Das Stück J'accuse im Schauspielhaus
Das Stück J'accuse im Schauspielhaus
  • Premiere mit buntem Berg – und später einer Kuh – auf der Bühne: „J’accuse!“ im Schauspielhaus
  • Foto: Thomas Aurin

Mit Cowgirls und ’nem Rindvieh: „J’accuse“ im Schauspielhaus

Gerade erst hat René Pollesch als neuer Chef die Tore zur Berliner Volksbühne geöffnet, da ist er auch mal wieder am Schauspielhaus in Hamburg und präsentiert mit coronabedingtem Verzug eine Uraufführung. „J’accuse!“ heißt das Stück – und spielt im Wilden Westen. Oder doch nicht?

Ein bunter, vollgekritzelter Berg erhebt sich auf der Bühne, die fünf Darstellerinnen treten in Jeans-Latzhosen, mit Cowboyhüten und Revolvern auf. Willkommen in „Westwelt“, einer Art Vergnügungspark, vielleicht auch einfach eine Kunstinstallation. Auf jeden Fall eine direkte Anknüpfung an die Pay-TV-Serie „Westworld“.

Unerwartetes Highlight: Der kurze Auftritt einer Kuh

In der Welt von Regisseur Pollesch ist das Ambiente allerdings nicht das Wichtigste, es ist immer ein offener Spiel-Raum für einen Diskurs über Schein und Sein, die Authentizität des Theaters, die Produktionsbedingungen von Kunst, für skurrile Beobachtungen und gute Gags. Sophie Rois („Ich klage an!“) beschwert sich immer wieder über die Mängel an ihrem künstlichen Reiseziel, Roboter sind nicht von Menschen zu unterscheiden, und die Bonmots fliegen nur so durch die Luft wie die Schüsse aus den Knarren.

Ein unerwartetes Highlight ist der kurze Auftritt einer echten Kuh, die gemütlich wiederkäut. Es folgt ein typischer Pollesch-Dialog: „Die Kuh ist auch nur ’ne Schauspielerin?“ – „Ja.“ – „Noch so ’ne durchsubventionierte Versagerin.“ Nach 75 Minuten unterhaltsamem, schrägem Theater ist klar: Das ist ein authentischer Pollesch. Wirklich. 

Schauspielhaus: 3./23.10., diverse Zeiten, 9-40 Euro, Tel. 24 87 13

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