So soll das Towers-Quartiershaus Ende 2022 aussehen – inklusive eines Internats.
  • So soll das Towers-Quartiershaus Ende 2022 aussehen – inklusive eines Internats.
  • Foto: Hamburg Towers/Robertneun

Basketball in Wilhelmsburg: Große Towers-Pläne: Internat, Arena, Meisterschaft, Europa!

Der Leidensweg der Towers-Fans war lang. Man verbachte mehr Zeit in der Zweiten Liga als erwartet und erhofft, im Oberhaus gab’s in der Premieren-Saison dann reichlich Dresche. Die Folge: der letzte Tabellenplatz. Dann die Corona-Rettung. Ein neuer Trainer mit Pedro Calles, der endlich den erhofften Erfolg bringt. Und die Pläne der Towers zeigen: Der Weg ist noch lange nicht vorbei.

Leiden müssen die Fans momentan aus anderen Gründen. Wegen der Pandemie ist es weiterhin verboten, die Hallen wieder zu füllen – zu groß wäre die Ansteckungsgefahr, selbst bei nur halb vollen Arenen.

Hamburg Towers: Der „lässigste“ Klub der Stadt wird immer größer

Aber: Erfolgreicher waren die Hamburg Towers, momentan das einzige „große“ Bundesliga-Team der Stadt, noch nie: Fünf Siege in Folge zum Saisonstart. Nach zuletzt schwachen Leistungen, unter anderem bei der Heimpleite gegen Aufsteiger Chemnitz, jetzt wieder in der Erfolgsspur. Sieben Siege. Sechster Platz. Kurzum: Ein Playoff-Kandidat – wer hätte das gedacht?

Justus Hollatz (r.) im Duell gegen MBC-Spieler Philipp Hartwich.

Justus Hollatz (r.) im Duell gegen MBC-Spieler Philipp Hartwich.

Foto:

imago images/Eibner

„Es war ein sehr emotionales Jahr. Wir waren weit unten“, sagte Towers-Chef Marvin Willoughby in Hinblick auf die vergangene Saison mit nur drei Siegen. „Es gab Momente, in denen man zweifelte, sich fragte: Ist das alles so richtig?“

Das könnte Sie auch interessieren: Gegen die alte Liebe: Ein ganz besonderer Sieg für Trainer Pedro Calles

Doch der Ex-Profi, der mit Kumpel Jan Fischer vor Jahren das Projekt „Sport ohne Grenzen“ ins Leben gerufen und daraus die Towers geformt hatte, fing sich, wendete das Blatt, tauschte fast den kompletten Kader aus. Er holte Veteranen wie Bryce Taylor und Jordan Swing, Scorer wie Terry Allen und Kameron Taylor, stark aufspielende Talente wie TJ Shorts und Maik Kotsar – und „Verteidigungsminister“ Max DiLeo.

Towers-Trainer Pedro Calles: Verstärkung muss zu uns passen

„Wir wollen unsere Identität finden“, sagt ein stets Euphorie bremsender Pedro Calles, der von vielen als Perfektionist beschrieben wird. „Und wir brauchen eine bessere Balance.“ Ihn stören die Verletzungs-Problematik und das damit einhergehende „oft nicht zufrieden stellende“ Training. Zusammen mit Willoughby hält Calles Ausschau nach Verstärkungen, die möglichst bald kommen, aber „auch zu uns und unserem Konzept passen müssen“.

Zur Identität der Towers gehört auch: die Förderung der Jugend. Ismet Akpinar (25, Bahcesehir Koleji/Türkei) und Louis Olinde (22, Alba Berlin) sind zwei Hamburger aus der Towers-Schmiede, Nationalspieler und gestandene Profis, die sich nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in Europa bereits einen Namen gemacht haben.

Das könnte Sie auch interessierenTowers-Profi DiLeo: „Es war wie bei Rocky Balboa“

Auch Justus Hollatz (19) gehört in diese Reihe. Ihm wird mehr und mehr Verantwortung verliehen. Calles: „Justus wird in der Zukunft der Mann sein, der die Dinge zum Laufen bringt.“ Und hätte ihm eine Schambein-Verletzung nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, wäre er auch schon fürs DBB-Team aufgelaufen. Das hatte ihm Bundestrainer Hendrik Rödl zugesagt.

Ende 2022 entsteht in Hamburg das Towers-Quartiershaus

Um die Jugendarbeit weiter zu stärken, wird bis Ende 2022 das neue „Quartiershaus“ im Wilhelmsburger Rathausviertel entstehen, unweit der edel-optics.de-Arena. Es soll die „neue sportliche Heimat“ der Towers werden, breitgefächerte Sportmöglichkeiten schaffen, Büroflächen bieten – und ein Internat für besondere Talente beherbergen. Kostenpunkt: 18 Millionen Euro, etwa viereinhalb kommen vom Bund.

Tomislav Karajica

Die Towers-Macher Marvin Willoughby und Jan Fischer mit Hauptgesellschafter Tomislav Karajica (von links)

Foto:

WITTERS

Ansonsten ist und bleibt die treibende finanzielle Kraft der Hamburger Korbjäger: Tomislav Karajica. Der Investor und Chef von „Home United“ ist Hauptgesellschafter und will für die Towers auch eine neue Heimspiel-Stätte bauen: Ursprünglich sollte sie in einem Hafenbecken an den Elbbrücken errichtet werden, die Arena mit dem Namen „Elbdome“. Politisch war der Plan nicht umsetzbar, also wird ein neues Gebiet gesucht – in jedem Fall will man nah an Wilhelmsburg bleiben, dort wo 2013 alles begann.

Hamburg: Dann soll die neue Halle für die Towers fertig sein

„Im Idealfall steht der Elbdome 2024“, sagt Karajica. „Auf einen genauen Zeitpunkt kann ich mich nicht festlegen. Das hängt davon ab, wann wir grünes Licht bekommen. In der Baubranche ist mitunter Geduld nötig, das habe ich in den zurückliegenden Jahren gelernt.“ Insgesamt soll die Halle, in die 150 Millionen Euro investiert werden, Platz für 8000 Zuschauer bieten – es wäre mehr als das doppelte Volumen von der Inselpark-Halle (3400).

Bleibt die Fan-Euphorie und Nachfrage wie bisher – die Heimspiele der vergangenen Jahre waren alle ausverkauft –, dann würden die Ticketerlöse ein gewaltiges finanzielles Polster schaffen. Von dem sich die Towers strukturell, aber auch sportlich signifikant verbessern könnten. Der Plan der Bosse: Hamburg auch attraktiv zu machen für jetzt noch zu teure Spieler – mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche, um bei Verhandlungen andere Topteams auszustechen. Und um langfristig gesehen auch irgendwann Meister zu werden und auf der europäischen Basketball-Bühne zu bestehen. Zukunftsmusik – die gut klingt.

Towers-Gesellschafter: In zehn Jahren noch immer das lässigste Team

Bis zu dem Punkt, an dem man die Hamburg Towers mal in einem Atemzug mit Alba Berlin, Bamberg oder Bayern erwähnt, ist es noch ein weiter Weg. „Aber wir befinden uns auf einem guten“, sagte Willoughby, dem es wichtig ist, weiter hungrig zu sein und mehr zu wollen. „Wir brauchen noch die ein oder andere Saison, um uns als feste Größe in der Liga zu etablieren.“

Karajicas Vision: „In zehn Jahren ist der Trophäenschrank schon passabel gefüllt und wir sind weiterhin das coolste und lässigste Team Hamburgs.“

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp