Die Schauspieler und Schauspielerinnen stehen in üppigen Kostümen vor einem Himmelbett
  • Das Theater Lindenhof Melchingen zeigt „Der eingebildete Kranke“ – in einer schäbischen Fassung.
  • Foto: RICHARD BECKER

Hamburger Festival zeigt die besten Theaterstücke des Landes

Mit den Privattheatertagen 2022 schaut Hamburg zum mittlerweile zehnten Mal über den Tellerrand der eigenen vielseitigen Szene hinaus. Das Jubiläums-Festival präsentiert bis zum 3. Juli Highlights der überregionalen Bühnenlandschaft: Zwölf herausragende Inszenierungen – Komödien, Zeitstücke und (moderne) Klassiker –, die an kleinen und großen Privattheatern während der Corona-Spielzeiten entstanden waren, aufgrund der Zwangspause dann aber nicht mehr gezeigt werden konnten.

Die Qual der Wahl hatte die Jury aus Theaterfachleuten: Drei Teams tourten durch Deutschland, um unter den 144 Beiträgen aller Bewerber die Hochkaräter zu entdecken und nach Hamburg einzuladen. Und wie in jedem Jahr stehen die Bühnen mit ihrer Aufführung im Wettbewerb um einen der renommierten Monica-Bleibtreu-Preise. Die (undotierte) Auszeichnung – auch eine Hommage an die 2009 in Hamburg verstorbene Grande Dame des deutschen Theaters – zu erhalten ist für die Theater wie ein Ritterschlag, der ihre Arbeit adelt.

Zwölf herausragende Inszenierungen sind zu sehen

Beeindruckt „von der hohen Risikobereitschaft der Privattheater, sich auch immer wieder mit vermeintlich komplizierten Themen zu beschäftigen“, ist Intendant Axel Schneider, der diese Leistungsschau 2012 ins Leben gerufen hat. Der Spagat zwischen dramatischem Tiefgang und niveauvoller Unterhaltung, mit dem die privaten Spielstätten Abend für Abend ihr Publikum erobern, spiegelt sich auch im Festival-Programm.

Mit gleich zwei Inszenierungen geht die Kulturbühne Spagat aus München an den Start. Das Theater ist ein Projekt der Initiative Horizont e.V., die von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründet wurde und sich für wohnungslose Kinder und Mütter einsetzt. Die Bühne präsentiert sich mit einem Drama zum Thema Kindesmissbrauch („Kitzeleien – Tanz der Wut“) sowie „Martha“. Die Komödie mit Puppenspiel wirft einen berührenden Blick auf das Alter und das Leben unter Einschränkungen.


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Eine Neuauflage erlebt „Der eingebildete Kranke“. Molières Komödien-Klassiker auf Schwäbisch (!) rechnet mit dem Weltschmerz heutiger Privilegierter ab. Ebenfalls mit einem Knüller reist die Theaterei Herrlingen an: Zu ihrer Aufführung von „Altes Land“ nach dem Bestsellerroman von Dörte Hansen wird auch die Autorin erwartet.

Eröffnet werden die Privattheatertage am Altonaer Theater mit dem „Automatenbüfett“. Die wiederentdeckte Komödie (von Anna Gmeyner), auf die Bühne gebracht vom Kölner Theater im Bauturm, stammt aus den 30er Jahren und macht im Kleinstadtleben zwischen technischer Neuerung und alljährlichem Festumzug die Katastrophe des aufkeimenden Nationalsozialismus sichtbar.

Auszeichnung: Festival verleiht Monica-Bleibtreu-Preis

Für Zuschauerinnen und Zuschauer steht also viel auf dem Plan: Die Privattheatertage bringen ihnen außergewöhnliche Schauspiele, Tanz und Figurentheater aus ganz Deutschland quasi direkt vor die Haustür.

Bis 3.7., diverse Spielorte, 9 bis 29 Euro, www.privattheatertage.de

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