• Ab dem 1. Februar 2020 ist Großbritannien nach kein EU-Mitglied mehr – nach fast 50 Jahren Mitgliedschaft.
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Bye, bye, Britannia: Brexit um 0 Uhr offiziell – was ändert sich jetzt für uns?

Berlin –

Nun ist es soweit: Die Briten verlassen in dieser Nacht um 0 Uhr die EU. Nach fast 50 Jahren Mitgliedschaft haben Politiker beider Seiten des Ärmelkanals die Zukunftschancen und die eigene Stärke betont.

Zum Abschied schwang in Brüssel viel Wehmut mit, auch in London herrschte kaum Feierlaune. Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum ist Großbritannien ab dem 1. Februar 2020 kein EU-Mitglied mehr. Bis Jahresende gilt eine Übergangsfrist, in der sich fast nichts verändert. In der Zeit wollen Brüssel und London klären, wie sie künftig im Handel und vielen anderen Politikfeldern zusammenarbeiten.

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Ab dem 1. Februar 2020 ist Großbritannien nach kein EU-Mitglied mehr – nach fast 50 Jahren Mitgliedschaft.

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Welche Folgen der Brexit unter anderem für deutsche Urlauber, Anleger und Studenten hat – wir klären die wichtigen Fragen im Überblick: 

Ich will nach Großbritannien reisen. Was muss ich beachten?

Bei der Einreise wurde schon bislang genauer kontrolliert, da Großbritannien nicht zu den Mitgliedern des Schengener Abkommens gehört. Bislang ist ein Personalausweis Pflicht, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) erklärt. Um die Visumfreiheit im Falle eines harten Brexits aufrechtzuerhalten, hat die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt. Er sieht vor, dass Großbritannien Kurzaufenthalte von EU-Bürgern weiter visumfrei erlauben soll. Im Gegenzug würde dies für Aufenthalte von Briten in der EU gelten. Theoretisch denkbar ist jedoch, dass Reisende statt des Personalausweises einen Reisepass benötigen.

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Der Bund der Versicherten rät bei Auslandsreisen grundsätzlich zu einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung. Diese zahlt im Krankheitsfall auch für den Rücktransport nach Deutschland. An dieser Empfehlung ändert sich durch einen harten Brexit nichts.

Und wenn ich mit dem Flugzeug reisen will?

Die EU-Kommission hat einen Notfallplan vorgelegt, wonach der Flugverkehr bei einem harten Brexit auf dem Niveau von 2018 aufrechterhalten werden soll, erläutert der DRV. Das heißt: Vor allem neue Flugverbindungen des Sommerflugplans 2019 würden ausfallen, erklärt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt aus Hamburg. Auch zusätzliche Flüge auf einer bestehenden Strecke wären betroffen. Seiner Ansicht nach könnten davon Dutzende Flüge wöchentlich betroffen sein. „Das würde Zehntausende Passagiere treffen», so der Experte. «Die Airlines sind da bislang bemerkenswert ruhig.“

Auch gebuchte Veranstalterreisen über oder nach Großbritannien könnten laut DRV kurzfristig storniert werden, sollten sie bedingt durch den Brexit nicht mehr durchführbar sein. Alternativ wären bei diesem Szenario weiterhin Reisen nach England per Eurostar-Schnellzug oder mit dem eigenen Wagen möglich.

Wird Urlaub in Großbritannien bald günstiger für mich?

Ja, erklärt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ). Das Britische Pfund habe an Wert verloren – somit fallen im Urlaub geringere Nebenkosten an.

Wie sollte ich mich als Anleger verhalten?

Auch an den Börsen sorgt der Brexit für Unsicherheit. Anleger sollten laut den Verbraucherzentralen Geduld haben. Mit eiligen Entscheidungen liefen sie Gefahr, Geld zu verlieren. Kursschwankungen sollten sie also besser aussitzen, als hektisch Wertpapiere zu verkaufen. Die Aktienkurse kehrten nach derartigen Turbulenzen in der Regel wieder auf ein normales Niveau zurück. Wer sein Geld nicht dringend braucht, sollte geduldig bleiben.

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Und wie ist es mit meiner Lebensversicherung?

Kunden von britischen Lebensversicherern haben in jüngster Zeit Post bekommen: Die Anbieter wollen die Verträge von EU-Bürgern auf Tochtergesellschaften in Luxemburg und Irland übertragen. Für Betroffene aber kein Grund zur Panik, erklärt die Stiftung Warentest. Wichtigste Änderung: Die Verträge bei den Tochtergesellschaften stehen nicht mehr unter dem Schutz des britischen Financial Services Compensation Scheme (FSCS). Dieser Entschädigungsfonds springt ein, wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig wird.

Einen vergleichbaren Schutz für Kunden gibt es nach Angaben der Experten in Luxemburg und Irland nicht. Dennoch müssen Kunden ihre Verträge nicht gleich kündigen. Sie können zum einen Einwand erheben gegen die Übertragung. Oder sie führen den Vertrag einfach fort, wenn sie damit zufrieden sind und sich nicht an dem geänderten Insolvenzschutz stören. Wird der Vertrag jetzt fällig, können Kunden sich die Versicherungssumme auch auf einen Schlag auszahlen lassen, statt eine monatliche Rente zu beziehen. Bei manchen Verträgen lässt sich die Auszahlung sogar vorziehen.

Ich will ein Semester in Großbritannien studieren. Was jetzt?

Bislang ist Großbritannien Programmland von Erasmus+. Derzeit gibt es aber keine verbindlichen Aussagen über den Verbleib oder zum zukünftigen Status im Programm, wie die Bundesregierung erklärt. Bei einem ungeregelten Brexit könnte die Förderung bei einem Studienaufenthalt in Großbritannien entfallen, teilt die Nationale Agentur des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) mit. Die Europäische Kommission hat aber einen Notfallvorschlag vorgelegt. Demnach sollen Erasmus-Studenten in Großbritannien ihren Aufenthalt über den geplanten EU-Austritt der Briten hinaus abschließen können.

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Erasmus-Teilnehmer zahlen derzeit zudem keine Studiengebühren in Großbritannien. Auch auf diesen Vorteil müssten Studierende verzichten, wenn hierzu keine Sonderregelungen vereinbart werden.

Zahle ich für Handytelefonate in London bald wieder Roaminggebühren?

Bei Reisen auf die Insel könnten wieder Roaming-Gebühren anfallen, erklärt das EVZ. Derzeit fallen solche Gebühren etwa bei einem Handytelefonat von London nach Deutschland nicht an, weil sie innerhalb der EU abgeschafft wurden. Nach dem Brexit entfalle diese Regelung – es sei denn, Großbritannien wird Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).

Was auch passieren kann, zeigen die Beispiele anderer europäischer
Nicht-EU-Länder wie der Schweiz. Diese gruppieren manche
Mobilfunkanbieter trotzdem freiwillig in den Euro-Tarif ein – manche
aber auch nicht. Die Telekom beispielsweise hat bereits erklärt, Großbritannien auch nach einem Brexit vorerst weiter wie ein EU-Land behandeln zu wollen.

Muss ich nach dem Brexit mit Engpässen bei Arzneimitteln rechnen?

Nein. Die Pharmaverbände BPI und BAH warnen zwar vor möglichen Störungen in den komplexen Lieferketten von Medikamenten. Denn große Teile des Handels mit Arzneimitteln und den dazugehörigen Rohstoffen laufen oder liefen bislang über Großbritannien. Hinzu kommt, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA bisher in London saß. Die Behörde, die Medikamente für die gesamte EU prüft und freigibt, zieht allerdings jetzt nach Amsterdam um.

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Und auch die Pharmaindustrie hat sich offenbar auf den Brexit vorbereitet: Konkrete Meldungen über mögliche Engpässe liegen den beiden Branchenverbänden nicht vor. Auch die zuständigen Behörden erwarten keine Probleme – weder das Bundesgesundheitsministerium noch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Mit einem Versorgungsengpass bei den als versorgungsrelevant eingestuften Medikamenten sei nach dem Brexit nicht zu rechnen, so das Institut.

Ich will mir ein Auto einer britischen Marke kaufen. Ändert sich etwas für mich?

Kunden und Käufer britischer Automarken dürften zumindest bei Garantie und Gewährleistung künftig keine Nachteile haben, erklärt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Denn diese seien gesetzlich verankert, und UK-Produkte müssten auch in Zukunft den EU-Richtlinien entsprechen, wenn sie hierzulande verkauft werden.

Hersteller wie Mini und Jaguar Land Rover äußern sich entsprechend. So werde der Brexit „voraussichtlich keine Auswirkung auf unsere Garantie und Gewährleistung haben“, teilt Emma Begley von der BMW Group mit, zu der Mini gehört. Daran schließt sich Sprecherin Andrea Leitner-Garnell von Jaguar Land Rover an. (dpa/tmn)

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