Rückschlüsse ziehen“, sagt Bornemann zu den Kräfteverhältnissen. „Diese Liga gibt noch kein klares Bild ab.“ Einige Mannschaften seien noch nicht richtig eingespielt, zudem habe St. Pauli „gegen einige der großen Namen noch gar nicht gespielt.“ Ohnehin seien „Quervergleiche schwierig.“ Stimmt. 

Schulz will mehr – Spieler bleiben bescheiden

Zutreffend ist aber auch, dass im ersten Saisonviertel noch keine Mannschaft fußballerisch mehr gezeigt oder überzeugt hat als St. Pauli. Das letzte große Aber, die maue Auswärtsbilanz, wurde im Wildpark weggefegt, und Schultz gab die Parole aus: „Wir können noch besser.“

Aus der Mannschaft sind zunehmend ambitionierte Töne zu hören.  Für den Sportchef kein Problem. „Es ist völlig okay, wenn die Spieler ehrgeizig sind, sich und der Mannschaft viel zutrauen, etwas erreichen wollen und das auch mal aussprechen“, so Bornemann. Das Team gehe „cool“ mit dem Sieg in Karlsruhe um. „Bei uns hebt keiner ab.“

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Der Spitzenplatz soll verteidigt werden. „Natürlich wollen wir oben dabei bleiben“, stellt Bornemann klar. Das sei auch möglich. „Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben“ – zu einer besseren soll St. Pauli selbst werden. Das ist Schultz’ oberstes Ziel.

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