Marcell Jansen ist seit knapp zehn Monaten Aufsichtsratschef des HSV, zudem Präsident des Vereins.
  • Marcell Jansen ist seit knapp zehn Monaten Aufsichtsratschef des HSV, zudem Präsident des Vereins.
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Boss Marcell Jansen erklärt: Mehr Macht? Das plant Kühne mit dem HSV!

Er zählt zu den wichtigsten Entscheidern des HSV. Ex-Profi Marcell Jansen ist Vereins-Präsident und AG-Aufsichtsratschef. Der 35-Jährige kann ein Lied von den Turbulenzen singen, denen der Verein immer mal wieder ausgesetzt ist. Das dürfte auch in den kommenden Monaten der Fall sein. Dem HSV drohen wegweisende Zerreißproben. Und Jansen ist mittendrin.

Wer rastet, der rostet. Ein Motto, das sich Jansen zu eigen gemacht hat. Zum Wochenstart düste er mal wieder die knapp 440 Kilometer von Mönchengladbach nach Hamburg zurück, nachdem er zuvor seinen Eltern unter die Arme griff, soviel Zeit muss sein. Nun ist Jansen wieder beim HSV gefordert. An allen Ecken und Enden.

HSV-Aufsichtsrats-Chef Marcell Jansen: Das plant Klaus-Michael Kühne

Knapp zehn Monate ist es her, dass er das Amt des Aufsichtsrats-Vorsitzenden übernahm. Nach dem Rauswurf von Vorstandsboss Bernd Hoffmann waren dessen Gefolgsleute Max-Arnold Köttgen und Thomas Schulz aus dem Gremium zurückgetreten, Jansen wurde zum starken Mann.

„Die Monate seitdem waren geprägt von guter, vertraulicher Zusammenarbeit im Aufsichtsrat“, sagt er rückblickend. Nun werden zwei neue Aufsichtsräte gesucht. Das wirbelt einigen Staub auf.

Worum geht es? Sechs Kandidaten hatte das HSV-Präsidium um Jansen, Schulz und Moritz Schaefer dem HSV-Beirat vorgeschlagen. Nur zwei von ihnen wurden als uneingeschränkt geeignet eingestuft – und müssen nun vom Präsidium per einfacher Mehrheit zur AG-Hauptversammlung (soll im Februar stattfinden) vorgeschlagen werden.

Klaus-Michael Kühne

Klaus-Michael Kühne besitzt 20,44 Prozent der Anteile an der HSV AG.

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Kathrin Menges (56), die aktuell auch im Adidas-Aufsichtsrat sitzt, und der Ex-Bundespräsident der Banken, Hans-Walter Peters (65), den Jansen selbst vorgeschlagen haben soll. Insbesondere sein Name sorgte jedoch schnell für negative Schlagzeilen. Ein Intimus von HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne sei er, berichtete die „Bild“. Der Verdacht: Kühne, der mit Markus Frömming bereits einen Vertrauensmann im Rat sitzen hat, wolle seine Machtposition weiter stärken.

Jansen spricht von „Fake News“ bezüglich der Kandidaten

Die MOPO konfrontierte Jansen mit diesen Vorwürfen. Der stellt klar: „Wir sollten uns an Fakten und nicht an Fake News orientieren, denn die sind bekanntermaßen sehr schädlich. Solche Meinungsmache und Spekulationen sind grenzwertig.“

Dennoch steht die Frage im Raum: Will Kühne seine Macht ausbauen? Jansen, der regelmäßig im Austausch mit dem 83-Jährigen steht („Mein Verhältnis zu sämtlichen Gesellschaftern ist gut, das gilt auch für Herrn Kühne“), bestreitet, dass der impulsive Mäzen mehr Kontrolle erlangen wolle.

Im Gegenteil: „Fakt ist, dass Herr Kühne den HSV auf stabilen, breiten Schultern aufgestellt sehen möchte und dafür bereit ist, seine Anteile zu reduzieren.“ Wenn sich ein anderer, potenter Käufer finden lassen sollte. Momentan besitzt Kühne 20,44 Prozent der HSV-Anteile.

Das Verhältnis zwischen Jansen und HSV-Vize Schulz ist belastet

So weit, so gut. Deutlich belastender für den HSV ist hingegen das als äußerst problematisch eingestufte Verhältnis zwischen Jansen und seinem Präsidiums-Vize Schulz. Das dürfte gerade im Zuge der nun anstehenden Aufsichtsrats-Nominierungen für erheblichen Wirbel sorgen. Hier Jansen, dort Schulz. Und irgendwo in der Mitte Schatzmeister Schaefer. Da sind Mehrheiten eng.

Das HSV-Präsidium

Im HSV-Präsidium brodelt es zwischen Marcell Jansen und Vize Thomas Schulz (r.). Schatzmeister Moritz Schaefer (Mitte) steht zwischen den Stühlen.

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Als unüberbrückbar gelten die Differenzen zwischen Jansen und Schulz vor allem seit dessen Rückzug aus dem Aufsichtsrat. „Der spontane Rücktritt war ein harter Schlag für mich“, gibt Jansen auf Nachfrage zu. „Auch, weil ich mich persönlich dafür eingesetzt hatte, den HSV e.V. und damit die Mitglieder und ihre Interessen stark im Rat vertreten zu haben. Dann so ein personenbezogener Austritt aus dem Aufsichtsrat und damit auch aus dem Finanzausschuss, ohne Rücksicht auf die Verantwortung für die Mitgliedschaft, in der schwierigsten Zeit der Vereinsgeschichte – das kann ich bis heute nicht verstehen. Für mich ist es inakzeptabel.“

HSV-Ehrenrat soll sich mit Schulz befassen

Aussagen, die durchaus für Sprengstoff sorgen sollten, wenn sich das Präsidium heute zur Abstimmung weiterer Termine zusammenfindet. Schulz wollte sich auf MOPO-Nachfrage nicht zu Jansens Vorwürfen äußern. Festzuhalten bleibt: Mit seinem Rückzug aus dem Rat positionierte sich der 58-Jährige klar in Richtung des scheidenden Hoffmann und gegen den Verein. Nach MOPO-Informationen soll sich auch der Ehrenrat des HSV seit geraumer Zeit mit der Frage befassen, ob Schulz dem Klub, dem er eigentlich dienen soll, mit seinem Rücktritt mitten in der Corona-Zeit nicht sogar das Leben erschwert habe.

Das Verhältnis der Präsidiums-Bosse bleibt ein heikles Thema innerhalb des Vereins. Ebenso die viel diskutierte Variante einer Kapitalzuführung. Nur 24,9 Prozent der HSV-Aktien dürfen momentan veräußert werden. Die Aufstockung auf 33,3 Prozent galt schon länger als Denkmodell, um den Verein wieder flüssiger zu machen. Diskutiert wird auch die Umwandlung von einer AG in die für Fußballvereine sinnvollere Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Der Vorteil: Die Klubs können so mehr als die vom Ligaverband DFL festgeschriebenen Anteile (50+1) verkaufen, würden aber die Kontrolle über ihren Verein nicht verlieren.

So denkt Jansen über eine neue Rechtsform für den HSV

„Fakt ist, dass wir eine inhaltlich starke Diskussion mit der Mitgliedschaft über die Rechtsform führen sollten“, meint auch Jansen. Diese müsse aber „gründlich vorbereitet werden und transparent sein“. Zugleich wehrt sich der Ex-Nationalspieler gegen den Verdacht, zwingend weitere Anteile veräußern zu wollen. „Es geht in erster Linie nicht um potenzielle Kapitalzuführung, wie immer populistisch angeführt wird“, sagt er. „Der HSV ist kein reines Produkt Fußball. Wir müssen unsere Werte und Fan-Kultur schützen. Wie wir das sicherstellen wollen und können, das muss die Diskussion mit den Mitgliedern ergeben.“

Jansen wirbt um Vertrauen. Aus gutem Grund. Drei Viertel der HSV-Mitglieder müssten im Rahmen ihrer Versammlung einer Umstrukturierung zustimmen. Eine hohe Hürde, für die eine nicht nur demonstrative sondern auch an den Stimmzetteln abzulesende Geschlossenheit innerhalb des Vereins nötig wäre.

Trotz Corona: Jansen sieht den HSV auf dem richtigen Weg

Reichlich Baustellen, die Jansen und seine Kollegen zu beackern haben, das gilt sowohl für den Aufsichtsrat als auch für das Präsidium. „Ich sehe den HSV auf einem sehr guten, dem richtigen Weg“, sagt er, mahnt aber: „Wir sind ein Verein, der nur vereint zu Erfolg kommt. Es ist wichtig, dass wir weiterhin Nachhaltigkeit und vor allem Stabilität reinbekommen.“

Eine Sorge kann Jansen den Mitgliedern und Fans nehmen. So hart die Zeiten der Corona-Pandemie auch seien: „Nach allem, was wir derzeit wissen und absehen können, wird die Corona-Krise den HSV nicht in seiner Existenz bedrohen. Es wurden frühzeitig und schnell Lösungen zur Bewältigung der verschiedenen Herausforderungen erarbeitet und umgesetzt.“

HSV verliert durch Zuschauereinbußen mehr als 25 Millionen Euro

Davon zehrt der HSV, dem vor allem die schmerzlich vermissen Zuschauereinnahmen (bis zu zwei Millionen Euro pro Heimspiel) fehlen. So kamen saisonübergreifend allein dadurch bereits Einbußen von etwa 25 Millionen Euro zusammen. „Wir müssen wachsam bleiben und gegebenenfalls unsere Handlungen immer wieder auf die Entwicklungen und Auswirkungen der Pandemie anpassen“, sagt Jansen. Ihm selbst kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. An nahezu allen Fronten.

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