Kirill Serebrennikow lächelt und macht ein Victory-Zeichen
  • Star-Regisseur Kirill Serebrennikow bei seiner Ankunft am Hamburger Flughafen
  • Foto: dpa/Fabian Hammerl

Star-Regisseur überraschend in Hamburg: „Sehr wichtiger Ort für mich“

Damit hat wohl niemand gerechnet: Star-Regisseur Kirill Serebrennikow durfte nach vier Jahren Reiseverbot Russland verlassen und leitet seit Montag die Proben seines Theaterstücks am Thalia in Hamburg. Die Uraufführung von „Der schwarze Mönch“ ist für den 22. Januar geplant.

„Es ist unglaublich. Es ist ein wirklich gutes Theater, und hier arbeiten Freunde von mir. Hamburg ist jetzt ein sehr wichtiger Ort für mich“, sagte Serebrennikow am Montag in der Hansestadt. Wegen der Corona-Pandemie sei es sehr schwierig, internationale Projekte zu organisieren. „Trotz dieser schrecklichen Umstände versuchen wir, die Eröffnung möglich zu machen.“

Regisseur wurde 2017 verhaftet

Kirill Serebrennikow war im Sommer 2017 verhaftet und in Hausarrest gesetzt worden. Der Grund: angebliche Veruntreuung von Geldern. Das von der Staatsanwaltschaft geforderte Straflager wurde beim Prozess im Sommer 2020 in eine dreijährige Bewährungsstrafe mit Ausreiseverbot aus Russland umgewandelt. Jetzt aber habe Serebrennikow sehr plötzlich die Erlaubnis bekommen, in Hamburg zu arbeiten, hieß es.

Kirill Serebrennikow und Joachim Lux in der Ankunftshalle des Hamburger Flughafens
Kirill Serebrennikow (l.) mit Joachim Lux, Intendant des Thalia-Theaters, am Flughafen Hamburg

„Ich bin sehr, sehr froh und glücklich, dass Hamburg die erste europäische Stadt ist, in der ich nach viereinhalb Jahren wieder arbeiten darf! Denn es ist zugleich die letzte Stadt, in der ich vorher gewesen bin“, sagte Serebrennikow bei seiner Ankunft am Hamburger Flughafen. „Das fühlt sich sehr gut an! Das ist ein gutes Zeichen, und bestimmt kein Zufall!“

Thalia-Intendant ist von Zusammenarbeit begeistert

„Ich freue mich sehr, Kirill Serebrennikow in Hamburg begrüßen zu dürfen. Das ist eine Ermutigung für die Idee der Freiheit und eine Ermutigung auch für die Kunst“, sagte Thalia-Intendant Joachim Lux. Er kenne kaum einen Künstler, der mit so großer Menschenfreundlichkeit, innerer Unabhängigkeit und Kompromisslosigkeit für die Freiheit der Kunst brenne und lebe.


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Die Proben zu „Der schwarze Mönch“, einer internationalen Produktion mit russischen, deutschen, amerikanischen, armenischen und lettischen Künstlern, starteten am 8. November 2020 in Moskau und werden seit 4. Januar in Hamburg fortgesetzt. Die Premiere im Rahmen der Lessingtage ist für den 22. Januar vorgesehen. Nach der Premiere werde Serebrennikow wegen eines internationalen Films nach Moskau zurückkehren.

Der 52-Jährige hat in der Vergangenheit unter anderem auch schon in Stuttgart und Berlin inszeniert. Groß war die Solidarität in Deutschland, als dem Starregisseur in Moskau der Prozess gemacht wurde. Serebrennikow hatte stets seine Unschuld beteuert und fehlende Beweise beklagt. Weil er die Wirklichkeit oft schonungslos zeigt, macht sich der Opern- und Theatermacher immer wieder Feinde in der russischen Gesellschaft. Der Richterspruch stand als herber Schlag gegen die liberale Kunstszene in Russland in der Kritik. (dpa/mo)

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