Auf der Mitgliederversammlung des FC St. Pauli wurden viele Themen besprochen
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Dauerkarten, DFL: Überraschungen bei Anträgen auf St. Paulis Mitgliederversammlung

Nicht nur im DFB-Pokal gibt es Verlängerung, auch auf Mitgliederversammlungen. Die diesjährige Ausgabe des FC St. Pauli dauerte bis in den nächsten Tag hinein. Erst um 0.28 Uhr wurde die Veranstaltung im CCH offiziell für beendet erklärt. Und erst gegen Mitternacht war überhaupt über die Anträge aus den Reihen der Mitglieder abgestimmt worden – mit überraschenden Wendungen.

Um 23.44 Uhr wurde der erste Antrag gestellt. Gefordert wurde die Rücknahme der vom Verein geplanten Abschaffung der Warteliste für Dauerkarten und im Gegenzug ein Modell der Modifizierung vorgeschlagen, die einen Übergangsprozess über zehn Jahre vorsieht, bei der auch die Warteliste weiterhin berücksichtigt wird, aber in einem jährlich rückgängigen Prozentsatz. 

Nachdem sich die Ticketchefin des Kiezklubs bei ihrer Wortmeldung klar gegen diesen Antrag aussprach, weil dieser neue Probleme mit sich bringen würde, aber schon längst an sinnvollen Lösungen gearbeitet werde, wurde der Antrag auch bei der Abstimmung von einer klaren Mehrheit der Mitglieder (91,2 Prozent) abgelehnt.

St. Pauli beschließt Antrag gegen Antisemitismus

Erwartungsgemäß eindeutig und ohne jede Diskussion fiel auch das Ergebnis beim zweiten Antrag aus, bei dem es darum ging, dass sich der Verein zur Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) bekennen soll. Im verlesenen Antrag hieß es: „‘Nie wieder‘ ist Handlungsmaxime für den FC St. Pauli. Antisemitische Positionen haben keinen Platz“ im Verein. Klare Zustimmung von 97,5 Prozent.

Kontrovers wurde es um kurz nach Mitternacht beim Antrag zur Nutzung der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) durch den Kiezklub. Ursprünglich hatte der Antragsteller gefordert, der Verein solle „die Aktivitäten auf X unter Berücksichtigung möglicher vertraglicher Verpflichtungen mit Sponsoringpartner:innen zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens aber zum 31.12.2023 einstellen.“ Grund: die Verbreitung von Hass und Hetze sowie wiederholt fragwürdige Äußerungen und Verschwörungstheorien von X-Besitzer Elon Musk.

Antrag gegen Musk-Plattform kurzfristig geändert

Überraschend verkündete der Antragsteller auf dem Podium, seinen Antrag zurückgezogen zu haben und nun – gemeinsam mit St. Paulis Kommunikations-Chef Patrick Gensing, der an seiner Seite war – einen im Vorfeld ausgearbeiteten Änderungsantrag zur Abstimmung zu bringen.

Gensing betonte die Wichtigkeit von X als Kanal für den Verein. „Es gibt keine annähernd gleichwertige Reichweite und Funktionalität wie bei X“. Zudem gebe es vertragliche Verpflichtungen mit Sponsoren und Partnern für die Nutzung des Kanals zu werblichen Zwecken mit einem Gesamtvolumen von über 100.000 Euro.“ 

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Im vorgelegten gemeinsam formulierten Änderungsantrag heißt es, der FC St. Pauli teile die Kritik an Elon Musk und verpflichtet sich, die Aktivitäten auf der Plattform X für die Vereinskommunikation und partnerschaftliche Verpflichtungen deutlich zu verringern und Alternativen zu stärken – insbesondere Blue Sky.“

Das überzeugte mehrere Mitglieder nicht, die ihre Kritik äußerten, den Antrag unter anderem zu unverbindlich fanden. Die Mehrheit (79,7 Prozent) votierte jedoch dafür. Zu diesem Zeitpunkt waren übrigens nur noch die Hälfte der anfangs rund 750 stimmberechtigten Mitglieder vor Ort.

Überraschung: Dringlichkeitsantrag gegen DFL-Investor

Der letzte Antrag des Tages war insofern eine Überraschung, als dass er im Vorfeld der MV nicht fristgerecht, sondern kurzfristig eingereicht worden und deshalb als sogenannter Dringlichkeitsantrag behandelt wurde. Die Antragstellerin forderte aus aktuellem Anlass die Mitgliederversammlung auf, die im zweiten Anlauf geplante Beteiligung eines Investors an der DFL abzulehnen. 

Oke Göttlich wurde aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Als Mitglied des DFL-Präsidiums und damit verantwortlich für alle 36 Profivereine werde er „diesen Prozess grundsätzlich befürworten“, sagte er zum zweiten Anlauf der Investoren-Suche. Aber als Präsident des FC St. Pauli werde er sich verhalten, „wie es sich gehört.“ 

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Zunächst wurde per Mitglieder-Votum die Dringlichkeit bestätigt und der Antrag zugelassen. Im zweiten Schritt stimmte die Mitgliederversammlung mit 93,7 Ja-Stimmen für den Antrag.

Dass es bei dieser MV nicht mehr Wortbeiträge und Diskussionen bei den Anträgen gab, dürfte auch an der fortgeschrittenen Uhrzeit gelegen haben – und dem mehrheitlichen Wunsch, noch die letzten S-Bahnen am Dammtor zu bekommen.

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