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  • Torbjörn Selin ist Survival-Experte. Er bringt Urlaubern in Südschweden bei, aus welchem Material man ein Feuer entfachen kann.
  • Foto: picture alliance/dpa

Auf sich allein gestellt: Wie man in der Wildnis überlebt

Klavreström –

Mehrere Tage allein in der Natur verbringen – das klingt idyllisch. Doch was braucht man, um abseits der Zivilisation im Freien zu überleben? In Schweden können Urlauber das lernen.

Dicker Rauch steigt auf, als der Ast auf dem Feuer landet. Unter anderen Umständen käme niemand auf die Idee, feuchtes Holz nachzulegen. Doch mitten in der Nacht will auch in Schweden keiner allein in den dunklen Wald ziehen, um trockenes Holz zu suchen – und dabei womöglich einem wütenden Elch begegnen. Dann doch lieber das feuchte Holz bei der Feuerstelle nehmen.

In Südschweden kann es auch im Sommer nachts draußen richtig kühl sein. Das merken auch die acht Personen in ihren Schlafsäcken. Die meisten schlafen oder dösen, während ein Gruppenmitglied jeweils im Wechsel die Wärmequelle bewacht und auf Funken achtet.

In Schweden gilt Jedermannsrecht

Gemeinsam will die Gruppe lernen, abseits der Zivilisation im Freien klarzukommen. Für einen Crashkurs sind alle in die Provinz Småland gereist, so groß wie Nordrhein-Westfalen, aber mit deutlich weniger Menschen. Die Region ist wald- und seenreich, die Natur weitläufig.

Außerdem gilt in Småland wie überall in Schweden das Jedermannsrecht: Man kann in der Natur sein Zelt aufschlagen. Ideale Bedingungen, um das Überleben in der Wildnis zu lernen.

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Als die Gruppe bei Torbjörn Selin nördlich von Klavreström ankommt, nieselt es leicht. Der Gründer des Anbieters All in Nature Sweden trainierte einst Mitglieder der schwedischen Armee, nun bietet er mehrtägige Überlebenskurse in mehreren Schwierigkeitsstufen an.

Im Crashkurs auf dem Privatgelände des Abenteuerparks Little Rock Lake zeigt Selin, wie die Gruppe Nahrung findet, Essen kocht und im Freien übernachtet. Und welche Ausrüstung sie wirklich braucht. „Ein scharfes Messer, einen Feuerstein und einen hitzebeständigen Becher“, zählt der Trainer auf. Das Lager hat Selin direkt an einem See aufgebaut. Über dem Feuer hängt eine Kanne. Im heißen Wasser ziehen Fichtennadeln, es gibt aromatischen Tee. Kennenlern-Runde.

Der Trick mit dem Messer

Kurz darauf zieht Selin mit der Gruppe los, um trockenes Holz zu sammeln. Schwierig, da alles gut durchweicht ist. Es geht tiefer in den Wald hinein, wo das Holz besser vor Regen geschützt ist. Er sucht nach ein paar alten Ästen von umgestürzten Bäumen. Krach! Schon zerteilt der 46-Jährige das Holz an seinem Schienbein.

Als nächstes zeigt er, wie man ein dickeres Holzstück mit wenig Kraftaufwand spaltet. Dafür setzt er sein Messer am oberen Ende des Holzstückes an und schlägt mit einem dicken Ast auf den Messergriff. „Und jetzt ihr!“ Nun lässt der Regen nach.

Holzkringel eignen sich besonders gut dafür, ein Feuer zu entfachen – aber es kommt auch auf die richtige Technik an.

Holzkringel eignen sich besonders gut dafür, ein Feuer zu entfachen – aber es kommt auch auf die richtige Technik an.

Foto:

picture alliance/dpa

Um ein Feuer anzufachen, sind Holzspäne-Kringel hilfreich. Dafür schabt der Profi mit seinem Messer am Holz entlang. Die Klinge immer vom Körper wegführen. Jeder soll es ausprobieren.

Überlebenstraining: Wie man ein Feuer macht

Weiter zur nächsten Übung: Feuer machen. „Den Ort müsst ihr gewissenhaft aussuchen.“ Gemeinsam überlegt die Gruppe, worauf es ankommt: Der Platz muss trocken und windgeschützt sein. Also baut die Gruppe mit Steinen einen Windschutz. Oben drüber kommt eine Plane. 

Schon gleitet das Messer von Torbjörn Selin über den Feuerstein. Funken entflammen die ersten Holzspäne. Vorsichtig schichtet er die Holzspiralen, dann dünnere Hölzchen und später größere Äste auf.

Jetzt darf jeder sein eigenes Feuerchen machen. Beim Feuerstein sind der Winkel und die richtige Geschwindigkeit entscheidend. Manche fluchen, andere jauchzen – aber am Ende hat jeder eine kleine Flamme.

Nahrung in der Natur finden

Zwischendurch zeigt Selin der Gruppe essbare und heilende Pflanzen, zum Beispiel Schafgarbe, die bei Verdauungsbeschwerden helfen sowie krampflösend und entzündungshemmend wirken soll. Oder Sauerampfer, der überall am Wegrand wächst. Die Gruppenmitglieder finden zudem Sauerklee, Preiselbeeren, Himbeeren und ein paar Pfifferlinge. Das reicht natürlich nicht, damit alle mittags satt werden.

Wer sich im Wald auskennt, findet Nahrung – wie zum Beispiel essbare Pilze.

Wer sich im Wald auskennt, findet Nahrung – wie zum Beispiel essbare Pilze.

Foto:

picture alliance/dpa

Und so zaubert Assistent Martin Olsson aus einer Kiste: Knoblauch, Zwiebeln, passierte Tomaten, Couscous, Gewürze. Die Zutaten ergeben eine leckere, dickflüssige Suppe. Jeder isst aus dem eigenen Becher mit selbst geschnitztem Löffel. Der Regen hat aufgehört. So lässt sich das Überleben natürlich leicht trainieren. Was lernen wir daraus? Für den Ernstfall ist es praktisch, nahrhafte Lebensmittel dabei zu haben – etwa Nüsse oder Bananen.

Die Energie braucht die Gruppe für die nächste Aufgabe: Nachtlager bauen. Ein Feuer soll später in der Mitte brennen. Also muss der Rauch abziehen können. Torbjörn Selin gibt ein paar Tipps und lässt die Teilnehmer dann allein. Die Gruppe teilt sich auf: Einige suchen Feuerholz, manche bereiten das Abendessen vor, wieder andere bauen einen geräumigen Unterschlupf aus zwei Planen und langen Stöcken. In der Mitte gibt es einen Schlitz für den Rauch. Rechts und links hängen die Planen herunter. Steine beschweren ihre Enden.

Flusskrebse, Würste und Gemüsepfanne – lecker!

Nun fehlt das Abendessen. Wie gut, dass mittags schon mehrere Reusen im See ausgelegt worden sind. Die Ausbeute ist aber spärlich, nur ein paar der Tiere sind in die Reusen gekrabbelt. So spendiert der Trainer ein paar Würste und Gemüse.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Bei einer Tasse Instant-Kaffee sitzt die Gruppe am See, bespricht die Nacht und offene Fragen: Was, wenn man aus dem Wald nicht mehr zurückfindet? Gibt es einen Fluss, rät Selin, seinem Strom abwärts zu folgen – da sei die Chance hoch, irgendwann auf Zivilisation zu stoßen. Idealerweise hat man einen Kompass dabei und geht strikt in eine Richtung.

Fazit: Dieser Kurs war ein erster, sehr komfortabler Einblick in die Überlebensstrategien für die schwedische Wildnis – ohne Hungergefühl und mit weichem Nachtlager. Wer tiefer einsteigen will, muss mehr Zeit mitbringen – zum Jagen mit Fallen, Fischen, Orientieren im Wald – und kann zum Beispiel draußen schlafen im eisig-kalten Winter. (DPA)

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