Clara Weise (r.) und Emmi Spieler machen gerade ihr „Freiwilliges Soziales Jahr“ im monsun.theater.
  • Clara Weise (r.) und Emmi Spieler machen gerade ihr „Freiwilliges Soziales Jahr“ im monsun.theater.
  • Foto: / Patrick Sun

monsun.theater: „Unsere Liebeserklärung an ein kämpferisches Haus!“

Wir sind gerade aus der Schule raus. Und schon stehen wir mittendrin. Mittendrin in Kunst und Kreativität und Kampf in der Welt des Theaters. Wir, das sind Clara Weise und Emmi Spieler. Wir machen ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ im „monsun.theater“ in Ottensen. Es ist klein und fein, was toll ist, weil wir dort alles mitbekommen, was man braucht, um ein Theater am Laufen zu halten. Und, ganz wichtig: man lernt hier, dabei weder den Spaß, noch den Kopf zu verlieren…

Ursprünglich befand sich das älteste Off-Theater Hamburgs in einem süßen Hinterhof gegenüber der Zeisehallen. 2020 sollte mit einem Umbau Barrierefreiheit ermöglicht werden. Barrierefrei, aber auf allen Ebenen! Gesellschaftlich, kulturell und auch im zweiten Stock sollte das Theater Zutritt für alle schaffen, für Menschen mit und ohne Behinderung. Leider ging der schöne Plan nicht auf. Die Baustelle wurde stillgelegt.


Hamburgs Theater sind so etwas wie das Rückgrat der vielfältigen Kulturlandschaft. Rund 50 Häuser, verteilt überall in der Stadt. Hier wird täglich verhandelt, was uns ausmacht und umtreibt, als Menschen. Es wird: gelacht, geweint, geschrien, gejubelt, geschimpft. Und, in einigen Häusern​ gebangt um die Existenz – angesichts der pandemiebedingten und anhaltenden Zurückhaltung vieler beim Ticketkauf.​ Hier finden Sie Liebeserklärungen prominenter und engagierter Theater-Fans an die von ihnen favorisierten Häuser. Eine Einladung an Sie mitzuhelfen, diese Vielfalt zu erhalten.


„Unsere Chefin ist eine echte Kämpferin“

Aber unsere Chefin, Intendantin Francoise Hüsges, ist eine Kämpferin. Sie lässt sich auch von schwersten Herausforderungen nicht einschüchtern. Als sie auch dafür den Hamburger Theaterpreis „Rolf Mares“ 2022 in der Kategorie „Sonderpreis“ verliehen bekam, hieß es in der Laudatio, Francoise schaffe neue überragende Theaterformen. Und: Sie lasse sich weder beirren noch ausbremsen.

Und genau so ist das. In kürzester Zeit schuf sie eine neue Bühne für Hamburgs freie Szene. Auch für die Künstler:innen des hauseigenen AUSSICHT-Festivals, mit dem wir unser FSJ gestartet haben. Wir feierten mit Menschen mit und ohne Behinderungen im September vier Tage Diversität und Kreativität. Die neue Spielstätte ist dafür optimal.

Im monsun.theater bekommen wir den intimsten Blick hinter die Kulissen. Auch bei der neuen Eigenproduktion „Das Bellen der Hunde“, die Francoise und Michael entwickeln, haben wir richtig zu tun. Während Clara als Bühnenassistenz fleißig häkelt, feilen Emmi als Regieassistenz und Francoise mit rauchenden Köpfen am Regiekonzept.

Die Kreativität der Künstler:innen mitzuerleben, dabei und Teil zu sein, wenn das Stück erarbeitet wird, Kompositionen, Musikaufnahmen, Videoanimationen entstehen. Bei Schauspielproben dabei zu sein – für uns ist das alles ein Geschenk. 

Wir freuen uns auf eine berührende Uraufführung von „Das Bellen der Hunde“ von Michael Alexander Müller am 15. Dezember.

Ihre Clara Weise und Emmi Spieler

monsun.theater: Hamburgs älteste Off-Bühne

Das „monsun.theater“ ist Hamburgs älteste Off-Bühne. 1980 wurde es in einem Hinterhof-Haus an der Friedensallee eröffnet. Seitdem bietet es der freien Szene einen festen Spiel-Platz. Eigentlich, denn seit zwei Jahren wird das Haus saniert. Intendantin Francoise Hüsges und ihr Team haben ein Ausweichquartier in der Gaußstraße 149 gefunden, nur zehn Minuten fußläufig von der alten Spielstätte entfernt.