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Esther Sedlaczek bei der ARD
  • Ist schon seit vielen Jahren als Sportmoderatorin im TV zu sehen: Esther Sedlaczek
  • Foto: imago/Laci Perenyi

Frauen trotzen bei Männer-EM Hass und Hetze: „Warum nicht weibliche Expertise?“

Esther Sedlaczek stellte Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem tränenreichen EM-Aus die ersten Fragen, Friederike Kromp analysierte den wohl letzten EURO-Auftritt von Cristiano Ronaldo – und Christina Graf berichtet am Mittwoch für ein Millionenpublikum vom Halbfinale zwischen England und den Niederlanden: Ob als Moderatorin, Expertin oder Kommentatorin – Frauen brechen bei der Männer-EM langjährige Stereotype auf.

„Es gab jahrzehntelang das Vorurteil, dass Frauen nicht über Sport und nicht über Männersport urteilen sollten. Das ist jetzt so langsam mal widerlegt”, sagte Almuth Schult, Welttorhüterin von 2014, der Sport Bild. Die 33-Jährige ist bei der EM als TV-Expertin sowie Co-Kommentatorin für die ARD im Einsatz und gehört seit 2021 zum Sportschau-Team, das in den letzten Jahren immer weiblicher geworden ist.

Balkausky: „Warum nicht auf weibliche Expertise setzen?“

Sedlaczek (38) bildet seit 2021 ein eingespieltes Team mit Weltmeister Bastian Schweinsteiger, Graf (38) zählte schon bei der WM 2022 in Katar zum Kommentatoren-Team und darf sich am Mittwoch (21.00 Uhr) beim Halbfinal-Kracher zwischen den Three Lions und der Elftal auf einer großen Bühne beweisen. „Warum sollte man nicht auch auf weibliche Expertise setzen?“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

Polus: „Erfreulicherweise selbstverständlich“

Denn Expertinnen wie Schult, „die sich in ihrer Sportart so gut auskennen und ihre eigenen Erfahrungen mitbringen, können Spieltaktiken, Aufstellungen, Spielertypen oder Spielzüge beim Fußball genauso analysieren wie ihre männlichen Kollegen”, betonte Balkausky. Eine derartige Entwicklung ist auch beim ZDF zu erkennen.

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Es sei „erfreulicherweise selbstverständlich geworden, dass die kompetente journalistische Begleitung des Profi-Fußballs keine Frage des Geschlechts ist”, sagte ZDF-Sportleiter Yorck Polus dem SID. Seit mehr als 15 Jahren ist Kathrin Müller-Hohenstein (58) ein Sport-Gesicht des Senders, Claudia Neumann (60) sitzt seit der EM 2016 bei großen Turnieren für das ZDF am Mikrofon. Bei der Heim-EM setzte der Sender mit Eintracht Frankfurts Nachwuchstrainerin „Fritzy” Kromp, Nationalspielerin Laura Freigang und Kathrin Lehmann zudem drei verschiedene Expertinnen im Studio ein.

Besonders ZDF-Kommentatorin Neumann wird angefeindet

Doch Hass und Hetze gegen die Journalistinnen bleiben in der „Männer-Domäne” weiter nicht aus. Vor allem Neumann wird immer wieder Zielscheibe von Anfeindungen in den Sozialen Medien. „Den Austausch mit Menschen, die sich im Fußball bewegen, finde ich total spannend. Aber er muss ein gewisses Niveau und einen gewissen Anstand haben”, sagt Neumann: „Und wenn das nicht funktioniert, muss ich mich selbst schützen.”

So verfährt auch Schult, die in den Sozialen Medien wie Neumann gar nicht erst aktiv ist. „Deswegen ist es mir relativ egal”, sagte die langjährige Nationaltorhüterin, die für ihre Auftritte als Expertin auch viel Lob erntet – und sich insgesamt über den wachsenden weiblichen Einfluss im Männer-Fußball freut.

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„Es hat sich viel verändert, jetzt ist es mehr Normalität, dass Frauen dabei sind. Das ist schön, weil wir immer in der Gesellschaft von verschiedenen Blickwinkeln reden”, sagte die dreifache Mutter, die zuletzt für den Zweitligisten Hamburger SV spielte. Und wie sieht es mit männlichen Experten im Frauenfußball aus? „Da würde ich mich freuen”, sagte Schult, „wenn sich das noch mehr männliche Kollegen zutrauen und sich dafür interessieren.” (sid/bv)

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