Ein Schiff liegt mit schwerer Schlagseite im Meer.
  • Sieht nicht gut aus: Die „Ice Prince“ liegt mit schwerer Schlagseite im Meer.
  • Foto: Ankerherz Verlag

„Überleben im Sturm“: Wahre Schiff-Storys – spannender als jeder Krimi

Sie fahren raus in die stürmischsten Stürme, kämpfen mit den Wellen und riskieren ihr Leben, um das anderer Menschen zu retten. Und das alles als „Nebenjob“ – denn die Frauen und Männer, die bei der britischen Seenotrettung RNLI arbeiten, sind in ihrem eigentlichen Leben Handwerker, Künstler, Mechatroniker. „Überleben im Sturm“, das Buch, das gerade im Ankerherz-Verlag erschienen ist, erzählt ihre Geschichten. Und die sind spannender als jeder Krimi.

„Ich bewundere den Mut dieser Männer und Frauen, bei jedem Sturm rauszufahren, um andere zu retten. Für mich ist das die Definition von Heldentum“, sagt Stefan Kruecken, Verleger und MOPO-Kolumnist. Er hat das Buch, das ursprünglich in Großbritannien erschienen ist, nach Deutschland geholt. Elf Seenotretter:innen sprechen darin über ihre Einsätze.

Mark Criddle zum Beispiel. Eben sitzt er noch gemütlich vor seinem Fernseher in Torbay/Devon und guckt einen Darts-Wettbewerb, dann muss er die Besatzung eines Frachters aus größter Not retten: Die „Ice Prince“ hatte in Schweden Holz geladen und war vor der britischen Küste in einen Sturm geraten. Als Criddle das Schiff erreicht, hat es Schlagseite, und mit jedem Brecher neigt es sich weiter zur Seite. Der Seenotkreuzer kracht in die Bordwand der „Ice Prince“, die Lage wird immer gefährlicher.

Seenotretter Mark Criddle mit Wasser im Gesicht draußen am Meer, er hat seine Jacke bis zu den Ohren hochgezogen
Mark Criddle aus Torbay/Devon wurde zu dem Frachter mit schwerer Schlagseite gerufen.

Tiefen Respekt habe er empfunden, als er die Geschichten zum ersten Mal las, sagt Kruecken. „Sie wurden von der Reporterin Nikki Girvan sehr spannend aufgeschrieben. Dass sie echt sind, gibt dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz. Das ist kein ausgedachter Krimi, das ist ja alles so passiert.“

Auch die Story von Darren Harcus, einem Fischer aus Lerwick auf den Shetland-Inseln. Er muss am Morgen nach zwei anstrengenden Wochen auf seinem Fisch-Trawler wieder raus: Ausgerechnet das Schiff, auf dem er eben noch auf See war, ist in Not! Ein Leck im Rumpf, der Kahn läuft voll. An Bord: seine Kollegen. Kumpels. Gute Freunde. Der Trawler sinkt – und das Wasser hat nur 6 Grad. Wer da reinfällt, wird es warhscheinlich nicht überleben.


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So dramatisch die Geschichten auch sind, so ruhig und klar werden sie von den Seenotretter:innen erzählt. „Diese Leute sind so bescheiden. Sie prahlen nie, egal, was sie geleistet haben. Sie hassen Angeber und sie spielen nie den dicken Max. Was auch alles Schutz ist bei diesen Bedingungen im Sturm“, sagt Kruecken. „Da braucht es Sachlichkeit und einen klaren Kopf.“

Handwerker seien unter den Retter:innen, Automechaniker, Lehrer, ein Künstler, natürlich auch Fischer. Was die bunte Gruppe neben ihrer Ruhe und Bescheidenheit noch eint: „Der Gedanke, der Gemeinschaft am Meer etwas zurückgeben zu wollen. Ein großer Gedanke.“ Alle verbringen ihr Leben an der See, sind dort aufgewachsen, sie alle kennen die Gefahren.

Das Buchcover von „Überleben im Sturm“ zeigt ein Boot der Seenotrettung in hohen Wellen
„Überleben im Sturm“ hat 244 Seiten, ist im Ankerherz-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro.

Wie Dean Hegarty aus dem irischen Castletownbere, der einen Trawler retten muss, der nur wenige Meilen von der Rettungsstation in Seenot geraten ist. „Mayday“, der dinglichste aller Notrufe. Meterhohe Wellen und ein einziger Versuch, mit einem Seil die Schiffe zu verbinden …

Alltag für die Seenotretter:innen der RNLI. „Ich glaube, jeder, der einige Zeit dabei war, hat Erlebnisse zwischen Leben und Tod erlebt“, sagt Stefan Kruecken. „Es müssen nicht immer wilde Sturmgeschichten sein. Die See ist gefährlich – bei jedem Wetter.“

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