Sie beugt sich zu ihm und überreicht ihm ein verpacktes Weihnachtsgeschenk
Sie beugt sich zu ihm und überreicht ihm ein verpacktes Weihnachtsgeschenk
  • Die Putzfrau (April Hailer) und der Wachmann (Gerhard Garbers) lernen sich Heiligabend im Kaufhaus kennen.
  • Foto: BoLahola

„Josef und Maria“: Weihnachtsmärchen nur für Erwachsene

Pünktlich zum Fest der Liebe kehren „Josef und Maria“ zurück. Die Kammerspiele bescheren uns mit der etwas anders erzählten Weihnachtsgeschichte von Peter Turrini eine berührende Tragikomödie um ein wundervolles Paar.

In einem menschenleeren Kaufhaus lernen sich die Putzfrau und der Wachmann an Heiligabend kennen. Fantastisch: die Charakterschauspieler April Hailer und Gerhard Garbers. Mit sensiblem Gespür für Zwischentöne und zwischenmenschliche Feinheiten zeigt das Traumpaar zwei vom Glück nicht übermäßig verwöhnte Menschen, die in der Heiligen Nacht Dienst schieben um ihrer Einsamkeit zu entfliehen.

Berührende Tragikomödie in den Kammerspielen

Doch bis sie Zweisamkeit erleben, reden der Freidenker und die einstige Varietétänzerin in der humorvollen und herzerwärmenden Inszenierung (Regie: Sewan Latchinian) erst einmal gehörig aneinander vorbei. Während  „Genosse“ Josef Pribil seine Parolen verkündet, verzweifelt versucht, seinen Traum vom Sozialismus zu retten und vom Cognac berauscht über die Lautsprecheranlage des Konsumtempels die Internationale anstimmt, erzählt Maria Patzak von ihrer Enttäuschung darüber, dass ihr Sohn sie um des lieben Friedens willen von seiner Weihnachtsfeier mit Frau und Kind ausgeladen hat.

Mit April Hailer und Gerhard Garbers

Doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Kokett, pfiffig und energisch übernimmt Maria, die sich nach Nähe und Zärtlichkeit sehnt, schließlich die Führung. Beim Tango heizt sie ihm ein, bis er als feuriger Valentino im Frack – ausgeliehen in der „Vorratskammer des Kapitalismus“ – vor ihr posiert. Zwischen Spindschränken und Reinigungswagen findet das Paar schließlich auf einer herbeigeschafften Matratze einen Raum für die Liebe – und sei es auch nur für diese eine Heilige Nacht ganz eigener Art.

Ein beglückend besinnlicher Theaterabend, der mehr Zuschauer verdient hätte.

Kammerspiele: bis 26.12., diverse Uhrzeiten, 21-46 Euro, Tel. 41 33 44 0

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