The Cure in Hamburg
  • Die Stimme von Sänger Robert James Smith hat sich über die Jahre kaum verändert.
  • Foto: Fabian Lippke

paidErinnerung ans erste Date: The Cure bringen Hamburger Fans zum Weinen

Von wegen alternde und hüftsteife Helden des Gothic-Wave-Pop: Satte zweieinhalb Stunden spielte die britische Kultband The Cure am Sonntagabend in der Barclays-Arena – und rührte viele Fans zu Tränen. 

Wie stimmt man sich auf Konzert von The Cure ein? Am besten mit einem Gewitter. Als ob der milde und sonnige Herbstsonntag so gar nicht zum mitunter düster anmutenden Gothic-Wave-Pop passen würde, gab es aus den Lautsprechern die Sounds von plätscherndem Regen und sachtem Donner – bevor die Band auf die Bühne kam.

Als Sänger Robert Smith kurz darauf ins Rampenlicht trat, konnte man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Welcher andere 62-Jährige sieht aus wie ein Komparse aus einem Tim-Burton-Film und kleidet sich immer noch so, als wäre er Anfang 20? 

Hamburg: The Cure sorgt für Tränen in den Augen der Fans

Die Haare sind etwas dünner geworden, aber als bei den ersten beiden Songs „Alone“ und „Pictures of You“ seine Stimme ertönte, klang sie immer noch so glasklar wie 1980, als The Cure zum ersten Mal in Hamburg spielten, damals in der Markthalle.

In der Barclays-Arena schaute man in die Gesichter vieler Männer und Frauen die zwischen 50 und 60 sind, die vor Ergriffenheit nicht zurückscheuten, manche mit Tränen in den Augen, in der Gewissheit, dass diese Stimme sie die vergangen 30 bis 40 Jahre ihres Lebens begleitet hat: Beim ersten Date, in der Dorfdisko, bei den „Return of the Living Dead“-Partys in der Markthalle oder den „Creatures of the Night“-Abenden im Kir an der Max-Brauer-Allee. 

Fabian Lippke Die britische Band The Cure sorgt bei den Fans für viel Nostalgie.
Die britische Band The Cure sorgt bei den Fans für viel Nostalgie.
Die britische Band The Cure sorgt bei den Fans für viel Nostalgie.

Am Sonntagabend in der nahezu ausverkauften Mehrzweckhalle am Volkspark war die Stimmung deutlich verhaltender, man ist halt älter und ruhiger geworden, aber auch weil sich The Cure eher meditativ und mitunter zäh durch ihre Setlist wühlten. Die Projektionen auf der Bühnenrückwand wirkten mitunter etwas beliebig, zwar einzelnen Songs angepasst, aber wie schnell dahingeworfen. Zu „A Forest“ gab es, na klar, ein paar Bäume im Blair-Witch-Look, bei „Endsong“ einen durchaus schön anzusehenden Blutmond, zu „Lullaby“ das obligatorische Spinnennetz. 

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Bei „Push“ erwachte das Publikum kurz aus seiner Trance und setzte zum kollektiven Fangesang an, das komplette Hit-Paket sparten sich The Cure aber für den zweiten Zugabenblock auf: „Friday I’m in Love“, „Close to Me“, „In Between Days“, „Just Like Heaven“ und „Boys Don’t Cry“ waren ein denkwürdiges Finale nach zweieinhalb Stunden Spielzeit. Vor Glück wischten sich manche Besucher ein weiteres Mal ein paar Tränen aus dem Gesicht und wiederholten noch einmal, was Robert Smith kurz vorher auf Bühne gesagt hatte: „Der Applaus und das Geräusch dieses Jubels – das ist der einzige Grund, warum ich die Band gegründet habe.“

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