St. Pauli-Gästeblock im Volkspark

Auf dem Feld brannte es im Derby sportlich, im Gästeblock der St. Pauli-Fans pyrotechnisch. Foto: WITTERS

„Auf Wiedersehen!” So feiern St. Paulis Fans den Derbysieg im Volkspark

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Ein 2:0-Sieg beim Lokalrivalen HSV, der die eigenen Lieblinge zumindest für kurze Zeit an die Bundesliga-Spitze befördert – St. Paulis Fans konnten den Derbyabend in vollen Zügen genießen.

Um 19.38 Uhr, 52 Minuten vor dem Anpfiff, waren sie zum ersten Mal gefordert, als ein kleines Häuflein St. Pauli-Spieler den Volkspark-Rasen betrat und vom Heimpublikum mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt wurde. Es dauerte einige Sekunden, dann erschallten lautstarke „St. Pauli”-Rufe aus dem Gästeblock – ein Szenario, das sich elf Minuten später wiederholte, als die restlichen Kiezkicker aufs Feld kamen.

St. Paulis Fans konnten nur ein Transparent beim HSV aufhängen

St. Paulis Fans hatten nur eine Möglichkeit, ein Transparent aufzuhängen – sie entschieden sich für den Schriftzug „St. Pauli ist die einzige Möglichkeit”, der dann auch die ganze Breite des Gästeblocks einnahm. Dazu rollten sie eine Blockfahne aus, die eher einem Block-Comic mit verschiedenen Motiven – darunter natürlich ein Pirat beim Entern – entsprach.

„St. Pauli ist die einzige Möglichkeit“, steht auf dem Banner der Gästefans im Volksparkstadion. WITTERS
„St. Pauli ist die einzige Möglichkeit“, steht auf dem Banner der Gästefans im Volksparkstadion.
„St. Pauli ist die einzige Möglichkeit“, steht auf dem Banner der Gästefans im Volksparkstadion.

Dass ihre Nummer zehn Danel Sinani dann der erste Kicker seit sieben Jahren war, der im Volkspark einen Erstliga-Ball berührte, konnte als symbolischer Anstoß-Erfolg gelten. Die folgenden Minuten boten dann gleich allerhand Grund zur Freude: Als der überaus starke Sinani eine Ecke kurz auf Mathias Pereira Lage spielte und dessen Hereingabe von Adam Dzwigala (19.) zum 1:0 verwertet wurde, zündeten die braun-weißen Anhänger:innen das erste Feuerwerk.

Ausgerechnet Dzwigala, in der Vorwoche gegen Dortmund noch mit einigen Schwächen aufgefallen, hatte das erste Erstliga-Tor im Volkspark seit 2018 erzielt. Dass Andreas Hountondji für seinen gewonnenen Zweikampf gegen Jordan Torunarigha (25.) ein Foul gegen sich gepfiffen bekam, trübte die Stimmung kaum, obwohl St. Pauli durch diese Entscheidung das fast sichere 2:0 genommen wurde. Dass der HSV nach der 46-minütigen Lehrstunde vor der Pause nicht gewillt war, sich einfach mit einer Heimniederlage abzufinden, schon eher.

Nach der Pause muss St. Pauli zittern

Um 21.35 Uhr wurde es still im Gästeblock, als Ransford Königsdörffer (48.) den vermeintlichen Ausgleich erzielt hatte. Zwei Minuten Bangen, bis Schiedsrichter Christian Dingert nach Beratung mit dem VAR den Treffer zurücknahm – Hauke Wahls persönliche Abseitsfalle an der Mittellinie gegen Königsdörffer hatte sich eher um Millimeter als um Zentimeter bewährt. Aber was wäre ein Derbysieg auch ohne das Zittern darum?

Die Choreo der St. Pauli-Fans vor Anpfiff WITTERS
Die Choreo der St. Pauli-Fans vor Anpfiff
Die Choreo der St. Pauli-Fans vor Anpfiff

Als der HSV zu zwei gefährlichen Freistößen kam und kurz darauf der erfahrene Yussuf Poulsen und der quirlige Jean-Luc Dompé als HSV-Joker aufs Feld kamen, wuchsen die Sorgenfalten – doch St. Pauli gab auf dem Platz genau die richtige Antwort, als Hountondji nach Traumpass von Joel Fujita das 2:0 (60.) erzielte. Die kurzzeitig einsetzenden „Scheiß St. Pauli”-Rufe von der Nordtribüne konnten die Feierlichkeiten unterhalb des braun-weiß-roten Fahnenmeers nicht mehr beeinträchtigen. Die Schlussviertelstunde verbrachte der Anhang unter anderem mit dem Gesang „Wir sind, oho: Sankt Pauli” – eine akustische Visitenkarte, derer es angesichts des am Ende souverän herausgespielten Auswärtssiegs seiner Mannschaft gar nicht mehr bedurft hätte.

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Insgesamt arbeiteten sich beide Fan-Lager zumeist mit respektvollen Frotzeleien aneinander ab, einzig von HSV-Fans entwendete und im eigenen Block zur Schau gestellte St. Pauli-Utensilien dürften für Verstimmung sorgen. Die grundsätzlich eher harmonische Stimmung ist unabhängig vom Ausgang des Spiels ein Erfolg für beide Vereine: Vor dem Spiel und im Stadion blieb es friedlich – das macht Lust auf mehr Derbys. Das nächste dann – wenn kein DFB-Pokal-Los dazwischen kommt – am Millerntor. „Auf Wiedersehen”, stimmten einige St. Pauli-Fans bereits an.

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