Artist balanciert einhändig auf einer Pyramide aus Sektgläsern
Artist balanciert einhändig auf einer Pyramide aus Sektgläsern
  • Balanciert auf allem, was die Bar so hergibt: Handstand-Akrobat Mirko Köckenberger
  • Foto: Morris Mac Matzen

In Kiez-Theater: Wildes Varieté wider die Besinnlichkeit

Alle Jahre wieder gibt’s etwas Neues, und zwar ein großes Showspektakel im Schmidt-Theater. Am Donnerstag feierte „Schmidts Winterglitzer“ Premiere – mit Pomp, Hausanzügen, fantastischer Akrobatik und derben Scherzen. Travestie-Diva Elke Winter empfängt ihre Weihnachtsfeiergäste in ihrem auf der Bühne aufgebauten Wohnzimmer mit Biedermeierstehlampe, Schrank in Eiche rustikal und Kronleuchter.

Sie ist die Einzige, die bereits einen Glitzerjumpsuit trägt – alle anderen, einschließlich Regisseur und Co-Moderator Nik Breidenbach, lümmeln in gemütlich-plumpen Hausanzügen auf den Sofas herum. Zum Start gibt’s gleich ein Partyspiel: Der schlimm-schönste Weihnachtspulli im Publikum wird gesucht. Ghostbusters, Rentier mit Knollnase oder Glöckchen („Elke Winter: „Können Sie auch mit dem linken Busen klingeln?“) – klar, dass da Iris mit den Glöckchen gewinnt und die erste Showhälfte auf dem Sofa auf der Bühne genießen darf. Und schon die erste Hälfte hat es in sich!

„Winterglitzer“ im Hamburger Schmidt-Theater

Hula-Hoop-Artist Niklas Bothe scheint in fließenden Bewegungen mit seinen Reifen zu verschmelzen und jongliert mit fast jedem Körperteil. Tuedon kreiert wunderschöne Figuren mit schwindelerregenden Drehungen an den Strapaten – und zwischendurch sorgen Winter und Breidenbach sowie die Travestiekünstlerinnen Adia Rocher und Cilit Bäng mit Songs wie dem Anti-AfD-und-Neonazi-Lied „Scheiße in Blau“ für Stimmung, vom gesamten Ensemble mit großartigen Tanzeinlagen unterstützt.

Führen derb durch den Abend: Elke Winter (l.) und Nik Breidenbach Morris Mac Matzen
Die beiden sitzen im Kostüm auf einem Sofa
Führen derb durch den Abend: Elke Winter (l.) und Nik Breidenbach

Überhaupt ist das gesamte Ensemble die ganze Zeit auf der Bühne, assistiert dem gerade im Mittelpunkt stehenden Act. So umrahmen etwa alle tanzend die Artistinnen des Duos Sienna, die am Vertical Pole wie eine Spiegelung ihrer selbst mit unglaublicher Körperbeherrschung und Einfallsreichtum turnen. Auch bei Handstand-Akrobat Mirko Köckenberger, der auf Flaschen und Gläsern balanciert, sind die anderen Künstler:innen mit von der Partie. Und beim Finale tanzen noch einmal alle gemeinsam zu „Born This Way“ und lassen die Grenzen endgültig verschwimmen, etwa als die Strapatenkünstlerin die Hula-Hoop-Reifen tanzen lässt und sich die Tänzer und Breidenbach in die Strapaten hängen.

Der Regisseur war nach der Premiere happy: „Ich bin total erfüllt und ein Riesenfan von den Akrobaten. Sie haben sich alle gegenseitig inspiriert.“ Wer ein paar Stunden großartige Artistik zwischen Disco und Schlager, Weihnachtspulli und Glitzerfummel erleben will, sollte sich „Schmidts Winterglitzer“ auf keinen Fall entgehen lassen!

Schmidt Theater: bis 28.1., Mi+So 19 Uhr, Do 19.30 Uhr,Fr+Sa 20 Uhr, ab 33 Euro

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